Der Attentäter: Wegen mehrerer Gewaltdelikte polizeibekannt

Der Attentäter: Wegen mehrerer Gewaltdelikte polizeibekannt
Bisher lässt sich bei dem Anschlag in Nizza kein politischer Hintergrund erkennen. Der 31-jährige Täter war allerdings wegen Gewalttätigkeiten aufgefallen. Die Polizei verhört gegenwärtig die Familie und durchsucht die Wohnung des Attentäters. Auffällig: Der Täter hatte seinen Personalausweis, sein Handy und Kreditkarten dabei, als er zum Anschlag aufbrach.

Bei dem Mann, der gestern Abend in Nizza mindestens 84 Menschen tötete, handelt es sich um einen Franzosen. Der 31-jährige Mohamed Lahouaiej Bouhlel ist von Beruf LKW-Fahrer. Laut Innenminister Bernard Cazeneuve war er bisher mehrmals wegen Gewalttätigkeiten aufgefallen, allerdings nicht in einem politischen Kontext. Bisher hatte er wegen häuslicher Gewalt und Diebstahls Besuch von der Polizei.

Einem Bericht der Zeitung "Nice Matin" zufolge durchsuchen Ermittler gegenwärtig die Wohnung des Attentäters in Quartier Abattoirs. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war der Fahrer nicht als politisch radikalisiert bekannt.

Bei dem Anschlag in der Hafenstadt Nizza sind am gestrigen französischen Nationalfeiertag mindestens 84 Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere wurden nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve verletzt, als ein Lastwagen auf einer Strecke von zwei Kilometern in eine feiernde Menschenmenge auf der berühmten Uferstraße Promenade des Anglais raste.

Wie auch bei anderen Anschlägen fand die Polizei die Ausweispapiere des Fahrers am Tatort. Mehrere seiner Angehörigen werden derzeit vernommen. Im Fernsehsender BFMTV berichtete ein Zeuge, er habe zuerst gedacht, dass der LKW-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren habe.

"Er hat genau vor mir angehalten, nachdem er viele Leute überfahren hatte. Ich habe einen anderen Mann auf der Straße gesehen, wir haben gemeinsam versucht, mit dem Fahrer zu sprechen, damit er aufhört."

Dann habe der Täter eine Pistole gezogen und auf Polizisten geschossen.

"Sie haben ihn getötet und sein Kopf hing aus dem Fenster."

Dem Radiosender Europe1 beschrieb Éric Ciotti, ein anwesender Politiker:

"Eine Person aus der Menge sprang auf den LKW mit dem Versuch ihn aufzuhalten, erst dann konnte die Polizei den Attentäter aufhalten. Er hat auf die Polizisten geschossen, ohne sie zu treffen, und auch auf die Person, die versuchte, ihn zu überwältigen. Ich werde nie den Blick der Polizistin vergessen, die den Attentäter schlussendlich aufgehalten hat."

Den bei dem Anschlag in Nizza benutzten weißen Lastwagen hat der Attentäter Medienberichten zufolge erst vor zwei Tagen in Saint-Laurent-du-Var gemietet. Es soll sich um einen "Gefrier-LKW" handeln. Französische Medien berichteten zunächst, in dem Fahrzeug seien auch Waffen und Granaten gefunden worden.

Diese Information stellte sich inzwischen als falsch heraus. Zwar schoss der Täter mit einer Pistole. Alle anderen Waffen waren jedoch Attrappen oder nicht funktionsfähig. Laut "Watson" soll sich der 31-Jährige Zutritt zu dem abgesperrten Bereich der Feierlichkeiten verschafft haben, indem er behauptete, er sei Eis-Verkäufer.

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