Rechtsextremismus in Schweden - Bullerbü macht den Hitlergruß

Schweden: Gute Vernetzung mit Rechtsextremen anderer europäischer Länder.
Schweden: Gute Vernetzung mit Rechtsextremen anderer europäischer Länder.
Die schwedische Region Småland ist bekannt aus den Geschichten Astrid Lindgrens als Heimat vieler glücklicher Kinder. Dieser Tage beherbergt es aber auch ein deutsches rechtes Jugendlager. In der Folge kultureller Konflikte verzeichnet das skandinavische Land einen signifikanten Zuwachs rechtsradikaler Aktivitäten. RT-Korrespondentin Olga Banach mit einer Momentaufnahme ihrer Wahlheimat.

Von Olga Banach

Rot-weiße Flaggen, mit einem Adler versehen, wehen über dem Zeltlager, das auf den ersten Blick an ein Pfadfindercamp erinnert. Die Kinder tragen Uniformen, doch fühlt sich der Betrachter bei näherem Hinsehen in die 1930er Jahre zurückversetzt. Die Kinder versuchen äußerlich nationalsozialistischen Idealen zu entsprechen. Die ältesten von ihnen sind zwischen 15 und 16 Jahren alt, die jüngsten im Vorschulalter. Die nahestehenden Gebäude gehören einem deutschen Ehepaar, welches Verbindungen zur NPD hat.

Faschistische Demonstration in Spanien - Hitlergruß inklusive

Organisiert wird das Lager von der Gruppe „Sturmvogel“, welche 1987 gegründet wurde. Es werden germanische Monatsnamen und Runensymbole verwendet. Nach Verbot der „Wiking-Jugend“ und der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ fanden die Mitglieder in der neuen Organisation ihre deutsche Heimat wieder. Meist zieht es die Gruppe Richtung Osten, in die ehemals deutschen Gebiete, wie Sudetenland, Oberschlesien, Ungarn und Pommern. 2006 veröffentlichten sie einen Jahreskalender, in welchem deutlich wurde, dass sie die gegenwärtigen Grenzen Deutschlands nicht anerkennen. In der Tradition der bereits verbotenen Vereine pflegen sie sogenannte „Wolfsangelmärsche“, in denen die Kinder zu Fuß 150 Kilometer innerhalb von fünf Tagen zurücklegen müssen.

Die Sturmvögel sind bisher nicht auffällig geworden, um ein gerichtliches Verbot ihres Vereins zu umgehen. Die Organisatoren des Camps legen viel Wert auf die Disziplin und devotes Verhalten ihrer Sprösslinge gegenüber den Gruppenführern. Dem Morgenappell und dem Flaggenhissen folgen ein schnelles Frühstück und diverse Arbeitsaufgaben. Jungen und Mädchen verbringen den Tag voneinander getrennt, denn Paarbildung lenkt von dem Ziel des Gehorsams und der Arbeit ab. Die Gruppenphilosophie spricht sich gegen eine moderne Lebensweise aus und übt sich in nationalistischer Naturromantik.

Noch bewegen sich die „Sturmvögel“ nicht unter dem Auge des Verfassungsschutzes. Doch sind Gruppierungen wie diese der Nährboden des rechten Politikerspektrums. Edda Schmidt, Vorsitzende der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ und eine der ältesten aktiven Nationalistinnen, war bei den Sturmvögeln aktiv, ebenso wie Udo Pastörs, NPD-Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern. Pästors wurde mehrfach wegen Volksverhetzung und Holocaustleugnung verurteilt.

Rechtsradikale Gruppierungen werden in Schweden salonfähig

Doch in Schweden scheint die rechte Szene durch nationale Konflikte salonfähig zu werden. Die rechtsgerichteten Schwedendemokraten, die nun zur drittstärksten Kraft des Landes gewachsen sind, besinnen sich ebenso auf Naturromantik und nationale Volkskultur wie die Sturmvögel. In diesem Jahr ging ein Bild aus Schweden um die Welt, welches es so nicht geben sollte. Eine Frau mit afrikanischen Wurzeln stellt sich gegen eine Gruppe marschierender Nazis mit gestrecktem Arm. Das Bild entstand während einer Demonstration Rechtsradikaler.

Es erinnert an ein berühmtes Pressebild aus den 1980er Jahren, auf dem eine Frau mit ihrer Tasche auf einen Skinhead einprügelt.

Derzeit feiert Schwedens Hauptstadt die „Stockholm-Pride“-Woche, in der die sexuelle Freiheit gefeiert wird. In diesem Jahr aber störte eine Gruppe der rechtsradikalen „Nordic-Youth“ das Geschehen. Die Vereinigung selbst gab bekannt, dass keines ihrer Mitglieder für den Zwischenfall verantwortlich sei. Deren Facebook-Profilbild ziert im Moment ein Hitler-Bild in Pop-Art-Farben vor einer Regenbogenflagge. Die Gruppe wurde international bekannt, als sie den Rechten in der Ukraine ihre Unterstützung zusagte und nach Kiew reiste, um mitzumarschieren.

Übergriffe auf Einwanderer sind in Schweden an der Tagesordnung. Anfang des Jahres machte eine maskierte Gruppe Neonazis Jagd auf Ausländer in Stockholm und Asylunterkünfte wurden das Ziel von Brandstiftung.

Auf dem schwedischen Kinderkanal läuft währenddessen „Die Regenbogenfamilie“, eine bunt gemischte Familie aller Ethnien – der Traum Schwedens. In der darauffolgenden Programmankündigung lächelt ein kleines Mädchen mit Kopftuch in die Kamera. Das schwedische Regierungsmodell des einst so erfolgreichen Sozialstaates funktionierte aber nur mit einem homogenen Schweden.

Dieses versprach allen Bevölkerungsschichten, ein angenehmes Leben zu führen. Das sogenannte „Gesetz von Jante“, welches noch heute in schwedischen Schulen propagiert wird, bekräftigt, nach dem Philosophen Jante, den Glauben daran, dass jeder Mensch in Schweden gleich ist und nichts Besonderes. Waren es einst die Sozialdemokraten, die Schweden zu einem modernen Industriestaat haben heranwachsen lassen und deren System bis heute auf der Zentralisierung der Macht besteht, funktioniert dieses Modell in einem multikulturellen Schweden nicht mehr, wenn die Elite die Neuschweden nicht miteinbezieht. Wer die schwedische Serie „Willkommen in Schweden“ gesehen hat, dem wird die Szene in Erinnerung geblieben sein, in welcher eine junge Frau durch den Türspion das Treppenhaus beobachtet, um ungewollte Begegnungen mit Nachbarn zu vermeiden. Was überspitzt klingt, ist ein zu beobachtendes schwedisches Phänomen: die Angst vor dem Fremden.

Die schwedische Regierung hat damit begonnen, Jugendliche dafür zu bezahlen, sich mit Asylbewerbern zu beschäftigen. Umgerechnet fünf Euro pro Stunde zahlt der schwedische Staat dafür.