Arbeitspapier des UK-Parlaments greift RT an: 'Der Sender hat Labour-Chef Corbyn zu oft interviewt'

Arbeitspapier des UK-Parlaments greift RT an: 'Der Sender hat Labour-Chef Corbyn zu oft interviewt'
Ein Arbeitspapier, das dem britischen Parlament vorliegt, greift die laufende Kampagne gegen RT auf. Neben den üblichen Vorwürfen gegen den Sender echauffieren sich die Autoren der „Expertise“ insbesondere darüber, dass der britische Oppositionsführer und Labourchef Jeremy Corbyn bei RT des Öfteren zu Wort kommt. Bedenklich an dem Fall ist, dass die Angriffe gegen RT bereits Eingang in das parlamentarische System finden und dort kaum verklausuliert der Entzug der Sendelizenz gefordert wird.

In einer Hetzkampagne wird Jeremy Corbyn auf Twitter bereits als

Nicht neu sind die Vorwürfe, die die Autoren Ben Nimmo – früher NATO-Presseoffizier – und Dr. Jonathan Eyal – aktuell in Lohn und Brot bei der Denkfabrik RUSI des britischen Verteidigungsministeriums – gegen die Senderfamilie RT in einem Arbeitspapier formulieren, das dem britischen Parlament vorliegt. An anderer Stelle wurde bereits ausführlich darauf eingegangen. Besonders dreist ist jedoch, beachtet man den Hintergrund der Autoren, in welchem Maße diese in erster Linie selbst betreiben, was sie RT vorwerfen.

Angesichts der beruflichen Stationen von Nimmo und Eyal kann hier wohl kaum von einem neutralen Standpunkt gesprochen werden, und so wundert es auch nicht zu sehen, wie sich die Autoren über längere Textwände hinweg erzürnen, dass bei RT politische Stimmen zu Wort kommen, die die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens in Frage stellen oder das Nuklearwaffenprogramm auf der Insel am liebsten abschaffen würden.

Die prominenteste dieser Stimmen ist zweifellos der neue Chef der Labourpartei Jeremy Corbyn. An diesem beißen sich Nimmo und Eyal in ihrer Studiensimulation in besonderem Maße fest. Stellenweise ist nicht ganz eindeutig, ob der Schrieb nun Teil einer Kampagne gegen RT oder einer gegen den von den Autoren offensichtlich tief verhassten Corbyn sein soll. Vermutlich beides.

Yanis Varoufakis. Quelle: RT Going Underground

RT ist stolz darauf, immer wieder für den gesellschaftlichen Diskurs wertvolle Stimmen, wie den WikiLeaks-Gründer Julian Assange oder den ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Beide gaben RT Großbritannien bereits ausführliche Interviews, während sie täglich damit rechnen müssen, in den Systemmedien diskreditiert und niedergemacht zu werden, wie Varoufakis selbst im RT-Interview betonte.

Während sich die gesellschaftlich engagierten Kräfte bei RT die Klinke in die Hand geben, meiden Protagonisten mit Nähe zum herrschenden NATO/US-Imperalismus den Sender wie der Teufel das Weihwasser. Eine Absage dieser Akteure auf RT-Interviewanfragen ist Standard. In der Regel wird diese dann öffentlich an Twitter-Follower und Facebook-“Freunde“ zur Kenntnisnahme übermittelt, wo dann der russophobe Mob begeistert johlt. Die Botschaft ist klar: „Geht nicht zu RT, lasst euch dort nicht interviewen.“

Dieselben Kräfte sind es dann, die penibel Sendeminuten zählen und aufrechnen, wieviel Interviewzeit welche Vertreter dieser und jener politischen Richtung bei RT „bekommen“. So handhaben es auch Nimmo und Eyal, inklusive eigens dafür erstellter Balkendiagramme. Wieder ist es der böse Corbyn der bei RT mehr reden "darf", als aus Sicht der Autoren geboten sei. Dass sein Chef, der aktuelle britische Ministerpräsident David Cameron, bei RT weniger gecovert wird als der britische Oppositionsführer, erfreut Eyal offenbar gar nicht.

Eines der Diagramme mit denen die Autoren der Studie ihre Befunde zu belgen versuchen. Quelle: http://data.parliament.uk/writtenevidence/committeeevidence.svc/evidencedocument/defence-committee/russia-implications-for-uk-defence-and-security/written/30408.html
Eines der Diagramme mit denen die Autoren der Studie ihre Befunde zu belgen versuchen. Quelle: http://data.parliament.uk/writtenevidence/committeeevidence.svc/evidencedocument/defence-committee/russia-implications-for-uk-defence-and-security/written/30408.html

Hinter all dem steckt – glaubt man der „Studie“ - natürlich so etwas wie eine russische Großverschwörung, die zum Mittel der „Propaganda“ (sic!) greift, um die EU zu zerstören, auf dass Zar Putin über ein Reich von Lissabon bis Wladiwostok regiere.

So oder so ähnlich stellen sich die Autoren offenbar die Sachlage vor, während sie zeitgleich betonen, Russland würde mittels Unterstellungen und unbelegten Behauptungen die „Wirklichkeit“ uminterpretieren.

Falls die russische Kampagne zu laut wird: Kopfhörer für BND-Mitarbeiter an einer Wand im neuen BND-Gebäude in Berlin Mitte. Aufgenommen während der Eröffnungszeremonie, am 31. März 2014.

Was wir wohl eher beobachten, ist das Platzen der Wahrnehmungsblase einer vom Rest der Gesellschaft abgehobenen Polit- und Machtelite, zu der auch Nimmo und Eyal zählen. Dies schmerzt und ist unangenehm. So ist es nur verständlich, dass die Vertreter der herrschenden politischen Kaste das klassische Spiel in einem solchen Fall spielen: „Shoot the messenger“ - erschieße den Überbringer der Nachricht.

Nichts anderes lässt sich auch in Deutschland beobachten, wo unlängst in trauter Zusammenarbeit von Kanzleramt, BND, Verfassungsschutz und hinlänglich bekannten Hofberichterstattern gegen RT Deutsch "campaigned" wurde. Auch hier schwanken die unbelegten Vorwürfe zwischen krude bis paranoid. „Deutschland destabilisieren“, „Merkel stürzen“ und gleiches mehr sei unser Ziel  - und Edward Snowden ist ein FSB-Agent.

Denselben Diskurs pflegen Nimmo und Eyal in Grobritannien nun also in das dortige parlamentarische System ein. Mit welchem Ziel? RT Großbritannien, im britischen Kabelnetz vertreten, die Lizenz zu entziehen? Mit Sicherheit geht es zunächst und erneut darum, RT zu diskreditieren und mundtot zu machen. Im Namen der Demokratie und Pressefreiheit, versteht sich. Allein: Es wird nicht gelingen.