Ukraine am 9. Mai: Nationalistische Übergriffe auf Gedenkveranstaltungen zum "Tag des Sieges"

Demonstranten tragen Bilder ihrer Angehörigen, die im 2. Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland kämpften. Die Tradition des "unsterblichen Regiments"wird auf der ganzen Welt begangen, Kiew, Ukraine, 9. Mai 2016.
Demonstranten tragen Bilder ihrer Angehörigen, die im 2. Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland kämpften. Die Tradition des "unsterblichen Regiments"wird auf der ganzen Welt begangen, Kiew, Ukraine, 9. Mai 2016.
Millionen von Menschen haben heute weltweit den 71. Jahrestag des Sieges über das Nazi-Regime gefeiert. In der Ukraine galt dieser Tag bis 2015 offiziell als Feiertag und als Tag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg. Allerdings hat die Werchowna Rada dem 9. Mai nun einen zweiten Feiertag an die Seite gestellt. Anhänger rechts-nationalistischer ukrainischer Organisationen verübten zudem zahlreiche Übergriffe auf Gedenkveranstaltungen.

In der Ukraine sind seit dem Jahr 2015 jegliche sowjetische Symbole verboten, einschließlich des Siegesbanners. Die Maßnahme der ukrainischen Regierung soll den ideologischen Kampf gegen "kommunistisches Gedankengut" befördern. 

Wurde der Tag früher mit großen Paraden gefeiert, so waren in diesem Jahr nur zwei Ereignisse geplant. Präsident Petro Poroschenko legte Blumen am Grab der unbekannten Soldaten ab. Zudem fand eine Militärparade auf dem Platz der Unabhängigkeit statt. Die in der Ukraine verbotene kommunistische Partei initiierte zudem den Marsch des „Unsterblichen Bataillons“. Dabei trugen die Teilnehmer Bilder von Verwandten, die in der sowjetischen Armee gegen Deutschland kämpften. 

In diesem Jahr kam es zu zahlreichen Übergriffen von nationalistischen Organisationen auf die Teilnehmer friedlicher Märsche zum Tag des Sieges. In Kiew liefen die Veteranen des Zweiten Weltkrieges mit Sankt-Georgs-Bändern zum Siegesdenkmal. Dabei beleidigten ukrainische Nationalisten die Veteranen.

Anhänger des Rechten Sektor und S14-Kämpfer, einer Jugendorganisation der rechten Partei Swaboda, versuchten, die Sicherheitsabsperrungen zu durchbrechen. Die Polizei konnte sie jedoch zurückdrängen. In der Stadt Charkow kam es Ausschreitungen mit mindestens zwei Verletzten, als Nationalisten die Märsche störten und auf die Menge losgingen.

Präsident Poroschenko verkündete im ukrainischen Fernsehen, dass die heutige Ukraine von den "Nachkommen des Helden Roman Schuchewytsch" vor der "russischen Aggression" geschützt werde. Schuchewytsch gilt heute als „Held der Ukraine“. Er diente während des Zweiten Weltkrieges als Hauptmann im SS-Bataillon Nachtigall. Roman Schuchewytsch war 1941 an einem Massaker gegen polnische und jüdische Zivilisten beteiligt.