Die Goldman-Sachs-Drehtür: "Ex-EU-Kommissionspräsident" Barroso wird Berater des Finanzgiganten

Künftig bei Goldman Sachs mit im Boot: Der frühere Kommissionspräsident José Barroso.
Künftig bei Goldman Sachs mit im Boot: Der frühere Kommissionspräsident José Barroso.
Zehn Jahre lang saß José Manuel Barroso auf jenem Posten, den derzeit Jean-Claude Juncker innehat: Von 2004 bis 2014 fungierte der Portugiese als Präsident der EU-Kommission. Nur zwei Jahre später heuert Barroso nun bei Goldman Sachs an. Der erfahrene Netzwerker soll den Finanzgiganten sicher durch die Wirren des Brexit geleiten.

Dass die negativen Auswirkungen eines Ausscheidens Großbritanniens aus der EU auf die eigenen Geschäfte möglichst gering ausfallen, versucht derzeit die Investmentbank Goldman Sachs sicherzustellen. Als Berater für seine London-Filiale hat sich der Finanzgigant keinen Geringeren ins Boot geholt als den ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso. Der Schritt wird nicht nur von Frankreich als "unanständig" kommentiert.

Auch der Europaparlaments-Abgeordnete Sven Giegold (Bündnis 90/Die Grünen) sieht Mutmaßungen erhärtet, wonach die Kommissionsbürokraten nicht wirklich dem Gemeinwohl verpflichtet sein könnten. Zwar sind Personalwechsel zwischen Wirtschaftsunternehmen und politischen Führungspositionen als solche keine Seltenheit, Barroso hält sich dabei aber nicht einmal an die sonst übliche Karenzzeit. Keine zwei Jahre sind vergangen, seit der Portugiese als oberster Beamter die EU-Kommission geleitet hatte. Nun sieht sich der 60-Jährige ganz dem Wohl von Goldman Sachs verpflichtet.

Die Investmentbank kennt sich indessen aus mit derartigen Drehtür-Spielchen: Der derzeitige Präsident der EZB, Mario Draghi, war vor seinem Amtsantritt drei Jahre lang als Vizepräsident von Goldman Sachs tätig. Weitere hochrangige EU-Politiker mit früheren Goldman-Engagements sind Mario Monti und Romano Prodi.Henry Paulson, US-Finanzminister unter George W. Bush, fungierte gar als CEO des Wall-Street-Riesen.

Keinen Grund zur Freude hat zurzeit die Deutsche Bank.

Für Barroso und Co sind derartige Positionsspielchen nicht uninteressant. Es winken exorbitante Vergütungen und weitere einflussreiche Tätigkeiten. Allerdings gewinnt innerhalb der Bevölkerung auch immer stärker die Einschätzung an Raum, dass politisch Verantwortliche ihre öffentlichen Ämter nicht immer frei von Eigeninteressen ausführen könnten. Dies umso mehr, wenn später ein Belohnungsposten bei einer der großen Banken oder bei Konzernen angestrebt wird.

Während der Schritt des Portugiesen für allerhand Schlagzeilen sorgt, bleibt ein ähnlicher Wechsel weitgehend unter dem Radar der öffentlichen Aufmerksamkeit. Jörg Asmussen (SPD), zuvor in leitender Position bei der EZB und im Bundesarbeitsministerium als Staatssekretär beschäftigt, steht künftig bei der US-Investmentbank Lazard als Managing Director in Lohn und Brot. Darüber hinaus wird Asmussen als Berater der irakischen Regierung tätig. Die deutschen Leitmedien interessieren sich derzeit hingegen eher für Asmussens "Liebes-Aus".

Barosso lässt derweil keinen Zweifel, welchem Ziel er sich künftig verpflichtet sieht. Gegenüber Financial Times gab der frühere Kommissionspräsident zu Protokoll, er werde tun, was er könne, um "die negativen Auswirkungen des Brexit auf Goldman Sachs zu verringern". Und falls es doch einmal eng werden sollte, reicht sicherlich ein Anruf bei seinem Amtsnachfolger Jean-Claude Juncker.