Verdächtige Ansprachen und bizarre Autokennzeichen: Russische Agenten machen sich in Schweden breit

Verdächtige Ansprachen und bizarre Autokennzeichen: Russische Agenten machen sich in Schweden breit
Unter dem Eindruck der permanenten Stationierung der schwedischen Armee will die schwedische Presse von vermehrten Sichtungen russischer Agenten auf Gotland erfahren haben. Diese sollen unter anderem als Touristen getarnt NATO-Soldaten ausfragen.

von Olga Banach

"Könnten Sie mir bitte das Schild übersetzen?" – So oder ähnlich sollen die Gespräche der vermeintlichen russischen Agenten mit schwedischen Soldaten begonnen haben, die mittlerweile wieder häufiger auf der Ferieninsel präsent sind. Anschließend fragten sie die Soldaten nach ihrer Einheit und deren Funktion auf der Insel Gotland aus. Vorfälle dieser Art sollen sich in den letzten Wochen mehrfach zugetragen haben. Der Kommandant der Truppe auf Gotland, Hans Håkansson, hat die Richtigkeit der Darstellungen mittlerweile bestätigt. Angstgeplagte Schweden betrachten die Insel Gotland, gelegen an der schwedischen Ostküste, als das "erste Ziel Putins im Falle einer Invasion".

Schwedischer Marinesoldat  auf der Korvette HMS Malmo richtet sein Maschinengewehr gegen die imaginierten russischen Invasoren.

Håkansson bestätigte außerdem, dass es sich bei den Touristen, die die Soldaten angesprochen haben, ausschließlich um Russen handelte und dass die falschen Touristen ein "sehr professionelles" Verhalten an den Tag gelegt hätten. Die Auswahl der Orte, an denen die vermeintlichen Spione den Kontakt gesucht hatten, konzentrierte sich bislang auf touristische Attraktionen. Es wurden bereits Warnungen an die auf der Insel stationierten Soldaten ausgegeben.

In der schwedischen Presse kursieren dieser Tage auch Berichte, wonach sich generell vermehrt Spione im hohen Norden Schwedens aufhalten würden. Laut Peter Hultqvist, dem Verteidigungsminister Schwedens, ist russische Spionage in seinem Land keine Neuigkeit. Weitere Kommentare hierzu wollte Hultqvist gegenüber dem schwedischen Nachrichtensender SVT jedoch nicht liefern.

Das Gebiet Norrbotten, im Norden des Landes gelegen, ist eine Trainingsbasis für schwedische Manöver und auch für solche der NATO. Ausgerechnet hier sollen sich nun vermehrt russische Spione aufhalten. SVT nimmt in diesem Zusammenhang unter anderem Bezug auf ein russisches geologisches Flugzeug, das im Frühjahr dieses Jahres von deutschen Wissenschaftlern angemietet worden war und sich anschließend ohne Genehmigung im Norden Schweden aufgehalten hatte.

Der Militärstratege Stefan Ring äußerte sich gegenüber den schwedischen "Tagesnachrichten" (Dagensnyheter) besorgt angesichts der steigenden Anzahl angeblicher russischer Spionageaktivitäten sowohl im Norden als auch auf Gotland. Die Beobachtungen, die auf solcherart Umtriebigkeit hindeuten, würden auch den Schlussfolgerungen in jüngsten Berichten des schwedischen Geheimdienstes (Säpo) entsprechen.

Dieses schwedische U-Boot heißt nach der Insel Gotland und symbolisiert die Probleme, die das Land mit den Russen hat: Immer wenn das Militär eine engere Bindung an die NATO will, tauchen unidentifizierte U-Boote in den Medien auf.

Es wird aber noch unheimlicher: So soll es Beweisbilder geben, die Aktivitäten eines Fahrzeugs mit ausländischem Kennzeichen dokumentieren, das über mehrere Antennen verfügt hätte und im Norden des Landes aufgetaucht wäre. In der Stadt Lulea soll sogar ein NATO-Offizier von einem Russen in einer Bar bedroht worden sein. Der Mann hätte überdies Bilder der Familie des NATO-Offiziers bei sich gehabt und genauere Informationen über die in dem neutralen Land geplanten Manöver des atlantischen Bündnisses verlangt haben.

Mikael Frisell, der Kommandant der Militärregion Nord, äußerte sich über die vermeintlichen Aktivitäten der Spione:

Alles ist darauf ausgerichtet, unsere Geschäfte und Leute zu stören, sei es öffentlich oder im Verborgenen. Es ist genug, um zu zeigen, dass sie [die Spione] hier sind und sehen, was hier vor sich geht."

Ihm liege ein Sicherheitsbericht vor, der die angebliche gezielte Ansprache eines Individuums dokumentieren würde, erklärte Frisell. Auf weitere Details wollte allerdings auch er nicht eingehen. Untätig will man den Aktivitäten gegenüber jedoch nicht bleiben: Wie in Südschweden soll nun auch im Norden eine Telefonhotline eingerichtet werden, bei der sich die Bevölkerung melden kann, so sie etwas Verdächtiges entdecken sollte.