Grenzzaun zwischen Norwegen und Russland sorgt für Empörung bei norwegischen Bürgern

Ein Infobildschirm auf der norwegischen Seite der Grenze zu Russland.
Ein Infobildschirm auf der norwegischen Seite der Grenze zu Russland.
Der Grenzzaun zwischen Norwegen und Russland steht. Im weit entfernten Oslo zeigt man sich zufrieden, im hohen Norden aber wundern sich die Menschen über die Funktion einer Barrikade, die ihren Alltag erschwert.

Von Olga Banach

Flüchtlinge an der russisch-norwegischen Grenze, Murmansk-Region.

Die Stimme des norwegischen Königs, der in seiner jüngsten Ansprache die Vielfalt des norwegischen Volkes anpries, war kaum verhallt, da war auch schon der Grenzzaun zwischen Norwegen und der Russischen Föderation Wirklichkeit. Es ist ein Zaun, über dessen Funktion sich die Anwohner auf beiden Seiten wundern. Er ist 200 Meter lang und weist eine Höhe von 3,5 Metern auf. Der Zaun ist mit einem älteren, weit weniger imposanten Grenzzaun verbunden, der nach wie vor leicht überwindbar ist.

Soll dieser Zaun tatsächlich die illegalen Flüchtlinge abhalten, die sich über die russische Grenze auf den Weg nach Norwegen gemacht haben? Im Jahre 2015 waren es rund 5.000 Menschen, die auf Fahrrädern dem Eis trotzten, um auf diese Weise den illegalen Übertritt nach Skandinavien zu wagen. Denn die Gesetze der norwegischen und russischen Seite erlauben es einerseits nicht, die Grenze zu Fuß zu überqueren, andererseits nicht, ohne Papiere auf Fahrrädern zu kommen.

Ann-Margrit Austena von der norwegischen Vereinigung für Asylsuchende ist skeptisch:

Wir denken, es ist hoffnungslos. Der Zaun hat lediglich Signalkraft. Aber wir sind der Überzeugung, dass es das falsche Signal ist.

Norwegen hat erst im April seine Asylgesetze verschärft. Der Grenzübertritt ist nun nur noch für diejenigen Flüchtlinge erlaubt, die direkt aus einem Konfliktgebiet nach Norwegen kommen.

Angesichts der auf diese Weise vollzogenen, weitgehenden Abschottung mehrt sich der Argwohn unter den Anrainern des Grenzzauns: Ist dieser nicht vielmehr ein Zeichen der Angst vor einer angeblichen russischen Invasion? Aus Oslo heißt es, dass der Zaun die Sicherheit im Grenzgebiet erhöhe.

In der kleinen norwegischen Stadt Kirkenes, unweit des Grenzüberganges Storskog gelegen, behindert er hingegen die Bürger in ihrem Alltag. Kirkenes ist ein Ort, in dem die Beschriftung von Schildern auf Russisch und auf Norwegisch erfolgt, und die Menschen auf beiden Seiten der Grenze betreiben seit jeher miteinander Handel.

Ein Taxifahrer aus Kirkenes äußert sich irritiert:

Es ist so, als würde jemand in ihrem Garten einen zwei Meter hohen Zaun aufstellen. Sie würden sich wundern, warum ihr Nachbar dies tut.

Eine Norwegerin stellt auf Twitter eine Referenz zur TV-Serie "Occupied" (Okkupert) her, in der Russland in Norwegen einmarschiert.

Für Frode Berg, einen Grenzbeamten in Storskog, ist der Zaun ein Akt sinnarmer Provokation:

Der Zaun hat eine hässliche Symbolkraft. Er ist respektlos gegenüber unseren Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze.

Für Berg gefährdet dieser die Beziehungen zu Russland, die seit den 1990er Jahren mühsam wiederhergestellt wurden. Für den Leiter des norwegischen Barents-Sekretariats, Lars Fordal, hat der Zaun den faden Nachgeschmack des "Kalten Krieges".

Ein Teilstück des Zaunes, insgesamt 50 Meter lang, muss nun aber wieder abgerissen und neu aufgebaut werden, da dieser zu dicht an der russischen Grenze steht. Der Zaun soll nun auch noch mit einem Überwachungssystem ausgestattet werden. Die norwegische Regierung betont dennoch, dass zwischen ihr und Russland ein guter Dialog bestünde.

Unter den Menschen in Kirkenes macht sich ungeachtet dessen die Überzeugung breit, dass die 486.000 US-Dollar, die das Projekt bisher verschlungen hat, anderweitig sinnvoller hätte eingesetzt werden könnten.