Ehemaliger Befehlshaber des "Rechten Sektors" gibt zu, Krieg im Donbass provoziert zu haben

Dmitro Jarosch, ehemaliger Führer des "Rechten Sektors" und Parlamentsabgeordneter in der Post-Maidan-Ukraine
Dmitro Jarosch, ehemaliger Führer des "Rechten Sektors" und Parlamentsabgeordneter in der Post-Maidan-Ukraine
Dmitro Jarosch, Abgeordneter der Werchowna Rada und ehemaliger Befehlshaber des Rechten Sektors (RS), hat zugegeben, das Mitglieder seiner Organisation im April 2014 aktiv an Kämpfen im Donbass mitgewirkt haben. Auf dem ukrainischen Portal Censor.net gibt er sogar an, dass er die „erste Angriffsoperation“ gegen den, bis dahin friedlichen, antioligarchischen Aufstand im Donbass geleitet hat. Dies erklärt auch, warum seine Visitenkarte in der Stadt Slowjansk, in der Oblast Donetsk, gefunden wurde.

Rückblick auf das Jahr 2014:

Die Ausschreitungen in Slowjansk begannen am 12. April 2014, als Bewohner des Bergbau- und Industriegebiets im Donbass, eine Polizeiwache, das Rathaus und das Gebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine besetzten. Als Reaktion auf den Machtwechsel in Kiew forderten die Aufständischen eine Föderalisierung der Ukraine. Somit wollte man vor allem eine Änderung des regionalen Status der russischen Sprache als faktisch zweite Staatssprache verhindern. Außerdem sollte das Steueraufkommen der Region im Donbass verbleiben. Kiew wurde von den Ereignissen überrollt. Bis zu diesem Punkt gab es weder aktive Kampfhandlungen in der Region noch die Forderung nach Abspaltung von der Ukraine.

Der Kiewer Maidan im Dezember 2014

Einen Tag später, am 13. April, kamen bis zu 150 Kämpfer des "Rechten Sektors" (RS) nach Slowjansk um sich an einer militärischen Operation in der Region zu beteiligen. Jedoch konnten sie die Bewohner nicht zum Aufgeben bewegen. Nach anfänglichen Misserfolgen des RS, rief Jarosch zu einer totalen Mobilisierung aller Mitglieder auf um ein Szenario wie auf der Krim zu verhindern. Gleichzeitig gab er aber auch bekannt, dass er sich für die angesetzten Präsidentschaftswahlen bewerben werde. Sein "Patriotismus" war also auch politisch motiviert.

Am 20. April kam es dann an einem Kontrollpunkt in Slowjansk zu den ersten ernsthaften Ausschreitungen mit Todesopfern. Die Aufständischen beschuldigen damals den RS, die Kampfhandlungen begonnen zu haben. Als Beweis wurden persönliche Gegenstände, Karten, Geld und die Visitenkarte von Dmitro Jarosch sichergestellt. Die Sicherheitsbehörden in Kiew behaupteten, dass es sich um provozierte Kampfhandlungen von russischen Sondereinheiten handelte. Der RS stritt jegliche Beteiligung an den Kampfhandlungen kategorisch ab.

Die gefundenen Gegenstände, die schon recht bald Mitgliedern der RS zugeordnet werden konnten, wurden als russische Propaganda abgetan. Somit begannen die militärischen Auseinandersetzungen im Donbass.

2016: Dmitro Jarosch gibt alles zu

Nun, zwei Jahre später, erklärt Dmitro Jarosch, dass er persönlich die Provokation am Kontrollpunkt von Slowjansk organisierte und die gefundene Visitenkarte bei einem der Opfer wirklich seine war.

Er geht bei seiner Darstellung noch weiter und gibt an, dass er persönlich von dem damaligen Übergangspräsidenten Olexander Turtschynow zu seinem Handeln aufgerufen wurde. Jarosch hatte den Auftrag, den Funkturm in der Nähe der Stadt zu zerstören um die "russische Propaganda" zu unterbrechen. Außerdem sollten eine Anti-Maidan Bewegungen gestoppt werden.

Die Frage bleibt offen, warum Jarosch gerade jetzt zugibt, die Ereignisse im Donbass provoziert zu haben. Nach eigenen Angaben geschehe es in Anlehnung an den zweiten Jahrestag. Vielleicht spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass er den RS letztes Jahr verlassen hat und nun dabei ist eine neue Organisation zu gründen.