Großbritannien verlegt größtes Militärkontingent seit Kaltem Krieg an russische Grenze

Großbritannien verlegt größtes Militärkontingent seit Kaltem Krieg an russische Grenze
Begleitet von aggressiver Rhetorik in Richtung Moskau verlegt Großbritannien Einheiten und militärische Gerätschaften nach Estland und Rumänien.
Großbritannien entsendet rund 800 schwer bewaffnete Soldaten und Kriegsgerät nach Osteuropa. Die Verlegung markiert das größte militärische Aufbäumen des Vereinigten Königreichs an den Grenzen Russlands seit Ende des Kalten Krieges.

Der Einsatz britischer Soldaten in Osteuropa ist von langer Hand geplant. Vertreter des britischen Verteidigungswesen informierten die Presse über die Verlegung der Militärs allerdings erstmals am vergangenen Mittwoch.

Demnach stationiert London rund 800 Infanterieeinheiten in Estland und zahlreiche Kampfflugzeuge in Rumänien. Diese Form des militärischen Aufbäumens erinnert an die im Kalten Krieg bewährte Strategie der so genannten militärischen Eindämmung. Westliche Militärpräsenzen kreisten die Sowjetunion seinerzeit in globalem Maßstab regelrecht ein.

Medienberichten zufolge schließen sich auch Frankreich und Dänemark mit eigenen Truppenkontingenten der Royal Army in Osteuropa an. Der britische Einsatz von Truppen, Drohnen und Flugzeugen in Osteuropa wird voraussichtlich im Mai 2018 beginnen.

Im Interview mit dem Wall Street Journal schlug der britische Verteidigungsminister, Michael Fallon, einen aggressiven Ton an die Adresse Moskaus an. Er betonte, Europa ist "unser Kontinent" und werde auch als solcher verteidigt.

Während der oberste Beamte des britischen Verteidigungswesens beteuerte, die Truppenverlegung wäre "defensiver Natur", versprach er im gleichen Atemzug, dass die Soldaten "voll kampffähig" seien.

Der Minister leugnete, dass Soldaten in Kampfformationen im baltischen Raum in Stellung gebracht werden. Vielmehr seien sie ein "Stolperdraht" im Falle einer - von westlichen Medien herbeifantasierten, tatsächlich aber hypothetischen - Militärinvasion Russlands im Baltikum. Im nächsten Moment heißt es:

Das ist eine sehr ernsthafte Militärpräsenz.

Ein Bradley-Panzer im Jahr 2004 im Irak: Total veraltet, brauchen wir etwas neues...

Die ohnehin latenten Spannungen zwischen Großbritannien und Russland verschärften sich, nachdem eine Flotte russischer Kampfschiffe vergangene Woche durch die Nordsee den Ärmelkanal passiert hatte. Britische Kampfschiffe eskortierten daraufhin die russische Flotte rund um den Flugzeugträger "Admiral Kuznetsow".

Die Königliche Marine setzte Zerstörer auf die russische Flotte an, um den Russen "einen Mann an die Seite zu stellen", kommentierte Fallon. Überdies überflogen Kampfjets der Royal Air Force den russischen Flugzeugträger und riskierten damit ungewollte Missverständnisse. Moskau verlegt zurzeit Kriegsschiffe in das östliche Mittelmeer, um die russische Luftkampagne in Syrien zu unterstützen.

Die russische Durchfahrt durch den Ärmelkanal löste in der britischen Presselandschaft einen Sturm der Entrüstung aus. Manche Medien titelten Überschriften, die glauben ließen, Russland würde eine Militärinvasion auf die englische Insel starten.

Offiziell heißt es aus dem russischen Militär, die Marinegruppe wurde mit der Aufgabe betraut, "eine maritime Präsenz in betriebsnotwendigen Gebieten der Weltmeere zu gewährleisten". Darüber hinaus müsse die Flotte "die Sicherheit der Schifffahrt und anderer maritimer Wirtschaftsaktivitäten" Russlands schützen.

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