Erste US-Öllieferung nach Europa - Russland rechnet mit stärkerer Konkurrenz im EU-Markt

Erste US-Öllieferung nach Europa - Russland rechnet mit stärkerer Konkurrenz im EU-Markt
Der Kampf um die europäischen Energiemärkte intensiviert sich. Der erste US-Öltanker aus Texas dockte am Mittwoch in Frankreich an. Damit haben die USA ihre bereits 40 Jahre alte Restriktion für Ölexporte eingestellt. In Zeiten fallender Preise und weltweiten Öl-Überangebots steht die internationale Ölindustrie am Scheideweg. Auch Saudi-Arabien drängt verstärkt auf den europäischen Öl-Markt und hat bereits exklusive Lieferrechte mit Polen ausgehandelt.

Der Tanker verließ vor drei Wochen seinen texanischen Heimathafen im Golf von Mexiko und dockte am Mittwoch im französischen Hafen von Fos an.

Ende Dezember verkündigte das US-Unternehmen Enterprise Products Partners, dass es einen Vertrag mit dem Unternehmen Vitol Group geschlossen habe, welches das Rohöl in der Schweiz in einer Raffinerie weiterverarbeiten wolle.

„Der Fluss ist noch nicht erheblich, aber das ist erst der Anfang“, sagte Olivier Jakob vom Beratungsunternehmen Petromatrix aus Zug, Schweiz, im Gespräch mit der „Financial Times“.

„US-Ölexporte werden für die Industrie transformative Wirkung haben, so dass nicht nur Schieferöl exportiert wird, sondern auch andere Sorten sowie kanadisches Öl. Für Händler ist das eine große Chance“, fügte er hinzu.

In den vergangenen 18 Monaten sind die internationalen Ölpreise um 75 Prozent eingebrochen. Das sei laut Experten nicht zuletzt auf Saudi Arabiens Entscheidung zurückzuführen, den Ölpreis nicht anzuheben und die Fördermenge nicht zu drosseln. Ein Erklärungsmuster für das entsprechende Vorgehen Riads ist, dass die Golfmonarchie einerseits beabsichtige, die Fracking-Konkurrenz aus den USA in den Ruin zu treiben und andererseits seine politischen Widersacher Iran und Russland, alle beide ebenfalls auf einen stabilen Ölpreis angewiesen, ökonomisch unter Druck zu setzen.

Unter dem Eindruck der Ukraine-Krise und den daraus resultierenden energiepolitischen Brüchen der EU mit Russland entstand auf dem europäischen Energiemarkt ein reger Konkurrenzkampf um die Füllung von Vakuen. So konnte sich die staatliche Ölgesellschaft von Saudi Arabien, Aramco, durch günstige Preise exklusive Rechte an Öllieferungen nach Polen sichern. Traditionell war Warschau zuvor ein Kunde bei russischen Energieriesen.

Im Zuge der jüngsten Aufhebung von Sanktionen gegen Iran kann der europäische Energiemarkt nunmehr auf einen weiteren Konkurrenten setzen, der die Preise für die europäischen Staaten nochmals vergünstigen und russische Angebote zusätzlicher Konkurrenz aussetzt. Teheran versprach bereits im Voraus, dass es seine Produktion ankurbeln werde und europäischen Konsumenten großzügige Rabatte einräumen wolle.

Der Chef des russischen Öl-Riesens Rosneft, Igor Setschin, bemerkte bei einer Investoren-Konferenz im Oktober 2015 in Moskau, dass die Saudis „den [polnischen] Markt absichtlich mit Dumping-Preisen überfluten“. Er fügte hinzu:

„Wir müssen jede Anstrengung unternehmen, um zu verhindern, dass unsere Anteile an den Lieferungen fallen. Saudi Arabien möchte auch seine Anteile absichern, vor allem in Polen, bevor der Iran auf den Markt kommt.“

Inzwischen ergänzt auch Ungarn seine Importe aus Russland zunehmend zugunsten von Exporten aus der Kurdischen Autonomieregion des Nordirak, zitierte Reuters offizielle Stellen. Das Öl kommt aus der irakischen Stadt Kirkuk und wird über den kroatischen Hafen Omisalj weiter nach Ungarn transportiert.

Im Reuters-Artikel sagte ein mit der Thematik vertrauter Trader, dass „Kroatien zwei bis drei Kargo-Lieferungen im Monat erhält. Die Pipeline von Kroatien zur Raffinerie ist durchweg mit Öl aus Kirkuk gefüllt.“

Seit Beginn des Jahres sind die internationalen Ölpreise nochmals um 25 Prozent gefallen, da sich offenbar das Überangebot auf dem Markt nicht normalisieren konnte. Das Fass Öl der Marke Brent kursierte am Donnerstag bei 27,63 US-Dollar. Die Marke WTI kursierte bei 28,04 US-Dollar.

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