Was weiß man über den neuen Ministerpräsidenten der Ukraine Wladimir Groisman?

Was weiß man über den neuen Ministerpräsidenten der Ukraine Wladimir Groisman?
Wladimir Groisman ist der neue Ministerpräsident der Ukraine: Das ukrainische Parlament wählte den bisherigen Parlamentspräsidenten am Donnerstag zum Nachfolger von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk. Groisman war Wunschkandidat des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und war der einzige Bewerber. Seine Nominierung gilt als Kompromiss und soll rivalisierende Lager im Land kurzfristig versöhnen. Außerhalb der Ukraine ist der designierte Premierminister jedoch wenig bekannt.

Im Vergleich zu den temperamentvollen ukrainischen Parlamentariern wirkt Wladimir Groisman geradezu phlegmatisch. Ausgeglichenheit, Pragmatismus, moderate Standhaftigkeit und vernünftige Kompromissbereitschaft sind heute nicht die gängigsten Eigenschaften für einen jungen Politiker in der Ukraine. Doch ausgerechnet diese Charakterzüge ermöglichen ihm, außerhalb des politischen Kampfes im ukrainischen Parlament zu bleiben und den Bewusstseinsstrom der Abgeordneten in die richtige Bahn zu lenken. Doch wie vertragen sie sich mit dem Amt des Regierungschefs?    

Wladimir Groisman wurde 1978 in Winniza geboren. Er begann seine berufliche Laufbahn mit 14 Jahren, als er Schlosser im Kleinbetrieb „Schkolnik“ wurde, den laut Medienberichten sein Vater leitete. Mit 16 wurde er zum geschäftsführenden Direktor des Unternehmens „Junost“, das auf der Grundlage des Marktes Winniza gegründet worden war. „Der Vater von Groisman war der Leiter des Marktes Winniza“, sagt der Direktor des GUS-Instituts Konstantin Satulin und betont: „Groisman hat seinen Werdegang sozusagen von der Pike auf begonnen, indem er seinem Vater geholfen hat.“

Boris Groisman war ein erfolgreicher Geschäftsmann und bemühte sich ständig um das Wohl seines Sohnes: Er zog ihn von klein auf für Führungspositionen groß. Es ist also kein Wunder, dass Groisman junior an der Interregionalen Akademie für Personalmanagement studierte. Wladimirs Fachbereich war Jura. Seine zweite Hochschulbildung bekam er an der Nationalen Akademie für Staatsverwaltung mit Schwerpunkt „Verwaltung auf regionaler und kommunaler Ebene“.

Noch vor dem Universitätsabschluss verschrieb sich Groisman der Politik: Im Jahr 2002 schafften Vater und Sohn es in den Stadtrat von Winniza. Mit 24 Jahren wurde Wladimir zum jüngsten Abgeordneten der Versammlung.    

Der Sieg der „Orange-Revolution“ gab der politischen Karriere von Groisman junior einen neuen Impuls. Er trat der Partei „Unsere Ukraine“ von Wiktor Juschtschenko bei. 2005 wurde Alexandr Dombrowski, ein enger Mitstreiter des jetzigen Präsidenten Petro Poroschenko, zum Gouverneur des Gebietes Winniza, und Wladimir Grojsman wurde zum Sekretär des Stadtrates. Diese Fügung des Schicksals ließ ihn öffentlich erklären, dass er seine Geschäfte aufgeben müsse. Alle Firmen von Groisman wurden prompt an seine nächsten Verwandten und Freunde umgeschrieben.

Im März 2006 gewann der 28-jährige Politiker die Bürgermeisterwahl in Winniza, um nach vier Jahren mit rekordverdächtigen 77,8 Prozent wiedergewählt zu werden. Böse Zungen behaupten zwar, dass das nicht ohne Zutun von Poroschenko geschehen sei. Aber alle sind sich darüber einig, dass er kein schlechter Bürgermeister war.

Groisman machte die Arbeit der kommunalen und Verwaltungsbehörden transparenter. Unter seiner Führung wurde das Programm zur Straßenbeleuchtung umgesetzt. Straßen und öffentliche Verkehrsmittel in Winniza wurden besser. Man munkelt allerdings, dass er daraus Gewinn geschlagen habe. Das Asphaltieren von Straßen dürfte für ihn ziemlich lukrativ gewesen sein, weil er die Produktion von Straßenbelag kontrolliert habe. Die neuen Straßenbahnwagen hätten sich als gebrauchte Trams aus der Schweiz erwiesen. Auch andere Projekte seien aus fragwürdigen Quellen finanziert worden.      

„Dank Poroschenkos Geld konnte Groisman in Winniza das effektive Management an den Tag legen“, behauptet der Vorsitzende des Zentrums für Systemanalyse und Prognostizierung, Rostislaw Ischtschenko im Gespräch mit RT und betont: „Er hat immer mit und für Poroschenko gearbeitet.“ Das Engagement des Bürgermeisters blieb nicht unbemerkt: Im Jahr 2013 pries das Magazin „Fokus“ Winniza als die beste ukrainische Stadt zum Leben. Indes setzte Wladimir Groisman seinen beruflichen Aufstieg in der Hauptstadt Kiew fort.    

2014 übernahm Groisman das Amt des Vizepremiers und Ministers für regionale Entwicklung, Bauwesen und Kommunalwirtschaft. Im Juli und August 2014, als Arseni Jazenjuk seinen Rücktritt ankündigte, sprang Groisman für einige Tage für ihn ein. Die Probe scheiterte und der Politiker begab sich in die Legislative. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Herbst 2014 zog er in das ukrainische Unterhaus aufgrund der Parteiliste von „Block Petra Poroschenko“ ein. Am 27. November wurde er zum Vorsitzenden der Obersten Rada gewählt.     

Wozu braucht Groisman den neuen Job? Warum hat er sich für das sorgenvolle Amt des ukrainischen Ministerpräsidenten entschieden? „Aus eigener Initiative würde er das nicht tun. Er macht das ausschließlich im Interesse Poroschenkos. Die Absagen Groismans waren keineswegs mit dem Versuch verbunden, sich vor der Verantwortung zu drücken. Das war Feilschen“, so die Einschätzung von Rostislaw Ischtschenko.

Die Schwäche Groismans als Regierungschef bestünde Experten zufolge darin, dass er wenig Erfahrung habe und keine selbstständige Figur sei. Vielleicht ist das aber gerade ein Vorteil für den ukrainischen Staatschef. „Poroschenko braucht keinen Manager, er braucht einen Statthalter“, meint Ischtschenko. Wie dem auch sei, man dürfte unter Groisman keinen Durchbruch in den ukrainisch-russischen Beziehungen erwarten:

„Der Amtsantritt Grojsmans wird weder für uns noch für die Ukraine etwas bedeuten“, behauptet Rostislaw Ischtschenko und resümiert:

„Im Vergleich zur Regierung Jazenjuk wird es keine Änderungen in den Richtlinien und in der Dynamik geben. Groisman ist ein Wohl nur für Poroschenko selbst.“