Nach Sabotageakten auf Krim: Antwortet Moskau mit Komplettbruch der diplomatischen Beziehungen?

Das Außenministerium der Russischen Föderation
Das Außenministerium der Russischen Föderation
Die russische Zeitung Iswestija schreibt, mit Verweis auf Quelle in diplomatischen Kreisen, dass die Moskauer Führung, in Reaktion auf die mutmaßlich von ukrainischen Geheimdiensten vorbereiteten Sabotageakten in der Republik Krim, eruiert, die ohnehin schon komplizierten diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine komplett abzubrechen.

„Eine der möglichen Varianten einer harten Antwort könnte der völlige Abbruch der diplomatischen Beziehungen sein. Moskau erwägt diese Variante. Das letzte Wort behält dennoch der Staatschef, der seine Entscheidung aufgrund der gesammelten Informationen treffen wird“, erklärte die Quelle der Zeitung.

Ein von FSB-Mitgliedern verhafteter ukrainischer Diversant

Zuvor hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB eine Anschlagsserie auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim vereitelt, die die Hauptverwaltung für Aufklärung bei dem Verteidigungsministerium der Ukraine geplant haben soll. Bei der Verhaftung der Diversanten waren zwei russische Militärs getötet worden. Russlands Präsident Wladimir Putin, kommentierte später, dass der Kreml diesen Vorfall nicht werde durchgehen lassen.

„Was den Abbruch der diplomatischen Beziehungen angeht, so ist das ein Vorrecht des Staatsoberhauptes. Wie dem auch sei, Moskau muss sein Verhältnis zu Kiew vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse revidieren“, meinte der stellvertretende Vorsitzende des Außenausschusses des Föderationsrates [des Oberhauses des russischen Parlaments], Wladimir Dschabarow.

Die ukrainische Führung hat bislang dem von Moskau vorgeschlagenen neuen Botschafter in Kiew, Michail Babitsch, kein Agrément erteilt. Deswegen muss der interimistische Geschäftsträger, Sergej Toropow, dort die Interessen Russlands vertreten. Wenn Kiew beschlossen habe, das Niveau der diplomatischen Kontakte zu Moskau herabzustufen, könne Russland dagegen nichts tun, so der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow.

Seinerseits schloss der russische Ministerpräsident, Dmitri Medwedew, nicht aus, dass Moskau die diplomatischen Beziehungen zu Kiew abbrechen könnte, wenn es keine anderen Auswege gäbe.

„Nach den bekannten Ereignissen ist es zum Abbruch unserer diplomatischen Beziehungen zu Georgien gekommen. Ich möchte nicht, dass das alles so endet. Wenn es aber keine andere Variante übrig bliebe, die Situation zu beeinflussen, könnte der Präsident vielleicht diese Entscheidung treffen“, meinte der russische Ministerpräsident.

Nichtsdestoweniger betonte Dmitri Medwedew, dass solche Entscheidungen der Präsident trifft, da er für die Außenpolitik des Staates zuständig ist.

Gleichzeitig bezeichnete der ukrainische Sonderbotschafter in Russland, Dmitri Kuleba, die in Medien aufgetauchten Meldungen über einen möglichen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern als „Gerüchte“ und „Aufbauschung“.

„Russland veranlasst die Ukrainer, einen neuen Hysterie-Rekord aufzustellen. Die Provokation auf der Krim, das Verzicht auf das Normandie-Format, die Gerüchte über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen – das alles ist eine Aufbauschung. Wir alle müssen das tun, was der Staat momentan offiziell tut: Ruhe bewahren, konstruktiv sein, den Glauben an den Frieden und unsere internationalen Partner ausstrahlen, soweit möglich den Dialog führen und dabei unbedingt die Armee und die Nerven stärken.“