Gerichtlicher Erfolg für gefeuerten BBC-Journalisten, der Massaker-Meldung vor Prinzengeburt stellte

Einer Geburt im britischen Königshaus keine Priorität einzuräumen, ist auch bei BBC kein Grund für eine Verwarnung, entschied ein britisches Arbeitsgericht.
Einer Geburt im britischen Königshaus keine Priorität einzuräumen, ist auch bei BBC kein Grund für eine Verwarnung, entschied ein britisches Arbeitsgericht.
Einem BBC-Journalisten wurde gekündigt, weil er einen Bericht über den Jahrestag von Gewaltakten in Sri Lanka veröffentlichte, statt die Geburt von Prinz George in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu stellen. Ein Gericht sprach ihm nun eine Entschädigung von 59.796 Euro zu.

Der 57 Jahre alte Chan Keerthi Bandara war am 23. Juli 2013 für die Veröffentlichung von Artikeln verantwortlich. Es war der Tag nach der Geburt von Prinz George im britischen Königshaus. Bandara veröffentlichte trotz einer dahingehenden Anordnung keinen Artikel darüber. Er gab an, sich dagegen entschieden zu haben, die königliche Geburt zu priorisieren, weil diese mit dem Jahrestag des Schwarzen Juli kollidierte - einer Welle anti-tamilischer Gewalt, die im Jahr 1983 zu hunderten Toten in Sri Lanka geführt hatte.

Obwohl sich Bandara offenbar zunächst dem Druck des BBC-Managements widersetzt hatte, einen Artikel über Prinz George zu veröffentlichen, gab er schließlich nach, stellte das Gericht fest. Um 12:08 Uhr wurde online auch ein Text über den Nachwuchs im Königshaus veröffentlicht.

Der 57-Jährige, der zuvor 18 Jahre lang für die BBC gearbeitet hatte, musste sich in einem Disziplinarverfahren verantworten, wurde eines groben Fehlverhaltens für schuldig befunden und erhielt eine schriftliche Verwarnung, berichtete die Zeitung The Telegraph.

Etwa ein Jahr später, am 15. August 2014, wurde Bandara entlassen, nachdem weitere Vorwürfe bezüglich seines Verhalten aufgekommen waren. So soll er einem Mitarbeiter gegenüber eine abfällige Bemerkung geäußert und andere angeschrien haben.

Die meisten Vorwürfe gegen ihn wurden bewiesen bzw. teilweise bewiesen. Dennoch entschied das Gericht, dass die schriftliche Verwarnung bezüglich der Berichterstattung zum königlichen Baby bei seiner Entlassung eine große Rolle spielte.

Das Gericht befand schließlich, dass die schriftliche Verwarnung als Strafe für Bandara zu streng war und beschrieb sie als "offensichtlich unangemessen".

Wir sind davon überzeugt, dass [BBC-Manager] Herr Gonis maßgeblich durch die Tatsache beeinflusst wurde, dass Herr Bandara keine saubere Disziplinarakte hatte", sagte die Richterin für Arbeitsrecht, Vivienne Gay, und fügte hinzu, dass die "unangemessene Verwarnung" bei Banderas Entlassung eine Rolle gespielt hat.

Sie wies jedoch darauf hin, dass das Gericht "überzeugt [ist], dass es ein schuldhaftes Verhalten war, welches zur Entlassung beigetragen hat".

Aus diesem Grund erhielt Bandara lediglich 50 Prozent der von ihm geforderten Entschädigungssumme. Ihm wurden schließlich 59.796 Euro an Entschädigung und zusätzlich 1.391 Euro für Unkosten zugesprochen.

Zusätzlich zu seiner Behauptung, ungerechtfertigt entlassen worden zu sein, behauptete Bandara auch, dass seine Entlassung einen Fall von Rassendiskriminierung darstelle. Er gab an, dass er wegen seiner Ansichten über Tamilen, die während der von Singhalesen dominierten Regierung in Sri Lanka verfolgt worden waren, zu Unrecht zur Zielscheibe gemacht worden wäre.

Allerdings erkannte das Gericht diese Behauptung nicht an. Es stellte fest, dass seine Entlassung nicht im Zusammenhang mit Rassismus stand.

Als Reaktion auf die Entscheidung sagte eine Sprecherin der BBC, dass der Sender "Disziplinarangelegenheiten sehr ernst nimmt" und fügte hinzu, dass man "vom Ergebnis dieser Klage wegen ungerechtfertigter Entlassung enttäuscht" sei.

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