Wegen Zwangsräumungen: Historisch hohe Selbstmordrate in Spanien

Proteste gegen Zwangsräumungen vor einer spanischen Bank
Proteste gegen Zwangsräumungen vor einer spanischen Bank
In Spanien sind die Bugwellen der Finanzkrise von 2008 noch immer zu spüren und dies auf besonders drastische Weise: Nach dem Zusammenbruch des dortigen Immobilienmarktes, steigender Arbeitslosigkeit und dem Abbau von Sozialsystemen, äußert sich der ökonomische Druck auf die Bürger seit Ausbruch der Krise in einer stark steigenden Selbstmordrate. Oft als Reaktion auf angekündigte Zwangsräumungen.

Wer sich schon immer gefragt hat, wie es 2008 eigentlich dazu kommen konnte, dass weltweit die gesamte Wirtschaft in den Abgrund gerissen wurde, muss nicht zwangsweise trockene Wirtschaftsartikel lesen oder ganze Bücher verschlingen. Der kürzlich erschienene Kinofilm „The Big Short“ erzählt die Chronik des Wahnsinns in einleuchtender, lehrreicher, vor allem aber auch unterhaltsamer Art. Sogar einen Oskar gab es dieses Jahr dafür.

Wer „The Big Short“ gesehen hat, sieht die Welt des Geldes, der Wertpapiere und Hypotheken danach mit anderen Augen – wenn er dies nicht ohnehin schon getan hat. Dass Hollywood einen tatsächlichen Beitrag zur Allgemeinbildung liefert, hat zudem Seltenheitswert und macht den Streifen besonders wertvoll.

Dass das Thema alles andere als vom Tisch ist, zeigt auch die unvermindert hohe Zahl von Selbstmorden in Spanien als Folge von Zwangsräumungen.

Präsentieren die Strafzettel und das corpus delicti: Laura Esaram und ihre Freunde. Quelle: Facebook

Während nackte Zahlen die ganze Misere nur beschreiben, sind es konkrete Einzelfälle, die den Entwicklungen ein Gesicht geben. So geschehen kürzlich in Valencia: Als das Räumungskommando einen 66-Jährigen aus seiner Wohnung schmeißen wollte, fanden sie nur noch dessen Leiche. Doch obwohl sich derlei weiterhin in steter Regelmäßigkeit ereignet, finden die Schicksale kaum noch ihren Weg in die Medien.

Dabei wurden auch im Jahr 2015 rund 67.000 Wohnungen in Spanien zwangsgeräumt. Seit 2008 wurden 650.000 Räumungsverfahren eingeleitet.

Wenig überraschend ist da, dass die Selbstmordrate ebenfalls einen historischen Höchstwert erreicht hat. Fast 4.000 Fälle gab es im Jahr 2014. Im Vergleich zu 2007, dem Jahr vor der Krise, ist die Zahl um ganze 20 Prozent angestiegen.

Der Film „The Big Short“ endet an der Stelle, an der der Schuldentsunami über den Globus rollt. Doch die Folgen sind bis heute auf bedrückende Art in der Realität zu beobachten.