Monsanto auf der Anklagebank: Mehrtägiges Tribunal gegen den Gentechnik-Riesen in Den Haag

Besonders kleine und mittelständische Bauern leiden unter Agrar-Konzernen wie Monsanto.
Besonders kleine und mittelständische Bauern leiden unter Agrar-Konzernen wie Monsanto.
Vom heutigen Freitag an sitzt der Agrar-Riese Monsanto für drei Tage auf der Anklagebank. Zwar ist das "Monsanto-Tribunal" in Den Haag ein rein aktivistisches mit bloß symbolischem Charakter, doch der Druck auf den umstrittenen Konzern steigt stetig.

Die stark anwachsende Weltbevölkerung ist auf ausreichend Nahrung angewiesen. Verfechter der Gentechnik und des Einsatzes aggressiver Umweltgifte argumentieren, ohne die industrielle Landwirtschaft wäre das Ziel der Versorgung all dieser Menschen nicht zu erreichen.

Das Problem ist jedoch: Die Strategien der ständigen Erntemaximierung sind lediglich auf Kurzfristigkeit angelegt. Neben der Gefahr einer langfristigen Zerstörung der Böden ist auch die Verbreitung genetisch veränderten Saatgutes ein Problem. Kritiker von Unternehmen wie Monsanto, das erst kürzlich von dem deutschen Chemiekonzern Bayer übernommen wurde, beklagen deshalb einen "schleichenden Ökozid". Die vermeintlichen oder tatsächlichen Sünden an Mensch und Umwelt sollen als Straftatbestand im internationalen Recht verankert werden, lautet die Forderung der Aktivisten.

Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, startet heute in Den Haag, wo sonst Kriegsverbrecher auf der Anklagebank sitzen, eine öffentliche symbolische "Gerichtsverhandlung" gegen Monsanto. Die Aktivisten haben ihrer Initiative den Namen "Monsanto-Tribunal" gegeben. Die "Anklage", die Gegenstand des "Prozesses" sein soll, lautet auf zahlreiche Fälle mutmaßlicher Umweltverbrechen wie etwa die Herstellung und der Vertrieb des Herbizides Glyphosat.

Mit ins Leben gerufen hat dieses Aktivistentribunal die Inderin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Dr. Vandana Shiva. Besonders in ihrem Land sind ihren Angaben zufolge zahlreiche Kleinbauern Opfer von Gängelungen und Preistreibereien seitens der Saatgut-Giganten. In vielen Fällen gelangt die letzte Dosis des Umweltgifts nicht mehr auf die Felder, schildert Dr. Shiva. Die Kleinbauern schlucken sie immer wieder selbst, um sich das Leben zu nehmen, nachdem die harten Marktbedingungen der industriellen Landwirtschaft sie in den materiellen Ruin getrieben haben.

Auch sonst ist das "Gericht" prominent besetzt. Neben Françoise Tulkens, der ehemaligen Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, nimmt auch der Rechtswissenschaftler Dr. Jackson Nyamuya Maogoto der Universität Manchester an der Aktion teil. Ein reines Schautribunal soll die Veranstaltung deshalb nicht sein. Durchaus ernsthaft sollen die Vorwürfe, die seit Jahren gegen Monsanto formuliert werden, durchverhandelt werden. Das "angeklagte" Unternehmen selbst zog es jedoch vor, dem Prozess fernzubleiben und verzichtet damit auch auf eine Verteidigung.

Parallel zum "Tribunal" finden Informationsveranstaltungen und eine People's Assembly statt. Die Initiative bietet auf ihrer Webseite einen Live-Stream aller damit im Zusammenhang stehender Veranstaltungen an.