Fit für den Kampf gegen den russischen Invasor? - Schwedisches Militärtraining für jedermann

Fit für den Kampf gegen den russischen Invasor? - Schwedisches Militärtraining für jedermann
Während die schwedische Politik in diesen Tagen "angesichts der russischen Bedrohung" über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert, kann der fitnessbegeisterte Zivilist bereits jetzt in militärähnlichen Sportstudios trainieren, leiden und dafür zahlen.

von Olga Banach

Im Werbevideo robben Männer und Frauen in Camouflage-Anzügen durch den Dreck, überwinden Hindernisse, schleppen Kanister und lassen sich von falschen Vorgesetzten anschreien. Sportstudios waren gestern, heute braucht es den Militär-Drill.

So sehen die Initiatoren die Zukunft des Workouts von morgen. Tatsächlich handelt es sich um einen internationalen Trend und ist längst schon möglich, an diesbezüglichen Wettkämpfen in Europa und den USA teilnehmen.

Das Firmenlogo erinnert an das schwedische Wappen, es ist ein Löwe, der zwei Gewichte in seinen Pfoten hält. Die Schweden sind eine fitnessbegeisterte Nation. In einer Studie aus dem Jahr 2014 gaben nur neun Prozent der Schweden an, dass sie nie Sport betreiben würden. Europaweit liegt Schweden damit bezüglich des Fitnesstrends weit vorn.

Bei der jüngsten Veranstaltung "Military Warship Challenge" war ein schwedisches Kriegsschiff Teil des Parcours. In der Nähe Göteborgs lässt sich auch in einem umfunktionierten Bunker trainieren.

Diese Art von Sportstudio ist aber nicht für den kleinen Geldbeutel bestimmt und so steckt hinter den Mitorganisatoren auch ein schwedischer Yacht-Club. Die Teilnahme in einem Boot Camp ohne Hindernislauf kostet für eine Stunde umgerechnet 340 EUR. Die Organisatoren bewerben in diesen Tagen auch ein brutales Rennen, welches am 22. Oktober stattfinden soll.

Das Training hat aber auch Familien als Kunden ins Auge gefasst, sofern die Sprösslinge bereits 15 Jahre alt sind. Das Militärtraining findet bei Wind und Wetter statt und macht auch während des harschen schwedischen Winters keine Pause. Aufputschmittel, Drogen und Alkohol sind verboten. Über den Sportbedarfsanbieter kann zudem jeder von Military Fitness Begeisterte Sportbekleidung mit dem Logo erwerben.

Schwedischer Marinesoldat  auf der Korvette HMS Malmo richtet sein Maschinengewehr gegen die imaginierten russischen Invasoren.

Erst 2010 wurde die Wehrpflicht in Schweden abgeschafft. Bereits 2014 brachte der schwedische Verteidigungsminister Peter Hultqvist die Wiedereinführung des Militärdienstes ins Gespräch. Das schwedische Militär hat derzeit ein Nachwuchsproblem. Es fehlen 7.500 Soldaten. Auch kostspielige und ausgedehnte Werbekampagnen konnten den Trend nicht umkehren. 

Was die Diskussion 2014 erst entfacht hatte, war die Jagd nach einem vermeintlichen russischen U-Boot, welches sich später als ein nicht weiter definiertes schwedisches Objekt herausstellte. Im kommenden Jahr sollen nun alle 17-Jährigen einen Fragebogen hinsichtlich einer späteren Teilnahme am schwedischen Militärdienst ausfüllen. Hieraus würden dann einige tausend Männer und Frauen für den Wehrdienst ausgewählt, den diese dann mit 19 Jahren antreten müssen.

Die freiwillige Option, Militärdienst zu leisten, besteht weiterhin. Näheres soll zum Ende dieses Monats bekanntgegeben werden. Eine Umfrage ergab, dass 72 Prozent der Schweden nichts gegen eine Wiedereinführung hätten. In den Nachbarländern Norwegen und Dänemark besteht die Wehrpflicht auch weiterhin. Der Fitnesstest für das Militär dürfte für die meisten Schweden kein Problem darstellen.