RT-Bashing in Schweden - Wer trollt denn da?

RT-Bashing in Schweden - Wer trollt denn da?
Eine schwedische Journalistin deckt auf: RT-Mitarbeiter werden mit Champagner und Kanapees geködert und die schwedische Medienwelt verbreitet völlig unkritisch angebliche Unwahrheiten von „Russia Today“.

von Olga Banach

Isobel Hadley-Kamptz, ihres Zeichens freiberufliche Autorin, schreibt unter anderem für die schwedischen Zeitungen Tagesnachrichten und Expressen, welche mit der deutschen Bildzeitung vergleichbar ist. Sie selbst stammt aus der Region in Dalarna. Dort gibt es nicht viel außer Knäckebrotfabriken und bunt bemalten Holzpferden: die Dalarna-Pferde.

Äußerlich erinnert sie an Jessikka Aro, die durch ihre Troll-Publikationen über Putin bekannt geworden war und hiermit ihren Lebensunterhalt bestreitet. Hadley-Kamptz nimmt ebenfalls Bezug auf die angebliche Trollfabrik in St. Petersburg, von der aus die Fehlmeldungen in die Welt hinausgetragen werden. Diese Desinformationen konzentrierten sich insbesondere auf die Geschehnisse in Syrien und in der Ukraine.

In ihrem jüngsten Entwurf geht es um russische Propaganda in der schwedischen Medienwelt. Dem traditionsreichen schwedischen Radio wirft sie vor, ungefiltert russische Propaganda verbreitet zu haben. Hier wird der konkrete Fall eines russischen Helikopters in Syrien genannt, der nach einer Hilfstransportlieferung abgeschossen worden war. Das schwedische Radio hätte die Nachricht direkt vom Kreml übernommen und verbreitet.

Für CNN aber stellte sich der Sachverhalt anders dar: Der russische Helikopter war nicht humanitär unterwegs. Die Schlussfolgerung liegt hier für Hadley-Kamptz auf der Hand: Es kann nur eine Wahrheit geben und dies ist die der westlichen Medien.

Auch nimmt sie direkt Bezug auf eine RT-Berichterstattung, in der es um sexuelle Übergriffe auf einem schwedischen Musikfestival in Stockholm ging, welche daraufhin auf Twitter von einem schwedischen Journalisten des staatlichen Nachrichtensenders SVT geteilt wurde.

Die schwedischen Tagesnachrichten hatten hierüber nicht berichtet, da sich laut Hadley-Kamptz die Übergriffe auf die jungen Mädchen nicht durch den Polizeikontakt der Zeitung bestätigten. Die russische Propagandamaschinerie habe sich dies zu Nutzen gemacht, die Nachrichten über die Sexualstraftaten verbreitet und die von den lokalen Medien angebliche Vertuschung bemängelt.

Sie merkt hier an, dass Dagensnyheter keinesfalls die Nachrichten vertuschen wollte, aber dem Polizeikontakt fehlerhafterweise Glauben schenkte. 

Auch die rechtsgerichteten Kampagnen gegen die etablierten Medien Schwedens erinnerten an russische Methoden, die nur ein Ziel hätten: Die Destabilisierung der Gesellschaft. Die psychologische Verteidigung Schwedens müsse demnach dringendst aufgestockt werden. 

Quelle: Team 29

Laut Isobel Hadley-Kamptz gewinnt RT europäische Journalisten für sich, indem sie sie mit Champagner und Kanapees ködern. Darüber hinaus wären die Gehälter von RT weitaus höher als die üblichen schwedischen Gehälter. Selbst erfolgreiche Journalisten kämen hier nur schwer heran. Ihre investigativen Versuche beruhen allerdings auf keinerlei Fakten. So schreibt sie selbst:

„Es ist schwer, über die russische psychologische Kriegsführung und die Fehlinformationskampagnen zu sprechen. Einerseits sind es die offensichtlichen Kontrollzentren und Russia Today, andererseits die Hackerangriffe auf Tausende von Twitterkonten, die die gleichen Nachrichten verbreiten.“

Der schwedische Journalist handelte demnach wohl nicht aus eigenem Willen, als er die Nachricht RT's über Sexualstraftaten verbreitete. Immerhin, die Autorin muss eingestehen, dass nicht alles den Russen in die Schuhe geschoben werden kann. So nennt sie hier das Versagen der Telefonmaste, welches zunächst in der schwedischen Presse als die Hand des Kremls abgetan wurde. Dies aber fand wenig Anklang in der schwedischen Bevölkerung und wurde wieder zurückgenommen. 

Auf ihrer Webseite zeigt sie sich mit Timoschenko-Frisur und Schmollmund. Es geht ihr insbesondere um Toleranz und Liberalismus. Für ihre Gedanken dazu nimmt sie auch gerne Spenden entgegen – via Paypal auf ihrer Webseite. Vielleicht kann sie sich dann ein Glas Champagner gönnen und dazu einen Kanapee mit russischem Kaviar. 

Von Olga Banach, freie Autorin von RT-Deutsch. Dieser Artikel entstand ganz ohne Champagner und Kanapees. Falls ich in Zukunft aber die Gestalt eines Trolls annehmen sollte, werde ich mich ins schöne St. Petersburg begeben und in der Trollfabrik vorstellig werden.