Das „Rocktoberfest“: Schweizer und Thüringer Rechtsradikale Seit an Seit

Das „Rocktoberfest“: Schweizer und Thüringer Rechtsradikale Seit an Seit
Neo-Nazis während einer Kundgebung, Hamburg, 17. Februar, 2001
Selbst Szeneinsider waren über den großen Andrang überrascht. Am 15. Oktober kam es in Unterwasser (Kanton St. Gallen) zum bisher größten Neonazikonzert der Schweiz. Über 5.000 Besucher aus ganz Europa ließen die Kassen der rechten Szene kräftig klingeln.

Im beschaulichen Toggenburger Unterwasser trafen sich in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober über 5.000 Neonazis zu einem „Rocktoberfest.“ Die Schweiz gilt als eine Art „Konzertparadies“ für Rechtsrockkonzerte. Das hat mit dem Schweizer Strafrecht zu tun. Es stellt unter Art.261bis StGB lediglich Diskriminierung unter Strafe, die in der Öffentlichkeit stattfindet.

Mitglieder des Ku Klux Klan (KKK) bei einer Kreuzverbrennung in Warrenville, South Carolina, 23. Oktober 2010.

Das bedeutet unter anderem, dass zum Beispiel das Zeigen des Hitlergrußes nicht verboten ist, so lange es im „privaten Rahmen“ stattfindet. Auch das Tragen von Hakenkreuzen ist in der Schweiz nicht grundsätzlich strafbar.

Schon Monate zuvor riefen die Veranstalter aus dem Umfeld des internationalen Neonazinetzwerks Blood & Honour über soziale Medien zum „Rocktoberfest“ auf. Nach Recherchen von antifa.ch war auch der Zeughaus-Versand mit einem Logo auf dem Flyer vertreten. Der Zeughaus-Versand ist ein Online-Versand aus Deutschland, über den man unter anderem Nachpressungen von vergriffenen Rechts-Rock-CDs in Vinyl beziehen kann.

Um an Tickets für die Veranstaltung zu gelangen, mussten Interessenten eine Mail an live.im.reich@mail.de schicken. Anschließend erhielten sie per Mail eine deutsche Kontonummer zugesandt. Unterzeichnet war das Mail mit „Reichsmusikkammer.“ Neben individuellen Kontakten zwischen Thüringer und Schweizer Rechtsaußen zeigt sich zunehmend auch eine Vernetzung der verschiedenen Organisationen.

Schweden: Gute Vernetzung mit Rechtsextremen anderer europäischer Länder.

Auf Initiative von Blood & Honour Schweiz fand 2013 in der Schweiz ein europäisches Vernetzungstreffen statt, um gemeinsame Aktionen abzusprechen. Die als terroristisch eingestufte Kampftruppe Combat 18 war ebenfalls bei diesem Treffen anwesend. Die Rechtsrock-Konzerte gelten als eine lukrative Einnahmequelle für die rechte Szene. Unter anderem zur Finanzierung von rechten Strukturen und offenbar auch zum Waffenkauf.

Es wird auch davon ausgegangen, dass Konzerte wie „Rocktoberfest“ zur Finanzierung von Prozesskosten beitragen. Der nächste Großevent steht schon vor der Tür. Am 19. November 2016 findet ein gemeinsames Konzert von Blood & Honour und den sogenannten Hammerskins statt. Die zwei ehemals verfeindeten Organisationen arbeiten scheinbar mittlerweile zusammen.