François Fillon überrascht alle: Ex-Premier gewinnt erste Runde der Urwahlen in Frankreich

François Fillon überrascht alle: Ex-Premier gewinnt erste Runde der Urwahlen in Frankreich
Der französische Ex-Premierminister François Fillon während einer Wahlkampfveranstaltung, Paris, Frankreich, 18. November 2016
Die letzten Meinungsumfragen deuteten es schon an – dennoch überrascht der Sieg von François Fillon. Vor allem auch in seiner Deutlichkeit. Mitbewerber Sarkozy räumte seine Niederlage ein, und will sich aus der Politik zurückziehen. Alain Juppé will weiterkämpfen.

Man kann schon fast von einem Erdrutschsieg sprechen. Ex-Premierminister François Fillon hat die erste Runde der Urwahlen bei den französischen Konservativen gewonnen. Mit stolzen 44 Prozent der Stimmen. Der Zweitplatzierte Alain Juppé kam auf 28 Prozent der Stimmen. Abgeschlagen auf Platz drei landete Ex-Präsident Nicolas Sarkozy mit knapp 21 Prozent.

Ich sage allen Franzosen, dass wir zusammen für Frankreich die entscheidende Wende durchsetzen werden, so Fillon nach seinem Sieg in der ersten Runde.

Profitiert hat der Ex-Premierminister offenbar von der großen Wahlbeteiligung. Vier Millionen Bürger gaben am Sonntag ihre Stimme ab. Eine Rekordzahl. Das Ergebnis verschiebt deutlich die Machtverhältnisse innerhalb der konservativen Partei, da niemand mit so einem klaren Ergebnis für Fillon gerechnet hatte.

Bei der Urwahl zur Kür des Präsidentschaftskandidaten durften nicht nur Parteimitglieder abstimmen. Jeder Wahlberechtigte Bürger durfte sich einschreiben. Es genügten eine Unterschrift unter ein „republikanisches Wertebekenntnis“ und Zwei Euro Einschreibungsgebühren. Was Mitbewerber Sarkozy frühzeitig dazu veranlasste vor einer möglichen „Unterwanderung des Abstimmungsprozesses durch linke Sympathisanten“ zu warnen. Doch nun kam es anders.

Die französischen Medien sprachen nach dem Sieg Fillons am Sonntagabend von einer „historischen Wende.“ Die links-liberale Tageszeitung „Libération“ schrieb vom „Wunder Fillon.“ Fillon, passionierter Amateur-Motorsportler, sagte:

Es ist wie bei den Autorennen in Le Mans: Am Ende zählt, wer als erster die Ziellinie überquert.

Dabei sah es zu Beginn der Kampagne nicht gut aus für Fillon. Medien und Beobachter gingen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Alain Juppé, Bürgermeister der Stadt Bordeaux, und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy aus. Noch im August lag François Fillon mit knapp 15 Prozentpunkten an vierter Stelle des siebenköpfigen Kandidatenfeldes. Doch durch seine souveränen Auftritte während der drei TV-Debatten konnte sich Fillon in der Gunst der Wähler immer weiter nach oben vorarbeiten.

François Fillon gilt zwar als gemäßigter Konservativer, ist jedoch wirtschaftspolitisch der radikalste aller Bewerber. Er wird dem neoliberalen Flügel seiner Partei zugeordnet. Sein eigens für die Vorwahlen aufgestelltes Wirtschaftsprogramm wurde vom linken Lager sogar als „thatcheristisch“ gebrandmarkt.

Auch Außenpolitisch schert Fillon aus der atlantischen Linie seiner Mitbewerber aus. In mehreren Interviews verlangte Fillon, Ideen und Werte die in Syrien zum Krieg geführt haben, fallen zu lassen. Statt sich um den Sturz von Bachar-el-Assad zu bemühen, solle man sich lieber auf den Kampf gegen den IS und den islamischen Extremismus konzentrieren.

Fillon ging sogar soweit, Saudi-Arabien und die Golfmonarchien als „eines der problematischen Elemente des Syrien-Problems“ zu betiteln. Man könne nicht „mit Russland so hart ins Gericht gehen und gleichzeitig mit Saudi-Arabien alliiert sein.“ Fillon fordert einen „konstruktiven Dialog mit Moskau und Damaskus“ zur Syrien-Frage.

Marine Le Pen:

Am kommenden Sonntag findet die Stichwahl zwischen Fillon und Juppé statt. Und Juppé kündigte an, den Kampf fortzusetzen. Es stehe nun „Projekt gegen Projekt“, sagt Juppé:

Ich will Frankreich versammeln, ich will glaubhafte Reformen, Vollbeschäftigung und Autorität widerherstellen, für alle Franzosen.

Filllon gilt als Favorit für die Stichwahlen. Er gab sich nach seinem Sieg in der ersten Runde versöhnlich und beinahe schon präsidial. „Die Niederlage darf niemanden demütigen“, sagte Fillon. Und fand „einen besonderen Gedanken für Nicolas Sarkozy“. Der ehemalige Präsident Sarkozy gestand seine Niederlage ein. „Die Zeit der Bruderkriege ist vorbei“, sagte Sarkozy. Er werde im zweiten Durchgang für Fillon stimmen:

Sein Projekt passt am besten zu den Herausforderungen Frankreichs, deshalb werde ich beim zweiten Durchgang für ihn stimmen.

Dem Kandidaten der Konservativen werden bei der Präsidentschaftswahl 2017 gute Chancen gegen François Holland eingeräumt. Holland hat seine Kandidatur zwar noch nicht offiziell bekanntgegeben, aber niemand zweifelt daran, dass er nochmal in den Ring steigen wird. Seine Beliebtheitswerte sind jedoch wieder stark gesunken. Nach einem kurzen Hoch im Januar, als Frankreich von den Attentaten in Paris erschüttert wurde, ist Holland nun wieder in den Niederungen der Umfragewerte angekommen.

Eine Kandidatur von François Fillon könnte Holland jedoch entgegenkommen. Da Fillon als neoliberaler Hardliner in Wirtschaftsfragen gilt, könnte Holland versuchen einen Lagerwahlkampf zu führen. Es würde ihm die Möglichkeit geben, das gesamte linke Spektrum zu mobilisieren und um sich zu versammeln. Die Unbekannte in dieser Rechnung bleibt die Vorsitzende des Front National, Marine Le Pen.

Sollte Holland sich in den Umfragen nicht wieder erholen können, wird allgemein davon ausgegangen, dass Marine Le Pen es in die Stichwahlen schafft. Gegen den Kandidaten der Konservativen. Ob es dann wieder genauso ausgeht wie 2002, als ihr Vater Jean-Marie Le Pen gegen Jacques Chirac verlor, ist ungewiss.