Eurovision-Gewinnerin Jamala singt auf Neonazi-Festival in der Ukraine: „Ich freue mich einfach"

Eurovision-Gewinnerin Jamala singt auf Neonazi-Festival in der Ukraine: „Ich freue mich einfach"
Jamala, die umstrittene Siegerin des diesjährigen Eurovision Song Contests (ESC), ist auf dem neofaschistischen Musikfestival „Banderstadt“ aufgetreten. Das Festival steht in der Tradition des ukrainischen Nazi-Kollaborateurs und Kriegsverbrechers Stepan Bandera. Trotz dieser bedenklichen Assoziationen freute sich die Sängerin über die Einladung, da insbesondere die bereitgestellte Soundtechnik ihr zusagte.

#jamala #джамала #бандерштат

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„Das ist ein Festival, welches in der Ukraine, in der wunderschönen Stadt Luzk stattfindet – und es gibt keinerlei Gründe abzusagen. Wir haben nicht viele Musikfestivals, und ich habe stets gesagt, dass es viel mehr hochwertige Feste geben sollte. Ich freue mich einfach, wenn es sie gibt“, sagte Jamala der Nachrichtenagentur Sputnik zufolge nach ihrem Auftritt am 7. August in einem Interview für den örtlichen Fernsehsender Volyn 24.

Jamal begründete ihren Auftritt mit der guten Soundtechnik des  Musikfestivals:

„Sobald ich begreife, dass die Organisatoren nur den Wusch haben, mich einzuladen, es aber keine Möglichkeit für einen qualitativ hochwertigen Sound gibt, ist es leider nicht möglich.“

Screenshot von http://www.volyn24.com
Screenshot von http://www.volyn24.com

Bereits im Dezember 2015, also vor dem ESC, wurde Jamala in die Gästeliste des ultranationalistischen Musikfests aufgenommen.

Das Fest fand vom 5. bis 7. August in Luzk im Nordwesten der Ukraine statt. Die Veranstalter bezwecken, ukrainische Kriegsverbrecher aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu glorifizieren, besonders den Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera. Die Organisatoren betonen, „Stepan Bandera als nationales Symbol“ verewigen zu wollen.

„Der Veranstaltungsort und das Datum lassen zudem den Gedanken zu, dass diese nicht zufällig ausgewählt wurden – Luzk befindet sich in Wolhynien, wo 1943, ebenfalls im August, die ukrainische Nationalisten-Organisationen OUN und UPA bei sogenannten ‚ethnischen Säuberungen‘ Zehntausende Polen töteten“, schreibt Sputnik.

Neben kulinarischen Angeboten wie „Suppe aus Moskowitern“ gab es ein Stelldichein mit ehemaligen Nazi-Kollaborateuren der sogenannten „Ukrainischen Aufstandsarmee“ (UPA). Diese kämpfte gemeinsam mit den deutschen Besatzungstruppen gegen sowjetische und polnische Partisanen. Zudem beteiligte sie sich am Völkermord an den Juden und massakrierte zehntausenden Polen. Auch Mitglieder im Donbass-Krieg aktiver ultranationalistischer Freiwilligenbataillone, unter anderem die Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko, waren unter den Gästen.

Obwohl der russische Sänger Sergej Lasarew beim diesjährigen ESC die meisten Zuschauerstimmen bekam, gewann Jamala mit dem Lied „1944“ über die Deportation der Krimtataren aufgrund der von den Jurys verliehenen Punkte.

#бандерштат #2016

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