Erst gekündigt, dann wieder freigegeben - Hintergrund zur Posse um RT-Konten in Großbritannien

Erst Kündigung, dann Rückzieher: Die Royal Bank of Scotland ist mit ihrem Versuch gescheitert, die Konten von RT in Großbritannien aufzulösen.
Erst Kündigung, dann Rückzieher: Die Royal Bank of Scotland ist mit ihrem Versuch gescheitert, die Konten von RT in Großbritannien aufzulösen.
Die gestern mitgeteilte "endgültige" Kündigung der RT-Bankkonten in Großbritannien wurde heute zurückgenommen. Auch Filmemacher Oliver Stone, dessen Film "Snowden" im Kino die Massen bewegt, solidarisierte sich angesichts wachsenden Protests mit RT.

Die Meldung sorgte zu Wochenbeginn für einige Schlagzeilen: Die National Westminster Bank (NatWest), die zur Royal Bank of Scotland gehört, hatte das weltweit tätige Sendernetzwerk RT darüber in Kenntnis gesetzt, dass alle Konten des Unternehmens in Großbritannien bis zum 12. Dezember 2016 gekündigt werden würden. Die Entscheidung sei endgültig, es werde keine weitere Überprüfung geben.

Margarita Simonjan

Auch Medien des Mainstreams, die sonst gerne vorgeben, RT zu ignorieren, meldeten die Kontosperrung schnell und alles in allem wahrheitsgetreu. In sozialen Netzwerken sorgte die Entscheidung für Entrüstung. Nicht wenige Kommentatoren fragten:

Was wäre wohl los, wenn eine russische Bank diesen Schritt gegen die BBC vollzogen hätte?

Gerade der Vorwurf, die Pressefreiheit zu unterdrücken, wird seitens westlicher Staaten immer wieder mit Blick auf Russland erhoben. Es mutet wie ein Treppenwitz an, dass nun mehr und mehr ausgerechnet ein russisches Medienunternehmen in den Staaten Europas und jenseits des Atlantiks mit immer härteren Geschützen attackiert wird. RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan sah die Kündigung der Bankkonten als einen weiteren Schritt in einer langen Kette von Sabotage- und Diffamierungsakten an, durch die Vertreter des Mainstreams und die etablierte Politik RT "den Mund stopfen" wollen.

Nicht wenige Mediennutzer schlossen sich dieser Meinung an. RT International berichtete noch am gestrigen Abend von zahlreichen Solidaritätsschreiben, die den Sender erreichten.

Mehrere Leser aus Großbritannien entschieden sich sogar dazu, als Folge der Maßnahme seitens NatWest ihr eigenes Konto bei der Bank zu kündigen.

Auch der Filmemacher Oliver Stone, dessen neuester Streifen "Snowden" gerade das Kinopublikum begeistert, solidarisierte sich mit RT:

RT verhält sich immer verantwortungsvoll und ist sehr eindeutig bezüglich der Fakten. Vielleicht sind sie eine Gefahr […]. Es ist ein Medienkrieg und es ist eine Schande, dass die Wahrheit geopfert wird.

Die Kontenkündigung, so die einhellige Beurteilung auch RT-kritischer Beobachter, muss politische Gründe haben und ist im Lichte neuer Sanktionsforderungen seitens der USA und Großbritanniens gegen Russland zu bewerten. RT selbst betonte, alle rechtlichen Regeln streng einzuhalten, auch gab es keine offene juristische Auseinandersetzung in Großbritannien oder gar eine Ankündigung eines solchen Schrittes.

Am heutigen Dienstag dann der Rückzug: Die Geschäftsbeziehungen können nun doch weitergeführt werden, man werde die Kündigung doch nicht vollziehen, teilte NatWest mit. Zuvor waren Signale aus Moskau zu vernehmen, der Kreml könne mit einem Einfrieren der Konten der britischen BBC antworten.

Die Royal Bank of Scotland, zu der die Bank NatWest gehört, behauptete gegenüber der Nachrichtenwebseite "International Business Times" schließlich, die Kündigung habe sich gar nicht an RT gerichtet, sondern lediglich an einen "Zulieferer". Gemeint war damit aber kein Büroartikelhändler oder Cateringdienst für die eifrige Belegschaft, sondern RT UK, die 100-prozentige britische Tochter der RT-Familie, an die das Kündigungsschreiben adressiert war.

Dass auch solche Ausflüchte mittlerweile kaum noch Anklang finden, belegt die Einschätzung des Falles durch die britische Times. Nachdem die RT-Konten wieder freigegeben wurden, kommentierte das ehrwürdige Blatt etwas zähneknirschend:

Es ist ein bemerkenswerter Sieg für Russland.

Der Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff gab gegenüber RT Deutsch eine Einschätzung zu den Hintergründen der versuchten Kündigung aller RT-Konten durch die NatWest Bank in Großbritannien ab: