Griechenland: Über 30 Prozent Arbeitslosigkeit, davon 70 Prozent Langzeitarbeitslose

Griechenland: Über 30 Prozent Arbeitslosigkeit, davon 70 Prozent Langzeitarbeitslose
Mitarbeiter des griechischen Parlaments tauschen die Fahne aus, Athen, Griechenland, 18. April, 2012
Die griechische Gesellschaft driftet weiter gefährlich auseinander. Über 70 Prozent der Arbeitslosen in Griechenland sind über ein Jahr ohne Beschäftigung. Die reale Arbeitslosenquote liegt immer noch bei über 30 Prozent. Eine Erholung der Wirtschaft ist nicht in Sicht.

Das griechische Institut für Arbeit (INE) der größten Gewerkschaftsvereinigung GSEE kommt zu anderen Ergebnissen, als die nationale Statistikbehörde (ELSTAT). Das Institut INE veranschlagt die reale Arbeitslosigkeit in Griechenland während des zweiten Quartals des Jahres 2016 auf 30,8 Prozent. Gleichzeitig kommt sie zu dem Ergebnis, dass sieben von zehn Arbeitslosen Langzeitarbeitslose sind. ELSTAT hatte von einer Arbeitslosenquote von 23,1 Prozent gesprochen.

Das Institut für Arbeit wirft in seinem Zwischenbericht über die griechische Wirtschaft und die Beschäftigung für das Jahr 2016 der nationalen Statistikbehörde vor, die tatsächliche Größe der Arbeitslosenquote zu unterschätzen. Das INE zählt für eine genauere Ermittlung der Arbeitslosigkeit neben den Arbeitslosen zusätzlich noch die potentiellen Arbeitskräfte hinzu.

Dazu zählen Menschen, die nach Arbeit suchen, jedoch während der Periode der Untersuchung nicht verfügbar waren. Hinzukommen jene, die verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen, sowie alle unterbeschäftigten Arbeitnehmer. Auf dieser Basis erklären sich die 30,8 Prozent im 1. Quartal des Jahres 2016. Ein Wert, der nur minimal unter dem Wert des letzten Jahres 2015 liegt. Damals wurden im 1. Quartal 31,7 Prozent gemessen.

Alarmierend ist die Analyse zusätzlich, wenn man die Ergebnisse nach Alter und Geschlecht unterteilt. Es zeigt sich, dass die Arbeitslosigkeit bei den 15- bis 24-Jährigen mit 49,1 Prozent im
2. Quartal 2016 fast unverändert hoch liegt. Zudem haben Frauen mit 27,6 Prozent eine deutlich höhere Arbeitslosenquote, als Männer mit 19,4 Prozent. Durch die Deregulierungen der Arbeitsverhältnisse steigen zudem die Teilzeitbeschäftigungen gerade bei der männlichen Bevölkerung konstant an.

Laut GSEE machen die Langzeitarbeitslosen 72,2 Prozent der Gesamtheit der Arbeitslosen aus. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen explodierte geradezu nach 2008 und stellt die griechische Gesellschaft vor immer größere Probleme. Obwohl bei den höheren Lohnstufen gekürzt wurde, bleibt der Mindestlohn nach wie vor unter der Armutsgrenze laut dem Kaitz-Index. Denn auch die Mindestlöhne wurden 2012 nach unten korrigiert.

Knapp ein Drittel aller Griechen hat keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Das öffentliche Gesundheitssystem ist praktisch zusammengebrochen. Viele Familien können nicht einmal mehr Impfungen für ihre Kinder bezahlen. Die Kinderarmut hat sich mehr als verdoppelt. Mittlerweile liegt sie bei 40 Prozent.

Dass sich die griechische Wirtschaft bis 2025 „normalisiert“, wie es die Regierung erhofft, erscheint vor dem Hintergrund der letzten Entwicklungen wie reines Wunschdenken. Um nicht zu sagen, wie blanker Hohn.

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