Politischer Mord: Rechtsanwalt in der Ukraine ermordet, weil er Russen verteidigte

 Der ermordete Anwalt Juri Grabowski
Der ermordete Anwalt Juri Grabowski
In der Ukraine ist im März der Anwalt Juri Grabowski grausam ermordet worden. Das Tatmotiv? Er hatte die Verteidigung eines russischen Staatsbürgers übernommen, der in Kiew in Haft sitzt. Im Gegensatz zum Fall der ukrainischen Militär-Pilotin Nadeschada Sawtschenko, zeigen deutsche Medien aber kaum Interesse an einer Berichterstattung zu diesem Verbrechen.

Am 2. April 2016 fand in Kiew die Beisetzung des ukrainischen Rechtsanwaltes Juri Grabowski statt. Aufgrund seines stark misshandelten Körpers musste der Sarg geschlossen bleiben. Grabowski hatte die Verteidigung des russischen Staatsbürgers Alexander Aleksandrow übernommen, der im Mai 2015 im Donbass zusammen mit einem weiteren russischen Staatsbürger, Jewgenij Jerofejew, festgenommenen worden war. Die Anklage lautet auf illegale Grenzüberquerung, Waffenbesitz und Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation.

Zum Tathergang

Juri Grabowski sollte am 9. März 2015 zu einem Gerichtstermin der beiden russischen Angeklagten erscheinen. Doch der Anwalt kam nie an. Mit ihm zusammen verschwanden auch alle Dokumente bezüglich des Falls. Stattdessen erschienen verschiedene Tweets von seinem Twitter-Account, wonach er das Land verlassen hätte. Dieses für ihn untypische Verhalten führte zur Aufnahme der Ermittlungen, in deren Verlauf zwei Verdächtige festgenommen wurden. Laut Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft haben beide Verdächtige den Mord gestanden und die Beamten am 25. März zur Leiche von Juri Grabowski geführt. Am Körper des Toten wurden Spuren von Folter gefunden, an seinen gefesselten Beinen befand sich eine Sprengladung.

Das  Tatmotiv

Ein paar Tage später, am 29. März, veröffentlichte die ukrainische Militärstaatsanwaltschaft ein Video. Es ist nachweislich während des Verschwindens des Anwaltes entstanden. In der Videobotschaft verspricht der Rechtsanwalt sein Mandat niederzulegen. Aus dem Off fragt eine Stimme, ob er seinen Fehler eingesehen habe. Der Anwalt antwortet, er habe „seinen Fehler eingesehen“. 

Valentin Rybin, der neue Anwalt von Alexander Aleksandrow sagte in einem Interview, dass er davon ausgehe, dass das Video unter Zwang entstanden sei. Auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums gab Ria Novosti gegenüber an, dass das Video keinen Zweifel daran lasse, dass die Mandatsniederlegung gewaltsam erzwungen wurde.

Auswirkungen des Falls auf die russisch-ukrainische Beziehungen

In den russischen Medien wurde immer wieder davon berichtet, dass die beiden Angeklagten Aleksandrow und Jerofejew gegen die ukrainische Gefangene Nadeschada Sawtschenko ausgetauscht werden sollten. Während die ukrainische Militärpilotin zu 22 Jahren Haft verurteilt wurde, stehen die Gerichtsverhandlungen der beiden Russen in der Ukraine noch aus. Durch den Mord an Grabowski dürfte sich auch der mögliche Austausch verzögern.

Hinzu kommt, dass man in Russland davon ausgeht, dass der ukrainische Anwalt entführt, gefoltert und ermordet wurde, weil er einen russischen Bürger in der Ukraine verteidigte. Dies lässt sich nicht zuletzt aus dem Video schließen. In Russland spricht man in diesem Kontext von der systematischen Verfolgung und Repressionen gegen Andersdenkende, insbesondere sogenannte Maidan-Gegner. 

Auch Mark Feigin, der russische Anwalt der ukrainischen Pilotin, wurde, nach eigenen Angaben, in Russland regelmäßig angefeindet. Doch waren diese Anfeindungen rein verbaler Natur. In der Ukraine bewegt sich die Zahl der ermordeten oppositionellen Journalisten und politischen Aktivisten mittlerweile im zweistelligen Bereich.