Armenien: Polizeistation in Jerewan bleibt von Extremisten besetzt

Ein Mitgleid der Gruppe „Sasna Zrer“ vor dem besetzten Polizeigebäude in Jerewan
Ein Mitgleid der Gruppe „Sasna Zrer“ vor dem besetzten Polizeigebäude in Jerewan
Die Situation um das seit dem 17. Juli besetzte Polizeirevier in der armenischen Hauptstadt bleibt nach wie vor angespannt. Obwohl die Extremisten mittlerweile alle Geiseln freigelassen haben, weigern sie sich bisher, die Waffen zu strecken. Gleichzeitig versammeln sich nachts in Jerewan Hunderte von Menschen, die die Angreifer unterstützen. Die Demonstranten rufen regierungskritische Parolen und versperren die Zufahrtsstraßen. Zudem wurden vier Polizeiwagen niedergebrannt.

Auf einer Kundgebung in der Nacht zum Donnerstag hieß es, dass die Extremisten, die seit dem 17. Juli die Polizeistation im Bezirk Erebuni in ihrer Gewalt halten, seit mehreren Tagen nichts zu essen und trinken hätten. Die Stromzufuhr zu dem eingenommenen Gebäude sei gesperrt. Daher rief Alek Jenigomschjan, Mitglied der oppositionellen Bewegung „Gründungsparlament“, die Demonstranten auf, am Dienstagmorgen Essen für die Geiselnehmer mitzubringen.      

„Morgen müssen wir 50.000 Menschen sein. Die Behörden haben den von uns gestellten Termin für die Nahrungsversorgung nicht erfüllt. Wir stellen wieder eine Frist bis 9 Uhr [7 Uhr MEZ], damit sie die Menschen mit Essen versorgen, die Stromzufuhr sowie die Telefonverbindung wiederherstellen und ihnen ärztliche Hilfe erweisen. Wir wissen, dass die Mitglieder der bewaffneten Gruppe tagelang ohne Essen auskommen können. Aber wir werden das nicht zulassen“, forderte Alek Jenigomschjan vor dem besetzten Gebäude. 

Die Polizeikräfte erlaubten es den Unterhändlern von der oppositionellen Bewegung „Gründungsparlament“ jedoch nicht, den bewaffneten Besetzern Essen zu überreichen. Darauf versperrte die oppositionelle Abgeordnete Sauri Postandschjan mit rund 20 Protestlern eine Zufahrtsstraße.

Inzwischen verbrannten die Geiselnehmer einen vierten Polizeiwagen. Am 24 Juli hatten sie einen „GAZelle“-Minibus in Brand gesetzt. Am Folgetag hatten die Angreifer einen Chevrolet-Minibus und einen Streifenwagen verfeuert.

„Ein weiterer ʻSamandʼ-Streifenwagen ist von der bewaffneten Gruppierung verbrannt worden“, so der Leiter des Polizeipressedienstes, Aschot Agaronjan, auf Facebook. 

In der Nacht zum Dienstag wurden bei einem Schusswechsel mit der Polizei zwei Mitglieder der bewaffneten Gruppe verletzt, als sie versuchten, die Umzingelung mit einem Wagen zu durchbrechen. Die Extremisten wurden ins Krankenhaus eingeliefert.  

Am 17. Juli war eine Gruppe von bewaffneten Menschen in die Polizeistation in der armenischen Hauptstadt Jerewan eingedrungen und hatte Geiseln genommen. Bei der Attacke war ein Polizist ums Leben gekommen. Sechs Menschen hatten Verletzungen erlitten. Bis zum 23. Juli konnten zwar alle Geiseln befreit werden, die Angreifer verschanzen sich aber weiterhin im Polizeirevier. Dabei fordern sie den Rücktritt des armenischen Staatschefs, Sersch Sargsjan, und die Befreiung des in Untersuchungshaft sitzenden Anführers der radikalen Oppositionsbewegung „Neues Armenien“, Schirair Sefiljan.

Seit dem 17. Juli finden nachts vor der besetzten Polizeistation Protestkundgebungen statt. Die Teilnehmer versuchen zu verhindern, dass die Polizei das eingenommene Gebäude stürmt. Am 20. Juli versuchten die Protestler, die Polizeiabsperrung zu durchbrechen. 51 Menschen, unter ihnen 29 Ordnungshüter, wurden dabei verletzt. 136 Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen.