Die Briten verlassen die EU: 52% stimmen für den Brexit - Premier Cameron kündigt Rücktritt an

Brexit - Cheers!
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Der Brexit ist entschieden. Die Briten stimmten mit circa 52 zu 48 Prozent für das Ausscheiden aus der EU. Schon werden Stimmen laut, die weitere Volksabstimmungen fordern, und zwar sowohl außerhalb als auch innerhalb von Großbritannien. David Cameron kündigte wegen des Brexit-Votums seinen Rücktritt als Premier Großbritanniens an.

Russlands Präsident Wladimit Putin gibt ein Statement:

"In diesem Zusammenhang erwarten wir keine globale Katastrophe. Natürlich werden wir alles genau beobachten und, wenn nötig, auch irgendwie unsere Wirtschaftspolitik und unsere Beziehungen zu unseren Partnern in Europa anpassen."

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In Schottland wird über ein neues Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands nachgedacht:

"Die Möglichkeit eines zweiten Referendums muss auf dem Tisch liegen und liegt auf dem Tisch", sagt die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon.

Sollte das schottische Parlament zustimmen, würde die Gesetzgebung für ein zweites Referendum vorbereitet werden.

In Schottland haben 62 Prozent der Wähler für einen Verbleib in der EU gestimmt.

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Das erste Versprechen aus dem "Wahlkampf" vor dem Referendum wird nun zurückgenommen:

Im Wahlkampf warb die rechtspopulistische Partei UKIP damit, dass bei einem möglichen Austritt Großbritannien 350 Millionen Pfund pro Woche statt an die EU an das staatliche Gesundheitssystem gehen würden.

In der Sendung „Good Morning Britain“ sagte Nigel Farage, UKIP-Politiker, am Freitagmorgen, er könne nicht garantieren, dass das Geld tatsächlich an das Gesundheitssystem geht.

"Das war einer der Fehler, die die 'Leave'-Kampagne gemacht hat."

Seine Rechtfertigung:

"Sie müssen verstehen, dass ich von der Kampagne ausgeschlossen wurde und ich, wie immer, mein eigenes Ding gemacht habe."

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Der russische Premierminister Medwedew sagte, dass das Referendum eine innere Angelegenheit der Briten sein. Jedoch wird sich das Ergebnis auf die Weltwirtschaft auswirken und somit auch auf Russland.  

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Live aus Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt eine Erklärung zum Referendum in Großbritannien  

In ihrer Presseerklärung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mitgeteilt, dass sie sich am Montag dem 27. Juni zu einem Krisengipfel mit Vertretern der EU treffen werde. Der Präsident des Europäischen Rates Donald Trust, der französische Präsident François Hollande und der italienische Präsident Matteo Renzi seien nach Berlin eingeladen worden.

Außerdem betonnte Frau Merkel, dass die Austrittsverhandlungen mit Großbritannien Jahre dauern werden. 

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Wie haben die Briten gewählt?

Eine Grafik der NYT:

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NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Brexit:

"Das Vereinigte Königreich bleibt ein starker und engagierter NATO-Verbündeter und wird weiterhin seine Führungsrolle in unserer Allianz spielen."

Angesichts zunehmender "Instabilität und Unsicherheit" sei die NATO wichtiger denn je als Forum der Zusammenarbeit zwischen ihren europäischen Mitgliedern und zwischen Europa und Nordamerika, so Stoltenberg. Die Nato setze weiterhin auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Europäischen Union. (dpa) 

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Gibraltar - Erste Probleme der Trennung brechen auf:

Der Austritt Großbritanniens veranlasst Spaniens Außenminister José Manuel García-Margallo dazu, die Souveränität über Gibraltar neu zu überdenken. Diese solle vorübergehend zwischen London und Madrid aufgeteilt werden. Im Anschluss an eine solche "Co-Souveränität" müsse der Felsen im Süden der Iberischen Halbinsel an Spanien angegliedert werden.

"Der Moment, in dem die spanische Flagge in Gibraltar gehisst wird, ist näher gerückt. Es muss nun herausgefunden werden, welche Art von Beziehungen Gibraltar haben und ob es einen Zugang zum EU-Binnenmarkt behalten möchte."

Die Bewohner Gibraltars hatten beim EU-Referendum mit großer Mehrheit für einen Verbleib in der EU gestimmt.

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Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte bei einer Pressekonferenz:

"Das ist kein guter Tag für Europa."

Aber der Brexit ist auch nicht das Ende Europas, so der SPD-Politiker.

Am Montag wird Gabriel nicht wie geplant nach Moskau reisen. Stattdessen will er bei Gesprächen der europäischen Sozialdemokraten in Paris dabei sein. 

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Die Europäische Zentralbank in Frankfurt gibt bekannt, dass sie im Ernstfall die schwächelnden Finanzmärkte stützen würde:

"Die EZB steht bereit, falls nötig, zusätzliche Liquidität in Euro und in Fremdwährungen bereitzustellen."

Die EZB beobachte die Finanzmärkte genau und stehe in engem Kontakt mit anderen Zentralbanken.

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Abstimmungsverhalten in Großbritannien

Vorläufiges Ergebnis:

Bisher haben sich 52 Prozent der Briten für einen Austritt aus der EU ausgesprochen. 

Nordirland und Schottland sind mit sehr großer Mehrheit für den Verbleib in der Europäischen Union. In England und Wales hat sich die Mehrheit der Bevölkerung jedoch klar für den Brexit entschieden. Nur in London stimmten 60 Prozent der Wähler für den Verbleib.

Laut BBC votierten 62 Prozent der Wähler in Schottland und 55,8 Prozent der Stimmberechtigten in Nordirland für den Verbleib in der EU. In Wales stimmten 52,5 Prozent der Wähler für den Brexit, in England sogar 53,4 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag mit 72,2 Prozent relativ hoch.

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Norbert Lammert (CDU), Bundestags-Präsident, sagte zu Beginn der Parlamentsberatungen in Berlin zum Brexit-Votum:

"Großbritannien hat gestern darüber befunden, aus der Europäischen Union auszutreten. Dennoch ist die Sonne heute morgen wieder aufgegangen. Und so bedauerlich das eine ist, so beruhigend ist das andere."

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Reaktion in Frankreich:

In Frankreich hat der französische Präsident François Hollande eine Krisensitzung einberufen.

Marine Le Pen, die Chefin des rechtsextremen Front National, forderte nach der Brexit-Entscheidung ein ähnliches Referendum für Frankreich. Sie kommentierte das Abstimmungsergebnis: 

"Sieg der Freiheit."

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Live: Erklärung vom Präsidenten des Europäischen Parlaments Martin Schulz 

Der Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz sagte der Presse:

"Wir sind traurig über diese Entscheidung, aber es ist ein souveräner Ausdruck des Willens der Briten."

Stabilität ist jetzt sehr wichtig und dafür müssten die Mitgliedstaaten jetzt alles tun. Schulz kündigte an:

"Wir werden im Parlament sofort damit beginnen, die Auswirkungen des Referendums zu beleuchten, und prüfen wie wir die nächsten Schritte angehen wollen."

Die Vorsitzenden der Fraktionen im Parlament werden noch heute zusammenkommen.

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Live aus London: Cameron gibt Erklärung nach Ja zum Brexit

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Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Ministern aus Frankreich, Italien und den Benelux-Ländern zu einem Treffen am Samstag in Berlin eingeladen. Bei dem Treffen werde es um den "Austausch zu aktuellen europapolitischen Themen gehen", teilte das Auswärtige Amt mit.

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Angela Merkel hat die Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsparteien für 11. 30 Uhr zu Beratungen über die Konsequenzen aus dem EU-Ausstieg der Briten ins Kanzleramt eingeladen.

Um 12. 30 Uhr will Merkel im Kanzleramt eine Erklärung abgeben. 

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David Cameron, hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.

Er werde alles tun um das "Schiff zu stabilisieren". Genaue Angaben zum zeitlichen Verlauf der Austrittsverhandlungen kann er momentan nicht machen.

Das Referendum sei zwar nicht über seine Person gewesen, doch er ist überzeugt, dass das Land eine neue Führung brauche.

"Im Oktober sollten wir einen neuen Premierminister haben, für die nächsten drei Monate werde ich im Amt bleiben." 

Cameron betonnte, dass Großbritannien auch ohne die EU überleben kann und seinen Weg finden. 

"Ich werde in der Zukunft alles tun, um diesen Land zu helfen, erfolgreich zu sein."

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Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates, kommentiert den Brexit:

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Entscheidung der Briten für einen Brexit bedauert:

"Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht", sagte er am Freitagmorgen. Er stehe zu dem Thema mit seinen G7-Partnern in engem Kontakt. "Europa wird jetzt zusammenstehen", versicherte er. "Gemeinsam müssen wir das Beste aus der Entscheidung unserer britischen Freunde machen". Jetzt müsse man nach vorne schauen und mit der Situation umgehen. Das Verfahren zu einem EU-Austritt sei eindeutig geregelt und müsse nun angewendet werden. (reuters)

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Auswirkungen auf die Börse:

Das britische Pfund fällt auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren. Auch der Euro büßte ein. Heute Morgen ist der Euro unter die Marke von 1,10 Dollar gefallen.

Analysten rechnen mit einem weiteren Kursverlust. Sie gehen davon aus, dass die Finanzmärkte einige Tage brauchen werden um den Schock zu verkraften. 

"Bis gestern hatte Europa ein Problem, jetzt ist erst mal Panik", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte, der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Finanzmärkte werden einige Tage brauchen, um den Schock zu verarbeiten."

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Nigel Farage, Vorsitzender der UK Independence Party, hat sich für eine "Brexit Regierung" ausgesprochen. Sie soll die Verhandlungen mit der EU führen.  

Der 23. Juni soll ein nationaler Feiertag werden und der Tag der Unabhängigkeit.

Aus seiner Sicht ist das Referendum ein Sieg der einfachen Menschen über die großen Banken, Unternehmen und Politiker.

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Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier twitterte:

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Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel schrieb in Twitter:

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Sahra Wagenknecht twitterte: 

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In Nordirland und in Schottland stimmte man für den Verbleib in der EU, was Befürchtungen laut werden lässt, dass Schotten und Iren eher an der EU und weniger am UK interessiert sind.

Die schottische Erste Ministerin Nicola Sturgeon sprach davon, dass Schottland "deutlich für" den Verbleib in der EU gestimmt hat.

Die Diskussion um die Einheit des Vereinigten Königreichs scheint derzeit lauter zu sein als die über mögliche Effekte des Brexit auf die EU.

"Schottland wird jetzt seine Unabhängigkeit verlangen. Das Vermächtnis von Cameron wird sein, dass er ohne Not zwei Vereinigungen zerbrochen hat." schreibt die Harry Potter Autorin J.K. Rowling

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