Schweden plant Massenabschiebung von abgewiesenen Asylbewerbern

Schweden plant Massenabschiebung von abgewiesenen Asylbewerbern
Die Regierung Schwedens hat sich angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen zu einem radikalen Schritt entschieden: Bis zu 80.000 abgewiesene Asylbewerber sollen in den kommenden Jahren abgeschoben werden. Dies teilte Innenminister Anders Ygeman dem schwedischen TV-Sender SVT mit.

Das vergangene Jahr führte überall in Europa zu stark anwachsenden Zahlen von Asylbewerbern. In Schweden stellten 163.000 Menschen einen Antrag auf Bleiberecht, jedoch wurde nur ein Drittel dieser Anträge bereits bearbeitet. In etwa jedem zweiten Fall entschieden sich die Behörden zu Gunsten des Antragstellers und sprachen das Recht auf Asyl aus. Konkret wurde in dem skandinavischen Land 2015 also rund 30.000 Menschen Asyl gewährt.

Schwedens Regierung rechnet bei den ausstehenden Anträgen mit ähnlichen Zahlen und bereitet daher nun die Abschiebung von 60.000 bis 80.000 abgelehnten Asylsuchenden aus. Andernfalls, so die Regierung, bestehe ein "bedeutendes Risko", dass größere Gruppen sich der Kontrolle des Staates entziehen und dauerhaft im Land abtauchen.

Die Abschiebung einer derart hohen Zahl von Menschen ist auch eine logistische Herausforderung. Während für die Rückführung sonst Linienflüge gebucht werden, plant Schwedens Regierung nun eigens Flugzeuge zu chartern. Innenminister Anders Ygeman rechnet in der Umsetzung mit einem Zeitaufwand von mehreren Jahren. Zunächst sollen die Migranten aber animiert werden, freiwillig in ihre Länder zurückzukehren.

Seit November vergangenen Jahres finden an Schwedens Außengrenzen wieder Einreisekontrollen statt, nachdem zuvor bis zu 10.000 Menschen pro Woche in das Land eingereist sind.

Im ersten Monat des neuen Jahres kam es in Schweden zu teils heftigen Fällen von Gewalt im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. Ein junger Flüchtling wird beschuldigt, eine Angestellte in einer Unterkunft umgebracht zu haben. Für Empörung sorgte auch die Aufnahme einer Überwachungskamera, die die Attacken eines jungen Mannes auf eine Frau zeigt. Die schwedische Polizei gab zu Bedenken, angesichts der Migrationsströme zunehmend überfordert zu sein.

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