Der neue Kalte Krieg in Skandinavien: Schweden rüstet massiv auf und predigt die russische Bedrohung

Der neue Kalte Krieg in Skandinavien: Schweden rüstet massiv auf und predigt die russische Bedrohung
In den vergangenen Monaten fanden immer wieder NATO-Übungen in Finnland, Norwegen und Schweden statt. Schwedische Topmilitärs sprechen öffentlich davon, dass sich Schweden in wenigen Jahren im Krieg gegen Russland befinden werde. Gleichzeit läuft die mentale Mobilisierung mit alten Feindbildern. Eine aufwändig inszenierte TV-Serie zeigt die Besetzung Skandinaviens durch russische Truppen. Und es wiederholt sich der "russische U-Boot-Skandal" der 1980er Jahre.

von Olga Banach

In diesen Tagen läuft die teuerste skandinavische Serie auf dem schwedischen Kanal SVT, die je in Norwegen produziert worden ist. Die Produktion kostete etwa zehn Millionen Euro. „Okkupert“ behandelt eine nahe Utopie, in der die Russen Norwegen besetzen. Produziert wurde die Serie unter anderem von den Machern des renommierten Kinofilmes „Verblendung“.

Actionreich geht es zu in der neuen norwegischen TV-Serie

Während die Hersteller von „Okkupert“ öffentlich betonten, dass es sich um eine rein fiktionale Serie handelt, sind die Rollen doch klar verteilt: Russland als Besatzer, die Norweger als das friedliebende Volk. „Okkupert“ basiert auf einem Beststeller, geschrieben von Jo Nesbø, und spielt in der Gegenwart. Obwohl die Geschichte vor dem Ukrainekonflikt entstand, hat sie mit der Ukrainekrise an einer neuen Aktualität gewonnen, der man in Skandinavien gerne Glauben schenken mag.

Diese geht einher mit angeblich russischen Geister-U-Booten, die hin und wieder an der schwedischen Küste auftauchen, und Verletzungen des Luftraums. Auch der bekannte schwedische Autor Lars Wilderäng hat nun zwei Romane zum selbigen Thema veröffentlicht, die sich einer großen Leserschaft erfreuen konnten, aber bisher noch keinen Weg auf die Leinwand gefunden haben. Doch bisher sind die Zuschauerzahlen der Serie in Schweden eher gering. Noch führen Reality-Shows, wie „Ex on the beach“ und „Schwedens Meisterkoch“ die Topliste an.

Schweden hatte früher den Ruf, das friedliebendste Land der Welt zu sein. Es kann auf stolze 200 Jahre Frieden zurückblicken. Derzeit laufen viele Werbekampagnen des schwedischen Militärs, um junge Frauen und Männer für die Armee zu gewinnen, denn die schwedische Armee kämpft, seit Abschaffung der Wehrpflicht, gegen ein Altersproblem. Jüngst äußerte sich der schwedische Major General Anders Brannström, dass sich Schweden in einigen Jahren im Krieg gegen Russland befinden werde und sich das schwedische Militär auf die Verteidigung konzentrieren soll.

In einem 2015 veröffentlichten Bericht zur schwedischen Verteidigungspolitik für die Jahre 2016 bis 2020 heißt es, dass es angesichts der sich verschlechternden Sicherheitslage in Europa und insbesondere im Hinblick auf die "Aggression Russlands" gegenüber der Ukraine eine Priorität für die kommenden Jahre sein muss, die Fähigkeiten des schwedischen Militärs in der Verteidigung zu stärken.

Besondere Bedeutung wird in dieser Argumentation der geographischen Lage der Insel Gotlands in der Ostsee beigemessen. Sie liegt nahe an den baltischen Staaten, die in den Bedrohungsphantasien der NATO-Stäbe besonders bedroht sind. Die Ausgaben für das Militär sollen jedenfalls bis 2020 stetig angehoben werden.

Die reale Bedrohung ist aber eine andere. Wenn diesen Samstag König Carl Gustav von Schweden 70 Jahre alt wird, werden höchste Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Haben doch gerade erst irakische Sicherheitskräfte die schwedische Sicherheitspolizei Säpo darüber informiert, dass sich Terroristen auf den Weg in ihr Land gemacht haben, um dort Attentate zu verüben.

Es ist überraschend, dass im März an der Stockholmer Universität das salafistische Institut-AlMaghrib mit Verbindungen zu Al-Qaida ein drei Tage langes Seminar abhalten konnte. Dem Institut gehörte unter anderem Umar Farouk Abdulmutallab an, der 2009 versuchte, den Northwest Airlines Flug 253 in die Luft zu jagen. Es war nicht das erste Mal, dass das Institut die Räumlichkeiten der Universität nutzte. Die Universität unternahm nichts, um eine Zusammenkunft der AlMaghrib-Anhänger aus ihren Sälen zu verbannen. Viele Schweden teilten über Twitter ihren Unmut mit.

Nach langjährigem Ende des kalten Krieges scheinen die Schweden das Rad der Zeit zurückdrehen zu wollen.