Ukraine: Der renommierte Journalist Pawel Scheremet durch Autobombe in Kiew getötet

Ukraine: Der renommierte Journalist Pawel Scheremet durch Autobombe in Kiew getötet
Auf der Kreuzung der Bogdan-Chmelnizky-Straße mit der Iwan-Franko-Straße mitten in Kiew ist am Mittwochmorgen ein Wagen explodiert, der der Leiterin des Internet-Nachrichtenportals „Ukrainskaja Prawda“, Jelena Pritula, gehört hat. Im Auto befand sich der bekannte Journalist Pawel Scheremet, der durch die Explosion getötet wurde. Die ukrainische Polizei geht von einem vorsätzlichen Mord aus.

Ein Kiewer Taxifahrer, der sich zum Zeitpunkt der Tragödie in der Nähe befunden hatte, erzählte im Gespräch mit „Radio Westi“, dass die Explosionswucht so stark gewesen sei, dass die Druckwelle sein Auto erschüttert habe. Dem Augenzeugen zufolge sei der Wagen von Scheremet nicht sofort in Flammen aufgegangen: Er habe anfangs nur geraucht, und einige Leute hätten es versucht, den Brand mit Wasser und Handfeuerlöschern einzudämmen. Sie hätten sogar den Fahrer aus dem Wageninneren herausgezogen.

Einem anderen Augenzeugen zufolge sei Pawel Scheremet erst im Rettungswagen gestorben, berichtete der ukrainische Sender „1+1“.

Der ukrainische Präsident, Petro Poroschenko, forderte die Polizei auf, die Mörder des Journalisten dingfest zu machen.

„Eine schreckliche Tragödie in Kiew. Ein Schock – keine Worte mehr. Ich habe Pawel persönlich gekannt. Mein Beileid an alle Verwandten und Angehörigen. Ich habe die Sicherheitsbehörden beauftragt, dieses Verbrechen unverzüglich zu untersuchen. Die Schuldigen sollen bestraft werden“, so Petro Poroschenko auf Facebook.

Die Chefin der ukrainischen Nationalpolizei, Chatija Dekanoidse, erklärte, dass die Untersuchung des Modes am Journalisten für sie eine „Ehrensache“ sei.

„Pawel Scheremet war ein guter Bekannter von mir. Er ist der erste Mensch, dem ich ein Interview gewährt habe. Er war ein sehr guter Journalist, deswegen ist das für mich eine Ehrensache“, so Chatija Dekanoidse.

Der Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Geraschtschenko, teilte mit, dass der Wagen womöglich per Fernsteuerung in die Luft gejagt worden sei.  

„Es besteht kein Zweifel, dass die Explosion durch einen von Missetätern versteckten Sprengsatz verursacht worden ist… Offensichtlich war der Sprengsatz mit einer Fernsteuerung oder mit einem Uhrwerk versehen“, sagte Anton Geraschtschenko im Fernsehsender „112 Ukraine“.

Der Berater des Chefs des ukrainischen Innenministeriums, Sorjan Schkirjak, teilte vor Journalisten mit, dass die Untersuchung des Mordes an Scheremet in vier Richtungen läuft: seine berufliche Tätigkeit, Feindseligkeiten und die so genannte „russische Spur“. Außerdem könnte der Mordanschlag nicht Scheremet gegolten haben. Schkirjak zufolge sei die Hauptversion die journalistische Tätigkeit des Ermordeten. Auf Feindseligkeiten werde immer untersucht, weil „man nichts ausschließen darf“. Er fügte hinzu, dass die Untersuchung die Verwicklung der russischen Geheimdienste nicht ausschließe.

Quelle: Ruptly

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, sprach den Hinterbliebenen von Pawel Scheremet sein Beileid aus und hoffte auf eine schnelle und unvoreingenommene Untersuchung des Mordes am Journalisten.

„Scheremet ist ein bekannter Journalist. Außerdem ist er Bürger der Russischen Föderation. Wir kondolieren den Verwandten und Angehörigen Scheremets. Der Mord am russischen Bürger und Journalisten in der Ukraine erregt ernste Sorgen im Kreml“, so Dmitri Peskow.

Die OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien, Dunja Mijatović, forderte auf Twitter, die Täter und Drahtzieher des Mordes zur Verantwortung zu ziehen.

„Ruhe in Frieden, Pawel Scheremet – vernichtende Nachrichten heute Morgen, die Organisatoren und Hintermänner dieses Mordes müssen vor Gericht gebracht werden“, so Dunja Mijatović.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte auf Facebook, dass Pawel Scheremet ein Profi gewesen sei und keine Angst vor den Machthabenden gehabt habe. Inzwischen verwandle sich die Ukraine in ein Massengrab für Journalisten.

„In Kiew ist ein Wagen gesprengt worden, in dem sich Pawel Scheremet befunden hat. Er war ein Profi, der keine Angst hatte, den Machthabenden zu sagen, was er von ihnen hielt. Verschiedenen Machthabenden und zu verschiedenen Zeiten. Und dafür hat man ihn respektiert. Die Ukraine (nicht das Land, sondern das System) wird zu einem Massengrab für Journalisten und den Journalismus“, so Maria Sacharowa.

Nach Angaben ukrainischer Medien sollen seit Anfang 2014 im Land 15 Journalisten ums Leben gekommen sein. Unter ihnen auch Oles Busina, der für die Nachrichtenseite ria.ru schrieb und vor seinem Haus in Kiew erschossen wurde. Der Berichterstatter der Zeitung Sportanalytic, Igor Kostenko, wurde am 20. Februar 2014 während der Maidan-Proteste in Kiew erschossen. Der Westi-Reporter, Wjatscheslaw Weremij, wurde mitten in der ukrainischen Hauptstadt grausam verprügelt und ermordet. Während der Berichterstattung über die Ereignisse im Donbass kamen drei russische Journalisten (Andrej Stenin, Sergej Nikolajew und Igor Korneljuk) ums Leben. 

Der 44-jährige Scheremet war Fernseh- und Radiojournalist. Er berichtete von Ereignissen in Russland, Weißrussland und der Ukraine. Ungefähr zehn Jahre lang war er im russischen Fernsehen tätig, darunter auch beim Ersten Kanal, wo er ein wöchentliches analytisches Programm moderierte. Im Jahr 2008 wurde er Redakteur des Ressorts Politik und Gesellschaft im Moskauer Magazin „Ogonjok“. Seit 2012 arbeitete er für die „Ukrainskaja Prawda“, seit September 2015 moderierte er ein eigenes Programm im Sender „Radio Westi“. In den letzten Jahren lebte er in Kiew.

Pawel Scheremet war Autor von mehreren Dokumentationen. Der Journalist wurde mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter mit der internationalen Prämie des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) 1998 und dem OSZE-Preis für Menschenrechtsschutz im Bereich Journalistik 2002.