Calais: Lage im Flüchtlingslager „Dschungel“ spitzt sich zu

Calais: Lage im Flüchtlingslager „Dschungel“ spitzt sich zu
Junger Flüchtling steht einem französischen Polizisten gegenüber, Jungle in Calais, März 2016.
Montag soll geräumt werden. Jahrelange Tatenlosigkeit, jetzt soll es plötzlich schnell gehen. Auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie am Rande von Calais, leben immer noch bis zu 10.000 Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Es war vermutlich der letzte Versuch, die Räumung zu verhindern. Elf Hilfsorganisationen hatten einen Eilantrag gegen die Auflösung des Flüchtlingslagers in Calais gestellt. Das Verwaltungsgericht der Stadt Lille lehnte diesen Antrag nun ab. Damit droht am kommenden Montag die gewaltsame Räumung und Auflösung des als „Dschungel“ bekannt gewordenen Lagers. Die Lage vor Ort ist angespannt.

Am gestrigen Dienstag berichtete die Presse von der Vergewaltigung einer Paschtu-Dolmetscherin. Sie soll sich zusammen mit einem Kameramann zwecks Filmaufnahmen für den französischen Sender France 5 in dem Lager aufgehalten haben. Heute kam es zu einer größeren Schlägerei, bei der ein Flüchtling getötet und zwei weitere verletzt wurden. Auch in der Vergangenheit kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Unter den Flüchtlingen selbst, wie auch zwischen Flüchtlingen und Einheimischen.

Staatspräsident Hollande, der im Mai dieses Jahres zwar die Stadt Calais,  nicht aber das Flüchtlingslager besucht hatte, versprach am 26. September die definitive Schließung des Lagers. Jetzt scheint es Ernst zu werden. Doch Thierry Kuhn, Sprecher der Organisation Emmaus, und gleichzeitig Sprecher der elf Organisationen, die den Eilantrag eingereicht haben, lehnt die Räumung nach wie vor ab.

Er argumentiert, dass die Französischen Behörden nicht bereit seien für eine angemessene Umsiedlung der Flüchtlinge, die in Aufnahmezentren über das ganze Land verteilt werden sollen. Zudem stelle die Umsiedlung keine nachhaltige Lösung dar. Das Schicksal von rund 1.300 unbegleiteten Minderjährigen sei zudem nicht geklärt.

Die meisten Flüchtlinge im Lager hoffen immer noch auf eine Weiterreise nach Großbritannien. Seit Januar 2015 kamen mindestens 33 Migranten bei dem Versuch ums Leben, mithilfe von Lastwagen auf die Fähre nach Großbritannien zu gelangen.

Im September dieses Jahres begannen die Bauarbeiten für eine Mauer um den Hafen von Calais, um die Flüchtlinge von den Lastwagen fern zu halten. Es bleibt abzuwarten, ob die französischen Behörden am Montag tatsächlich räumen und wie die Flüchtlinge dann reagieren werden. 

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