NATO-Schreck Jeremy Corbyn - Militärbündnis in Sorge vor möglicher atomarer Abrüstung

NATO-Schreck Jeremy Corbyn - Militärbündnis in Sorge vor möglicher atomarer Abrüstung
US- und NATO-Vertreter sind "äußerst besorgt" über die politischen Ziele des Labour-Chefs Jeremy Corbyn. Sollte dieser im Jahr 2020 britischer Premier werden, will er Großbritanniens vier U-Boote mit atomarer Trident-Bewaffnung verschrotten lassen. Auch zeigen sich die Transatlantiker verstimmt über Corbyns "Unterstützung für Russland".

Laut einer hochrangigen Regierungsquelle, die sich am Sonntag gegenüber dem britischen Independent äußerte, haben ausländische Diplomaten ihre Besorgnis gegenüber Jeremy Corbyns verteidigungspolitischer Agenda zur nuklearen Abrüstung und einer Verbesserung der Beziehungen zu Russland zum Ausdruck gebracht.

Im August 2015, als der dem linken Parteiflügel zugehörige Corbyn zum neuen Labour-Chef und zum Spitzenkandidaten für 2020 gewählt wurde, erklärte dieser anlässlich des 70. Jahrestages der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, dass er sich im Falle eines Wahlsieges den mit nuklearen Trident-Waffensystemen ausgestatteten britischen U-Boote entledigen will. Die völlige Abschaffung nuklearer Waffen sei sein Ziel. In einem Positionspapier schreibt Corbyn:

"Großbritannien sollte akzeptieren, dass es unmöglich ist, irgendeine Sicherheitsgarantie für solche Waffen zu geben. Wir sollten die Pläne, unsere nuklearen Trident-Systeme zu erneuern, fallen lassen und die dafür nötigen 100 Milliarden Pfund für unser Gemeinwohl ausgeben."

Laut dem Independent bestätigte der frühere NATO-Generalsekretär Lord Robertson, dass diese Aussagen zu einer "großen Nervosität" unter den Mitgliedern des Militärbündnisses geführt haben, da dort Großbritanniens nukleares Abschreckungspotential als Garantie für Sicherheit gesehen werden.

Robertson, selbst Mitglied von Labour, sagte auch, Corbyns Politik und deren "zunehmend radikale Ausrichtung" würde die Chancen der Partei zerstören, die nächsten Wahlen im Jahr 2020 zu gewinnen. Diese Kommentare äußerte der Ex-General kurz nachdem die Labour-Parlamentarierin Madeleine Moon im privaten Kreis verlauten ließ, dass NATO-Vertreter in Washington in großem Missmut seien:

"So viele Delegierte wollten mit mir über die Labour-Partei sprechen und die Haltung, die wir in Sachen Trident-U-Boote und der NATO einnehmen. Sie waren sehr, sehr besorgt."

Auch fügte Moon hinzu, Staaten in Osteuropa vertrauen in höchstem Maße auf die nukleare Abschreckung Großbritanniens. Auch diese seien "nervös angesichts dessen, was sie hören."

In einer Hetzkampagne wird Jeremy Corbyn auf Twitter bereits als

Corbyn, der sich seit vielen Jahrzehnten für Frieden und nukleare Abrüstung einsetzt, sagte einst in einem Interview, sich gegen Gewalt und Krieg einzusetzen sei immer "der ganze Sinn seines Lebens gewesen." Als einer der Köpfe des "Stop the War"-Bündnisses, protestierte er lautstark gegen die Kriege in Afghanistan und Irak. Als im Jahr 2014 die Ukraine-Krise ausbrach, schrieb Corbyn einen Artikel im Morning Star, in dem er darlegte, der Hauptgrund für den Krieg seien "die Expansionsbestrebungen der USA nach Osten."

Als sich ein Jahr später die Beziehungen zwischen Russland und der NATO verschlechterten, sagte der Labour-Chef im Parlament, es gäbe "bessere Chancen eine Lösung mit Russland zu finden, wenn es seitens der NATO das klare Statement gäbe, nicht in Richtung Ukraine expandieren zu wollen. Im Gegenzug sollte sich Russland aus den Grenzgebieten zurückziehen."

Die Besorgnis seitens der NATO hinsichtlich Corbyns teilen die britischen Wähler jedoch nicht. In der jüngsten Umfrage von YouGov gab eine Mehrheit an, dessen Pläne in Verteidigungsfragen entschieden zu unterstützen. 67 Prozent der Briten beantworteten die Frage, ob ihr Land die NATO verlassen sollte, mit "Ja". Fast genauso viele Befragte unterstützen eine massive Kürzung des Militärbudgets und Corbyns Pläne zur nuklearen Abrüstung.