Tausende protestieren in Spanien gegen geplanten EU-Türkei-Deal

Demonstranten beim Protest gegen den EU-Türkei-Gipfel
Demonstranten beim Protest gegen den EU-Türkei-Gipfel
Mehrere tausend Demonstranten sind gestern in über 50 spanischen Städten auf die Straße gegangen. Sie protestieren gegen den geplanten Deal zwischen der Europäischen Union und der Türkei, der den Austausch von Migranten zwischen der EU und Ankara vorsieht.

Sprechchöre wie “Willkommen den Flüchtlingen” und “Der Deal ist rechtswidrig” wurden am Donnerstag am häufigsten auf der Puerta del Sol skandiert. Im Zentrum Madrids haben Aktivisten etwa 5.000 Menschen versammelt, die ihre Empörung über den geplanten Füchtlingsdeal zwischen Brüssel und Ankara kundgaben. Ab heute wollen die EU-Chefs mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmed Davutoglu eine Vereinbarung aushandeln, um die schlimmste Migrationskrise in der EU-Geschichte zu drosseln.

In Madrid haben rund 16 Nichtregierungsorganisationen und Vereine die Protestierenden gegen den neuen Vereinbarungsentwurf zusammengebracht und die Rajoy-Regierung aufgerufen, gegen den Deal zu stimmen.

Angela Merkels Ankunft beim zweitägigen EU-Gipfel in Brüssel

Flüchtlinge, die illegal von der Türkei nach Griechenland einreisen, sollen künftig von der Türkei zurückgenommen werden. Im Gegenzug soll für jeden dieser Flüchtlinge ein syrischer Kriegsflüchtling aus der Türkei in die EU einreisen dürfen.

“Den Absichten von Brüssel stehen wir offen und eindeutig entgegen”, erklärte Esteban Beltran, Chef der spanischen Sektion von Amnesty International, als er eine öffentliche Erklärung vor dem spanischen Außenministerium verlas.

In seiner Ansprache an die Demonstranten betonte Beltran, die Vereinbarung verletze die Menschenrechte.

„Wir sind gegen die Entscheidungen, die die EU und ihre Mitglieder getroffen haben. Die angebotenen Lösungen sind nicht ausreichend“, teilte Ignacio Fernandez Toxo, Präsident des Europäischen Handelsverbandes, im Gespräch mit Ruptly mit.

Flüchtling Ahmed, der in Spanien Asyl sucht, trat ebenfalls vor den Demonstranten auf:

„Wir sind jetzt zusammengekommen, um diesen Vereinbarungsentwurf zu verurteilen, denn er ist rechtswidrig, unmoralisch und unmenschlich. Die Flucht ist keine freie Entscheidung, niemand will sein Haus verlassen.“

Er forderte seine Zuhörer dazu auf, menschlich zu sein und Flüchtlinge menschenwürdig zu behandeln. „Alle Tode der Welt gehen uns gleichermaßen zu Herzen“, fügt er hinzu.

Außerhalb Madrid wurde von 120 Gruppen in mehr als 50 spanischen Städten protestiert.