Kundgebungen bei Nacht: Das Protestlager der Bewegung „Nuit debout“ in Paris

Kundgebungen bei Nacht: Das Protestlager der Bewegung „Nuit debout“ in Paris
Auf der Pariser 'Place de la République' versammelt sich seit zwei Wochen die Bewegung „Nuit debout“. Der Name bedeutet etwa „Die Nacht hindurch auf den Beinen“. Die Protestler wählen eine neue Form ohne Parteien und Gewerkschaften. Obwohl das Lager spontan entstanden ist, verfügt es bereits über einen eigenen Fernsehkanal. Die Demonstrationen gegen die geplante Arbeitsmarktreform haben sich zu einer Massenbewegung ausgewachsen.

Ähnlich wie die Bewegung „Occupy Wall Street“ im Jahr 2011 stützt sich das französische Pendant „Nuit debout“ auf die breite Bevölkerung. Die Bewegung ist sehr aktiv in den sozialen Netzwerken und hat schon eigene Radio- und Fernsehsender, die täglich die Ereignisse vom Pariser Place de la République übertragen. RT sprach mit den Aktivisten:

„Unser Ziel ist es, dass die Mitglieder der Bewegung über sich selbst und über ihre Ansichten ohne den medialen Filter erzählen können. Jeden Abend übertragen wir unsere Versammlungen komplett. Wir lassen nichts weg und nehmen alles auf. Das ist für uns sehr wichtig“, erzählt eine Aktivistin.

Die Bewegung hat einen eigenen Fernsehkanal namens TV Debout und natürlich einen YouTube-Account, über den die Live-Übertragungen ebenfalls gesendet werden.

„Unsere Gäste sind Wissenschaftler, Ökonomen und andere Fachleute, die dem breiten Publikum aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bekannt sind. Wir legen viel Wert darauf, ihnen das Wort zu erteilen. Wir wollen damit zeigen, dass hinter der spontanen Meinungsbekundung der einfachen Bürger auch Intellektuelle stehen“, erläutert ein Vertreter der Bewegung.  

Die französische Redensart „Nuit debout“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „Die Nacht hindurch auf den Beinen“ sein. Jeden Tag um 18 Uhr versammeln sich die Leute auf dem Platz und bleiben dort bis Mitternacht, bis 1 Uhr oder noch länger.

„Nuit debout“ hat einen eigenen Kalender, nach dem die Protestler heute, am 11. April, den 42. März schreiben. Der Grund ist einfach: Die Aktion hat am 31. März begonnen. Anstatt in den nächsten Monat zu wechseln, haben die Protestler beschlossen, die Märztage weiter zu zählen.

Die Kundgebungen dauern schon seit über einer Woche an, und es sieht nicht danach aus, als würden sie bald zu Ende gehen. Die Franzosen protestieren gegen die angekündigte Arbeitsmarktreform. Nach der Meinung der Aktivisten werden die Veränderungen im Arbeitsrecht zu einem längeren Arbeitstag und zu anderen Nachteilen für die Beschäftigten führen.