US-Marinesoldaten in Norwegen gegen die "russische Bedrohung"

US-Marinesoldaten in Norwegen gegen die "russische Bedrohung"
NATO-Übrung im Hohen Norden: Soldaten des British Royal Marines Commando trainieren in Dänemark, Mai 2007.
Auf Drängen des Pentagon hin soll auch Norwegen über eine dauerhafte Stationierung von US-Marinesoldaten im Norden des Landes abstimmen. Diese sollen im Fall einer Zustimmung ab Januar 2017 vor dem "russischen Aggressor" schützen.

Von Olga Banach

Ein Infobildschirm auf der norwegischen Seite der Grenze zu Russland.

Der Kampf gegen die allgegenwärtige "russische Gefahr" kennt keine Toilettenpause - auch nicht in Norwegen. Künftig sollen knapp 100 Kilometer von der Grenze zur Russischen Föderation entfernt rund 300 US-Soldaten in einem Rotationsverfahren von jeweils sechs Monaten außerhalb der Stadt Trondheim Präsenz zeigen. Noch fehlt aber die erforderliche Zustimmung vonseiten des norwegischen Parlaments.

Für die USA selbst wäre die Lösung verhältnismäßig preisgünstig: Das Rotationsverfahren reduziert die Unterhaltskosten eines solchen Militärstützpunktes. Familien müssen nicht nachgeholt werden und es bedarf keiner eigens angelegten Infrastruktur. 

Major General Neil E. Nelson, Kommandant der US-Marinestreitkräfte in Europa, gab gegenüber CNN bekannt:

Wenn das norwegische Parlament dem Schritt zustimmt, wird die Präsenz der US-Marine in Norwegen die Möglichkeiten der NATO erhöhen, schnell Kräfte zu sammeln und im Norden Europas anzuwenden.

Der Sprecher des norwegischen Verteidigungsministeriums, Lars Gjemble, bezeichnete die USA als einen engen Partner seines Landes.

Erst kürzlich hat Norwegen einen Grenzzaun im Norden errichtet, für dessen Sinn und Zweck die Anwohner des kleinen Ortes kein Verständnis haben, waren sie doch den alltäglichen Umgang mit dem russischen Nachbarn im kulturellen wie auch im geschäftlichen Leben gewohnt.

Im März wurde eine NATO-Übung mit dem Titel "Cold Response" in Norwegen abgehalten. Hierbei ging es um ein scheinbar fiktionales "Aggressor"-Land, welches nicht namentlich genannt wurde. Dass damit wahrscheinlich nicht Kiribati gemeint sein dürfte, legte alleine schon die Tatsache nahe, dass 14 NATO-Mitglieder an dem Manöver teilnahmen.

Die Forderung der Amerikaner nach Errichtung einer Rotationsbasis war jedoch vorhersehbar. Im Sommer haben die USA und Norwegen damit begonnen, den Weg für eine Überwachung des Grenzgebietes durch Flugzeuge des Typs P-8 vorzubereiten. Das P-8-Flugzeug ist ein U-Boot-Jagdflugzeug und dient vornehmlich der Seeüberwachung. Das Flugzeug kann mit Torpedos, Marschflugkörpern und ungelenken Bomben ausgestattet werden. Es lässt sich aber auch gegen Landziele einsetzen.

Explosion einer Sprengfalle in Baghdad, April 2014.

Wie zu Zeiten des Kalten Krieges hat das NATO-Mitgliedsland Norwegen mittlerweile auch wieder damit begonnen, Militärausrüstung für den Ernstfall in Höhlen zu horten. Diese Ressourcen könnten bis zu 15.000 US-Marinesoldaten zugutekommen. Auch die schwedische Presse macht die Truppenstationierung zum Thema und betont den schwelenden Konflikt mit Russland.

Seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts haben die USA mehr Truppen in nord- und osteuropäischen Partnerstaaten, meist NATO-Mitgliedsländern, an der Grenze zu Russland implementiert. Bisher hat die norwegische Regierung noch kein Datum für eine Entscheidung zur möglichen Stationierung gesetzt.