Brexit treibt britische Währung in den Keller – Furcht vor Liquiditätsengpass

Brexit treibt britische Währung in den Keller – Furcht vor Liquiditätsengpass
Der Sieg der Brexit-Befürworter beim gestrigen EU-Referendum hat zum starken Einbruch der britischen Währung, Pfund, geführt. Der Wert erreichte binnen weniger Stunden sein größtes Tief seit 1985. Finanzexperten befürchten, dass die britische Wirtschaft kollabieren könnte. Rating-Agenturen kündigten bereits eine Herabstufung Großbritanniens an. Im EU-Raum wird mit dem Eingriff der nationalen Zentralbanken gerechnet.

Brexit - Cheers!

Das Pfund ist gegenüber dem US-Dollar um mehr als elf Prozent eingebrochen. Der Wechselkurs des Pfunds brach in kurzer Zeit von 1,50 auf weniger als 1,33 Dollar ein. Die britische Währung sackte um ganze 15 Pence ab. Experten befürchten, dass sich die Abwärtsspirale des Pfunds in den nächsten Tagen und Wochen fortsetzen werde.

Einige Finanzanalysten sagten vor dem Referendum vergleichsweise optimistisch voraus, dass die britische Währung in einem Brexit-Szenario auf 1,20 US-Dollar fallen könnte. Die letzte Währungsentwicklung hingegen stellt nun die größte Abwertung dar, die das Pfund Sterling je verkraften musste. Beim internationalen Börsencrash 2008 sank das Pfund um 5,9 Prozent. Im Jahr 1992, als die britische Währung aus der EWS ausschied, sank das Pfund um 4,1 Prozent. Dieser Tag ging seinerzeit als Black Wednesday in die Finanzgeschichte Großbritanniens ein.

„Die üblichen Warnungen über die britische Liquidität flammen auf. Diese Entwicklung ist besorgniserregend und bringt die schmerzhaften Erinnerungen von 2008 zurück“, sagte Jeremy Cook, Chef-Ökonom des Finanzunternehmens World First, gegenüber dem Nachrichtenportal Business Insider.

Diese Kursrichtung könnte entscheidende Negativfolgen für die Wirtschaft Großbritanniens mit sich bringen. Mit einem schwächelnden Pfund könnte es fraglich werden, wie London sein hohes Leistungsbilanzdefizit von sieben Prozent an der nationalen Wirtschaftskraft decken wird. Von der britisch-asiatischen HSBC-Bank heißt es:

„Wir erwarten, dass der Wechselkurs des Pfund im Laufe des Jahres auf 1,25 und bis Ende des Jahres auf 1,20 zum Dollar fallen könnte.“

Die Ratingagentur Standard and Poor’s bestätigte am Morgen, dass es Großbritannien seine Bestbewertung von AAA wahrscheinlich entziehen werde. Brexit schadet auch dem Euro. Dieser reagierte mit einem Rückgang auf 1,09 US-Dollar auf das Jahrestief vom Mai.

Moritz Krämer von Standard and Poor’s sagte den Financial Times am Freitagmorgen, er erwarte, dass die politischen, finanziellen und ökonomischen Risiken verknüpft mit dem Brexit zu eine Herabstufung der Bonität in naher Zukunft führen werden.

„Wir sind der Meinung, dass ein AAA-Rating unter den gegebenen Umständen nicht haltbar ist“, sagte Krämer. Die britische Regierung wird 24 Stunden vor der Entscheidung darüber informiert.

Im EU-Raum sowie London erwarten Analysten, dass die nationalen Zentralbanken in den Finanzmarkt eingreifen müssen, um dem Abwärtstrend etwas entgegenzusetzen. Die Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle verkündete am Morgen:

„Wir gehen davon aus, dass die Anleihemärkte jetzt einberechen werden, dass Großbritannien in eine Rezession gleitet und die Bank von England die Zinsen senken wird.“

Einem Bericht von Zeit Online zufolge haben die Notenbanken die Privatbanken bereits vor der Abstimmung mit zusätzlichen Finanzmitteln ausgestattet. Die Entscheidung wird mit der Angst vor schweren Schocks an den Finanzmärkten begründet. Diese fordern in der Regel einen umfassenden Liquiditätsbedarf unter Bankhäusern und ihren Kunden.

 

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