Schwedische Truppen auf Gotland – Warten auf die russische Invasion

Schwedischer Marinesoldat  auf der Korvette HMS Malmo richtet sein Maschinengewehr gegen die imaginierten russischen Invasoren.
Schwedischer Marinesoldat auf der Korvette HMS Malmo richtet sein Maschinengewehr gegen die imaginierten russischen Invasoren.
Die schwedische Regierung scheint sich einer Bedrohung durch Russland tatsächlich sicher zu sein und hat unter diesem Eindruck beschlossen, die erst 2005 abgezogene Armee dauerhaft auf der Insel Gotland zu stationieren.

Von Olga Banach

Die beschauliche Ferieninsel Gotland an der Ostküste Schwedens ist in jedem Jahr Schauplatz der politischen Woche Schwedens. In der Gemeinde der Russisch-Aggressions-Gläubigen sieht man sie zudem als den ersten Ort an, den Putin einnehmen würde, sofern er denn je seine Truppen in Bewegung setzen sollte.

Dieses schwedische U-Boot heißt nach der Insel Gotland und symbolisiert die Probleme, die das Land mit den Russen hat: Immer wenn das Militär eine engere Bindung an die NATO will, tauchen unidentifizierte U-Boote in den Medien auf.

Bereits Mitte 2017 soll die jüngst angeordnete Truppenbildung zur Sicherung der Insel abgeschlossen sein. Bis zu diesem Zeitpunkt werden Soldaten mehrerer bereits bestehender Einheiten zusammengezogen und auf die Insel gebracht. Mittlerweile wurde auch schon eine Stelle zum Ressourcenmanagement für das Militär auf der Insel eingerichtet. Die Truppe, die den potenziellen Aggressor letzten Endes abschrecken soll, wird nach Abschluss aller erforderlichen Veranlassungen 150 Mann umfassen. 

Wirklich überzeugt von den vermeintlichen russischen Eroberungsplänen klingt Oberbefehlshaber Micael Bydén allerdings nicht, wenn er bezüglich der dauerhaften Stationierung des Militärs auf der Ostseeinsel erklärt:

Gotland ist einer der strategischen militärischen Bereiche, die wir in Schweden haben. Um die Möglichkeit der Verteidigung Gotlands zu fördern und unsere Kapazitäten zu erweitern, muss die Armee im Rahmen des Gesetzes agieren dürfen. (...) Unsere kontinuierliche Einschätzung der Situation ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines individuellen bewaffneten Angriffs in Schweden gering ist. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie wir unser Vorgehen anpassen, um die Stabilität in der Region sicherzustellen."

Unbeirrt beschloss jedoch das schwedische Parlament 2015, bis zum Jahr 2018 eine ständige Präsenz auf Gotland zu schaffen. Insgesamt 696 Millionen US-Dollar soll das Militär bis 2020 ausgeben dürfen, um gegen die vermeintliche russische Bedrohung gewappnet zu sein, erklärt Marinette Nyh Radebo, Pressesprecherin der schwedischen Armee.

Die einheimische Bevölkerung der Insel kann den Hype um die russische Gefahr bislang nicht wirklich nachvollziehen und übt sich in schwedischer Gelassenheit. Auch die alltäglich gewordenen Nachrichten über russische Troll-Angriffe, U-Boote, Flugkörper vermögen keine rechte Besorgnis aufkommen zu lassen.

Erst im Jahr 2014 etwa wurde in schwedischen Gewässern ein angebliches russisches U-Boot gesichtet, das sich aber im Nachhinein als eigenes, schwedisches "Arbeitsschiff" herausgestellt hat.

Die Jagd der Marine nach dem mysteriösen Objekt blieb entsprechend erfolglos. Möglicherweise gönnen die Gotländer ja auch den Soldaten, die bald auf der Insel stationiert werden sollen, deren Dienst in idyllischer Umgebung…

Die Regierung scheint hingegen ihre eigene Propaganda durchaus auch selbst zu glauben. In einem 2015 veröffentlichten Bericht zur Ausrichtung der schwedischen Verteidigungspolitik heißt es, dass es angesichts der sich verschlechternden Sicherheitslage in Europa und insbesondere im Hinblick auf die "Aggression Russlands" gegenüber der Ukraine eine Priorität für die kommenden Jahre sein muss, die Verteidigungsfähigkeiten des Militärs zu stärken.

Jene Stimmen in Schweden, die für eine Trendwende plädieren, um die Beziehungen zum russischen Nachbarn zu verbessern, scheinen hingegen verstummt zu sein.