Funktionäre versus Parteibasis - Corbyns Gegner und Befürworter machen mobil

Stark im Machtkampf dank Unterstützung der Basis: Labour-Chef Jeremy Corbyn
Stark im Machtkampf dank Unterstützung der Basis: Labour-Chef Jeremy Corbyn
Der Machtkampf in der britischen Labour-Partei hält mit unverminderter Härte an. Der Abgeordnete im Unterhaus und frühere Pfizer-Berater Owen Smith will Jeremy Corbyn das Amt um den Parteivorsitz streitig machen. Für den Kritiker der etablierten Politstrukturen gehen derweil Tausende auf die Straße, wie zuletzt in Liverpool. Droht nun die Spaltung von Labour?

Zwischen 7.000 und 10.000 Menschen demonstrierten am Sonntag in Liverpool und machten deutlich, wem ihre Loyalität gilt: dem derzeitigen Parteivorsitzenden von Labour und dezidiertem Establishment-Kritiker Jeremy Corbyn. Auch in Newcastle demonstrierten 1.000 Menschen mit Plakaten wie „We are all Jeremy“.

Im September 2015 gelangte der langjährige Friedensaktivist und NATO-Kritiker Jeremy Corbyn an die Spitze von Labour. Die Stütze auf dem Weg nach oben war stets die Parteibasis. Während etablierte Berufspolitiker hinsichtlich Corbyns Erfolg das blanke Schaudern erfasst, sorgt der Brite bei vielen seiner Landsleute aus der Mitte der Gesellschaft für eine merkliche Repolitisierung. Allein mit Beginn des jüngsten Absetzungsversuches in Folge der Brexit-Abstimmung traten über 100.000 neue Mitglieder der Labour-Partei bei, um in den anstehenden Wahlen ihrem Favoriten den Rücken zu stärken. Corbyn weiß zu begeistern.

Ganz anders sehen dies einflussreiche Labour-Funktionäre. Ein großer Teil der Abgeordneten im britischen Parlament geht mittlerweile auf Distanz zu dem Vorsitzenden und unterstützt dessen Widersacher Owen Smith im Kampf um das Amt. Dieser kommentierte jüngst:

Wir haben eine Partei, die nicht funktioniert, einen Vorsitzenden, den die Abgeordneten nicht unterstützen und der die Menschen nicht erreicht. Wir brauchen eine starke und geeinte Labour-Party um eine starke Opposition zu stellen und gegen die Regierung zu kämpfen.

Frühere berufliche Stationen des 46-Jährigen waren die BBC und der US-Pharmariese Pfizer. Der Kontrast zwischen dem mit typisch sozialdemokratischem Habitus auftretenden Owen und dem Grass-Root-Helden Corbyn könnte nicht größer sein. Doch trotz des einflussreichen Beziehungsgeflechtes bleibt der Erfolg der Corbyn-Gegner bisweilen aus.

Trotz heftiger Attacken tiefenentspannt: Der Chef der britischen Labour Party Jeremy Corbyn

Laut dem britischen Telegraph arbeiten diese deshalb nun an der Spaltung von Labour. Sollte Corbyn Vorsitzender bleiben, verabschieden sich dessen Gegner in eine neue Partei, so die Drohung. Ein solcher Schritt könnte für Labour einen ähnlichen Aderlass zur Folge haben, wie die Aufspaltung der SPD im Zuge der Hartz IV-Reformen. Zunächst als 'Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit' (WASG) organisiert, wanderte ein nicht unerheblicher Teil der Parteimitglieder in die heutige Linkspartei ab. Der Einzug ins Kanzleramt ist für die Sozialdemokraten seitdem allerhöchstens noch Wunschdenken.

Sollte sich Corbyn an der Spitze halten, ist somit längst nicht garantiert, dass bei den kommenden Unterhauswahlen im Jahr 2020 Labour noch über ausreichend Mobilisierungspotenzial verfügt, um den konservativen Torries gefährlich werden zu können.

Die etablierten Berufspolitiker von Großbritanniens Elite hätten damit eines ihrer wichtiges Ziele erreicht: Corbyn verhindern, notfalls auch gegen den Widerstand der Straße und die breite Mehrheit der Parteibasis.