Kurden-Proteste in Genf und Düsseldorf: Aktivisten fordern Freilassung von Öcalan

Seit der Wiederaufnahme des bewaffneten Konfliktes zwischen der PKK und dem türkischen Staat im Juli letzten Jahres eskalieren die Proteste der Kurden in der Türkei und im Ausland, wie hier am 08.08.2015 in Brüssel.
Seit der Wiederaufnahme des bewaffneten Konfliktes zwischen der PKK und dem türkischen Staat im Juli letzten Jahres eskalieren die Proteste der Kurden in der Türkei und im Ausland, wie hier am 08.08.2015 in Brüssel.
Nach einem Versuch mehrerer kurdischer Demonstranten am Donnerstag, in das UN-Gelände in Genf zu gelangen, wurden dort die Sicherheitsmaßnamen erhöht. In der Nacht zum Freitag besetzten zudem etwa 30 Kurden zwei Stunden lang das WDR-Studio in Düsseldorf.
Cemil Bayık ist der Ko-Vorsitzende der kurdischen Untergrundorganisation KCK.

Rund 100 kurdische Aktivisten sammelten sich der russischen Nachrichtenagentur Sputnik zufolge am Donnerstag um etwa 15.00 Uhr vor dem Büro der Vereinten Nationen in Genf. Mehrere Demonstranten hätten versucht, in das Gelände einzudringen. Daraufhin seien die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden. UN-Wachen und Schweizer Polizisten hätten alle Eingänge abgesperrt.

Laut Aussagen der Demonstranten wollten sie mit UN-Vertretern sprechen.

Ein UN-Sprecher sagte gegenüber RIA Novosti, dass fünf Demonstranten festgenommen wurden. Keiner sei bewaffnet gewesen. Die kurdische Nachrichtenagentur "ANF" dagegen meldete sechs Festnahmen und veröffentlichte Aufnahmen der Kundgebung:

Die Demonstranten protestierten gegen die Isolationshaft des Kurdenführers Abdullah Öcalan, der seit 1999 auf der türkischen Gefängnisinsel İmralı inhaftiert ist. Seit mehr als einem Jahr besteht kein Kontakt zwischen Öcalan und der Außenwelt, sagen kurdische Aktivisten. Türkische Medien berichteten, dass die Beteiligten des am 15. Juli gescheiterten Putschversuches Öcalan entführen oder töten wollten.

In der Nacht zum Freitag führten kurdische Aktivisten laut der „Welt“ eine ähnliche Aktion in Düsseldorf durch. Dort hätten etwa 30 Kurden für rund zwei Stunden das WDR-Studio in Düsseldorf besetzt. Ziel dieser Aktion sei gewesen, „auf die politische Lage in der Türkei hin[zu]weisen.“ Der Protest sei friedlich verlaufen. Die Aktivisten hätten das Studio „auf Bitten eines WDR-Mitarbeiters“ wieder geräumt.

Öcalan ist der Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Seit 1984 führt die PKK einen bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat. Sie fordert mehr Autonomierechte für die Kurden, die die größte ethnische Minderheit der Türkei und zugleich einer der größten staatenlosen Völker repräsentiert. Die PKK wird unter anderem von der Türkei, den Vereinigten Staaten und Deutschland als terroristische Organisation eingestuft. Dagegen ist sie in anderen Ländern wie der Schweiz, Russland, China, Indien und Ägypten nicht verboten.