Umfrage: 67 Prozent der Franzosen glauben Regierung hätte bei Terrorbekämpfung eklatant versagt

Umfrage: 67 Prozent der Franzosen glauben Regierung hätte bei Terrorbekämpfung eklatant versagt
Eine große Mehrheit der Franzosen glaubt nicht daran, dass ihre Regierung mit der Bedrohung durch den Terrorismus fertig wird. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Ifop-Umfrage. Nach der Tragödie von Nizza sind fast 70 Prozent der Befragten der Meinung, dass ihre Regierung sie nicht schützen kann und beim Thema Sicherheit versagt.

Der Umfrage zufolge, die das Institut Ifop (French Institute for Public Opinion) für die Zeitung Le Figaro durchführte, schätzen 99 Prozent der Befragten die Bedrohung durch Terrorismus im Land als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein. Nur etwa 33 Prozent vertrauen darauf, dass Präsident Francois Hollande und seine Regierung dazu in der Lage sind, den Terrorismus wirksam zu bekämpfen, während 67 Prozent den Behörden in dieser Angelegenheit überhaupt nicht vertrauen.

Bewaffneter französischer Soldat vor der Kathedrale von Notre Dame in Paris.

Im Vergleich zur vorherigen Umfrage des Instituts vom Januar 2015, die ergab, dass etwa jeder zweite Franzose mit der Arbeit der Behörden zufrieden war, sind die Zustimmungsraten um rund 17 Prozent gesunken.

Inzwischen glaubt Die Hälfte der Bevölkerung, dass sich „Frankreich im Krieg befindet“, eine Formulierung des französischen Premierministers Manuel Valls. Mehr Kontrollen und eine gewisse Einschränkung ihrer Freiheit würden 81 Prozent der Befragten akzeptieren, vorausgesetzt es gäbe dadurch mehr Sicherheit und Stabilität.
Interessanterweise gaben 84 Prozent der Befragten an, dass sie der Polizei, der Gendarmerie und den Spezialeinheiten vertrauen. Die Behörden sind jedoch der Ansicht, dass die Sicherheitsorgane Schwierigkeiten damit haben, die Krise zu bewältigen. So rief Bernard Cazenueve „alle patriotischen Bürger“ dazu auf, Reservisten der Polizei zu werden und den „Sicherheitskräften auszuhelfen“.

An der Umfrage vom 15. und 16. Juli nahmen 1.000 französische Bürger über 18 Jahren teil. Sie wurde unmittelbar nach dem Terroranschlag in Nizza durchgeführt, bei dem 84 Menschen getötet und bis zu 200 verletzt wurden, als ein Lastwagen am französischen Nationalfeiertag durch eine Menschenmenge raste.

Am Montag versammelten sich Trauernde in Nizza um den Opfern des Anschlags mit einer Schweigeminute zu gedenken. Frankreichs Premier Minister Manuel Valls war ebenfalls anwesend. Sowohl vor als auch nach der Zeremonie wurde er von der Menge ausgebuht und von Zwischenrufen wie „Rücktritt“ und „Mörder“ begleitet.

Die Tragödie von Nizza ist der dritte große Terrorakt, der Frankreich in den letzten 18 Monaten erschütterte. Der erste war ein Angriff auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015. Daraufhin folgte das Massaker im Pariser Zentrum im November des gleichen Jahres.

Bei diesen Anschlägen wurden mehr als 230 Menschen getötet.
Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy kritisierte am Sonntag die derzeitige Regierung, die seiner Ansicht nach nicht genug für die Menschen in Frankreich getan hat und deshalb die Anschläge von Nizza und Paris nicht verhindern konnte.

„Ich weiß, dass wir uns gegenseitig zerreißen müssen, während die Opfer noch nicht begraben sind. Aber ich muss sagen, dass in den letzten 18 Monaten nichts [im Kampf gegen den Terrorismus und Anti-Radikalisierung] von dem getan wurde, was hätte getan werden müssen“, so Sarkozy gegenüber dem französischen Sender TF1.

Er fügte hinzu, dass es kein „Nullrisiko“ geben kann und nannte den verlängerten Ausnahmezustand in Frankreich einen „totalen Krieg“, in dem die einzig mögliche Politik lautet „wir oder sie“ da Terroristen „keine Tabus, keine Grenzen, keine Prinzipien kennen“.

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