Brexit: Deutsche Medien massenhaft auf gefälschte Wettquoten reingefallen?

Beliebter Wettanbieter in Großbritannien. Offenbar manipulierte Zahlen bei Ladbrokers sorgten für falsche Hoffnungen
Beliebter Wettanbieter in Großbritannien. Offenbar manipulierte Zahlen bei Ladbrokers sorgten für falsche Hoffnungen
Kein Volk liebt es so sehr zu wetten wie die Briten. Natürlich wurde auch auf das Brexit-Ergebnis gesetzt. Deutsche Medien verbreiteten im Vorfeld jubelnd, dass die Wettquoten auf Remain hindeuten. Nun wird allerdings deutlich, dass mit einzelnen großen Orders die Quoten offenbar gezielt manipuliert wurden, um das Referendum zu beeinflussen oder am Aktienmarkt Kasse zu machen. Bezahlen darf wieder einmal der Kleinanleger, der sich auf die Informationen der Massenmedien verlassen hat.

Gerade einmal auf 24 Prozent taxierten angeblich die britischen Wettbüros kurz vor dem gestrigen Brexit-Referendum die Wahrscheinlichkeit, dass das Königreich aus der EU austreten will. Die Quoten wurden in vielen Medien noch umfangreicher verbreitet, als die ständig schwankenden Ergebnisse von Meinungsumfragen. Schließlich handelte es sich dabei ja auch um "eindeutige" Zahlen, die noch dazu ideologisch genehm waren.

Brexit - Cheers!

Doch wie werden die Wettquoten überhaupt errechnet? Nicht etwa durch umfangreiche wissenschaftliche Studien, die von den Wettbüros ausgewertet werden, sondern ganz einfach als Relation aller abgegebenen Einsätze. Jedoch - und hier ist der Knackpunkt – gerechnet in eingesetztem Geld, nicht mit Blick auf die Zahl der Wettenden. Da die Teilnehmer an den Wetten im Brexit-Fall jedoch dieselben waren, die dann auch für das Abstimmungsergebnis beim Referendum sorgten, wäre es natürlich viel aussagekräftiger diese Zahl für Prognosen zu verwenden.

Denn wenn jeweils 100 Euro auf Brexit und Bremain gesetzt werden, liegen die Quoten auf beiden Seiten in etwa bei 1:2. Anders sieht es aus, wenn plötzlich größere Summen aufgewendet werden, um in eine Richtung zu wetten. Die Quoten für diesen Ausgang sinken dann, das Ergebnis wird als wahrscheinlicher angezeigt.

Ganz so ist es im Vorfeld des Brexit-Referendums gelaufen. Nachdem sich vom 9. Mai bis zum 6. Juni das Verhältnis der Wetten, gerechnet in Pfund, fast ausgeglichen hatte, wurden ab dem 13. Juni plötzlich größere Summen gegen einen Brexit gesetzt. Den Höhepunkt erreichte dieser Trend am 20. Juni, drei Tage vor der Abstimmung, als 91 Prozent aller eingezahlten Gelder auf Bremain getippt wurden. Dies geben Daten des größten Wettanbieters der Welt, Ladbrokes, preis:

Ein dicker Fisch kann leicht die Quoten manipulieren in der Hoffnung, auf diese Weise für einen Stimmungsumschwung zu sorgen. Der Blog Zerohedge rechnet vor, dass genau dies wohl auch geschehen ist.

Die eigenartigen Vorgänge begannen am Morgen nach der Ermordung der Labour-Politikerin Jo Cox, die sich für einen Verbleib in der EU einsetzte. Zunächst wurden mit einer 25.000 Pfund-Wette die Quoten verschoben und anschließend weit größere Einzelwetten auf Remain als auf Brexit platziert. Während eine Brexit-Wette im Schnitt 75 Pfund betrug, lag der Betrag pro Remain-Einsatz bei rund 450 Pfund. Das Ergebnis: Headlines, die verkündeten, dass laut Wettquoten die die Brexit-Gefahr nur bei 24 läge und die Briten nach dem Attentat auf Cox sich wohl noch umentschieden hätten.

Natürlich beteiligten sich auch deutsche Medien wie Der Spiegel oder das ZDF fast schon jubelnd an der Verbreitung der manipulierten Zahlen und lockten so unter Umständen sogar Kleinanleger in den Ruin.

Screenshot
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Denn tatsächlich setzten mit Blick auf die Einzelpersonen zu diesem Zeitpunkt satte 62 Prozent der Menschen auf der Insel weiterhin auf EU-Austritt, wie Ladbrokes ebenfalls bekannt gab.

Nichtsdestotrotz führte die Meldung über die Buchmacher, die sich „sicher“ seien, dass der Brexit im Grunde vom Tisch ist, zu einer Aktien-Hausse in den vergangenen Tagen. An den Finanzmärkten glaube man offenbar, die Gefahr sei bereits beigelegt und kaufte sich regelrecht in einen Rausch. An den Tagen vor dem Referendum kletterte der Dax noch einmal um rund 800 Punkte. Nachdem nun klar wurde, dass der Markt auf falsche und möglicherweise absichtlich manipulierte Zahlen gesetzt hat, ist die Fallhöhe so noch angewachsen. Sollte es bald richtig blutig werden an den Börsen, tragen verantwortungslos und ideologisch einseitige Mainstreammedien, die ungeprüfte Wettquoten hypen, eine Mitschuld daran.