Wegelagerei 2.0: Ukrainische Polizei bietet gegen Entgelt Eskortschutz für russische LKWs an

Ukrainische Polizisten "eskortieren" russischen LKW-Fahrer am Grenzübergang Chongar.
Ukrainische Polizisten "eskortieren" russischen LKW-Fahrer am Grenzübergang Chongar.
Die ukrainische Polizei hat vorgeschlagen, russische LKWs gegen Geldzahlung zu eskortieren, um für ihre Sicherheit während des Transits durch das ukrainische Territorium zu sorgen. Diese „Dienstleistung“ sei zwar nicht unentgeltlich, soll aber die Fahrer und die Ladung vor Extremisten schützen, die Straßen blockieren und den Güterverkehr zu stören versuchen. Der Verkehrsexperte Alexei Besborodow erklärt im Gespräch mit RT, wieso man diesen Vorschlag nicht ernst nehmen sollte.  

Der  unabhängige Verkehrsexperte und Generaldirektor der Forschungsagentur „InfraNews“, Alexei Besborodow, erläutert im Gespräch mit RT, dass das Angebot der ukrainischen Polizei keine Nachfrage haben werde:   

Checkpoint ukrainischer Aktivisten in Lemberg, die seit Wochen russische LKWs, die aus der EU kommen, in der Westukraine blockieren

„Solche Dienstleistungen werden beim Transport von teuren Medikamenten oder legalen Drogen in Anspruch genommen. Im Grunde genommen geht es um eine Inkasso-Dienstleistung, besser gesagt: einen Geleitschutz durch eine bewaffnete Wachmannschaft. So etwas wird in allen Ländern praktiziert, betrifft aber sehr kostbare Güter. Unsere Trucks fahren immer weniger durch die Ukraine und bald werden sie dort überhaupt nicht mehr durchfahren. Deswegen glaube ich, dass so eine Dienstleistung nicht gefragt sein wird. Die Rede ist vor keinem physischen Schutz vor Räubern und Rowdys, sondern von einem politischen Widerstand. Die ukrainische Polizei wird die Fahrer im Fall des Falles im Stich lassen, wenn, sagen wir mal, der ʻRechte Sektorʼ die Wagen anhalten wird.“

Dem Experten zufolge werde sich die Dienstleistung sowieso als sinnlos erweisen, da die Extremisten Straßen blockieren.  Besborodow resümiert:

„Ich bin mir völlig sicher, dass ein solches Geleit alles andere als hilfreich sein wird. Wir haben mehrere Videos gesehen, wo man dem ʻRechten Sektorʼ in solchen Fällen überhaupt nicht beikommen kann. In der Regel geht es ja ohnehin nicht um einen gewaltsamen Stopp: Man versperrt einfach die Straße. Dieser Vorschlag hat mehr mit PR und politischen Punkten für Awakow zu tun.“ 

Russische LKW-Fahrer warten an einem Checkpoint in der Westukraine.
Russische LKW-Fahrer warten an einem Checkpoint in der Westukraine.

Nach Angaben des Verbandes der Internationalen Automobilspediteure belaufe sich der Preis für das Eskortieren eines Fahrzeuges unabhängig von der Länge der Route und des Gewichtes der Ladung auf 1.170 Griwna (umgerechnet 40 Euro). Doch die Pressestelle der Nationalen Polizei der Ukraine nennt die genaue Summe nicht. Sollte es unterwegs zu einem Konflikt oder Straßensperren kommen, würden die Polizeikräfte mit den Extremisten verhandeln. Ob sie auch Gewalt anwenden dürfen, bleibt ungewiss.   

Es sei am Rande bemerkt, dass solche Dienstleistungen vor allem in den Ländern der sogenannten „dritten Welt“ weit verbreitet sind. So werden Handelsschiffe vor der Küste Somalias wegen der Pirateriegefahr von Kriegsschiffen eskortiert. In einigen Ländern Afrikas bietet man Touristen bewaffnete Leibwächter an, damit sie die ausländischen Gäste vor möglichen Überfällen schützen, weil die örtlichen Behörden der steigenden Kriminalitätsrate nichts entgegensetzen können.         

Am 11. Februar hatten Extremisten im westukrainischen Gebiet Transkarpatien mehrere russische Trucks angehalten. Erst am 25. Februar konnte der Transit der russischen LKWs durch die Ukraine wieder in Betrieb genommen werden.

Flyer der "ukrainischen Aktivisten", die russische LKWs in der Westukraine festhalten
Flyer der "ukrainischen Aktivisten", die russische LKWs in der Westukraine festhalten

Hintergrund:

Nachdem sich Polen und die Russische Föderation nicht auf LKW-Transitquoten einigen konnten, wurde der LKW-Güterverkehr zwischen beiden Ländern zum 1. Februar komplett eingestellt. Russische LKW nutzen seitdem eine andere Route für den Warenaustausch mit der EU: Nicht mehr über Weißrussland und Polen, sondern über die Ukraine weiter durch Ungarn und Slowakei.