Ultra-nationalistische türkische „Graue Wölfe“ beteiligen sich in der Ukraine an der Krim-Blockade

Quelle: Facebook-Post Deniz Güzelay
Quelle: Facebook-Post Deniz Güzelay
Mitglieder der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung, auch als „Graue Wölfe“ (zu Türkisch: „Bozkurtlar“) bekannt, haben sich der Blockade der Krim – zumindest symbolisch – angeschlossen und ihre Solidarität mit dem Kurs der Organisatoren, die dem umstrittenen Tatarenführer Mustafa Dschemilew nahe stehen, bei einem Besuch in der Ukraine mit dem typischen „Wolfsgruß“ kundgetan.

Auf dem Foto ist Lenur Islamov (mit verschränkten Armen), der Koordinator der Blockade, mit vier anderen Männern zu sehen, einer von ihnen vermummt. Drei von ihnen zeigen den „Wolfsgruß“. Dieser aus der türkischen Mythologie stammende Gruß soll die Einheit der turksprachigen Völker symbolisieren. Die drei ihre Arme hebenden Männer stammen Recherchen zufolge offenbar aus der Türkei und leben in Istanbul. Es ist zu vermuten, dass sie ursprünglich selbst von der Krim-Halbinsel stammen, darauf deutet jedenfalls die Recherche der FB-Accounts hin.

Die Organisation von Islamov ist mitverantwortlich für die jüngsten Stromausfälle auf der Halbinsel. Zudem blockiert sie gemeinsam mit ukrainischen Nationalisten regelmäßig Transportwege, die auf die Krim führen, um, so die Logik, der russischen Präsenz auf der Halbinsel wirtschaftlich und damit einhergehend schließlich politisch das Leben möglichst zu erschweren.

Von jeher gibt es in der Türkei eine starke öffentliche Unterstützung für die Krim-Tataren, Ankara betrachtet sich als Schutzmacht der Minderheit. Die Türkei entsagte bisher der Option, auf staatlicher Ebene oppositionelle Tataren politisch zu unterstützen. Unter türkischen Nationalisten sieht dies allerdings anders aus.

Quelle: Facebook-Post von Lenur Islamow
Quelle: Facebook-Post von Lenur Islamow

Zum geposteten Bild schrieb Islamov über seine Mitstreiter:

„Türkische Patrioten aus der Organisation ‚Bozkurtkar Turk ulkuculeri‘, im Volksmund einfach „Graue Wölfe“ haben uns bei der Blockade besucht. Der Ring der Blockade zieht sich zusammen“.

Krim-Tataren und die Türken Anatoliens sind ethnisch, kulturell und sprachlich eng miteinander verwandt. Die pan-nationalistisch-extreme Ideologie der sogenannten Turanisten, die eine Einheit aller Turkvölker anstreben, dürfte vor allem bei anti-russischen Tataren unter dem Eindruck der Ukraine-Krise als vermeintliches reaktionäres Ventil an Zustimmung gewonnen haben.

Unter diesem Eindruck fällt es den muslimischen Krim-Tataren und Türken nicht schwer, ein an sich widersprüchliches Zweckbündnis mit ukrainischen Faschisten einzugehen.

Immer wieder wird den „Grauen Wölfen“ eine besondere Nähe zum türkischen Staat vorgeworfen. Obwohl dieser Umstand zumindest im Zusammenhang mit den früheren kemalistischen Eliten der Türkei stimmen dürfte, bleibt dennoch zu bezweifeln, ob kemalistische Nationalisten tatsächlich mit der religiös-konservativen Ideologie der regierenden AKP auch im Kern des militanten Netzwerkes sympathisieren.

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