Europa

Mehrzahl englischer Pflegekräfte verdient nicht genug für Existenzsicherung

Fast drei Viertel der Pflegekräfte an vorderster Front in England verdienen unter dem "realen existenzsichernden Lohn", der nach Ansicht von Experten das absolute Minimum ist, um grundlegendste Bedürfnisse abdecken zu können. Besonders Englands Norden ist betroffen.
Mehrzahl englischer Pflegekräfte verdient nicht genug für ExistenzsicherungQuelle: AFP © Oli Scarff

Der Anteil der Pflegekräfte unterhalb der Schwelle ist im Norden Englands, wo Pflegeheime am stärksten von COVID-19 betroffen sind, alarmierend hoch. Im Nordosten verdienten 82 Prozent des Pflegepersonals weniger als den landesweiten "realen Lebensunterhalt" von 9,50 britische Pound Sterling (Pfund) pro Stunde (ungefähr 10,59 Euro), während der Anteil im Nordwesten "nur" 78 Prozent beträgt.

Eine Pflegekraft in Lancashire, die 8,72 Pfund (9,72 Euro) pro Stunde verdiente und deren Lohn unlängst noch gekürzt wurde, berichtete gegenüber der Zeitung Guardian, dass einige Kollegen mittlerweile Lebensmittel-Tafeln in Anspruch genommen hätten. Die Zahlen gelten für mehr als 832.000 Pflegekräfte an vorderster Front, von denen mehr als 600.000 unterhalb der Mindestschwelle verdienen.

In Hillingdon, dem Bezirk, in dem auch Boris Johnsons Wahlkreis Uxbridge und South Ruislip liegt, verdienen mehr als 3.000 Pflegekräfte so wenig, dass sie – wenn sie der Hauptverdiener in einer vierköpfigen Familie oder ihr Partner einen ähnlich niedrigen Lohn erhält – die 112 Pfund (ungefähr 125 Euro) pro Woche, die sie für Lebensmittel benötigen, nicht aufbringen könnten, so eine Analyse der Loughborough University, die auch der Berechnung des existenzsichernden Reallohns zugrunde liegt. Als Boris Johnson noch Londoner Bürgermeister war, unterstützte er die Londoner Kampagne für existenzsichernde Löhne als "wirtschaftlich sinnvoll".

Die Zahlen wurden von der Living Wage Foundation (Stiftung für existenzsichernde Löhne und Gehälter) berechnet und kommen inmitten einer Vielzahl wachsender Forderungen nach einer Reform des Sozialfürsorgesektors, um eine Parität mit dem Nationalen Gesundheitswesen (NHS) herzustellen, wo alle Krankenschwestern und Krankenpfleger Verdienste über dem Schwellenwert erhalten.

Am Donnerstag forderte Jeremy Hunt, der Vorsitzende des Commons-Ausschusses für Gesundheits- und Sozialfürsorge, einen Zehn-Jahres-Finanzierungsplan für die Sozialfürsorge – ähnlich dem nationalen Konsens, auf dem der NHS im Jahre 1948 gegründet wurde. Neue Umfragen ergaben, dass 82 Prozent der Öffentlichkeit nun staatliche Investitionen in die Sozialfürsorge befürworten, um eine Lohnerhöhung für Pflegekräfte zu finanzieren, so eine neue Umfrage von Survation for Citizens, UK.

Care England, das die wichtigsten privaten Anbieter vertritt, nannte die staatliche Finanzierung als Grund für die niedrige Bezahlung. "Die Art und Weise, wie die Sozialfürsorge finanziert wird, macht es den Anbietern von Pflegediensten unmöglich, das zu bezahlen, was unsere geschätzten Mitarbeiter wirklich wert sind", sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Green gegenüber dem Guardian.

Der "reale existenzsichernde Lohn" wird in England auf der Grundlage einer öffentlichen Konsultation über Bedürfnisse und einer Analyse der Lebenshaltungskosten berechnet. Er unterscheidet sich vom gesetzlichen nationalen existenzsichernden Lohn, der derzeit 8,72 Pfund pro Stunde (rund 9,72 Euro) für Menschen ab 25 Jahren beträgt. In London verdienen nur 10 Prozent der Pflegekräfte mehr als 10,85 Pfund pro Stunde (rund 12,10 Euro), was in der Hauptstadt der Schwellenwert ist, der um die höheren Kosten für Unterkunft und Transport bereinigt ist.

"Sie haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um sich während dieser Pandemie um andere zu kümmern, deshalb ist es wichtig, dass wir dafür sorgen, dass sie genug verdienen, um für ihre eigenen Familien sorgen zu können", sagte Laura Gardiner, die Direktorin der Stiftung für existenzsichernde Löhne gegenüber dem Guardian. "Der reale existenzsichernde Lohn ist der einzige britische Lohnsatz, der sich an den Lebenshaltungskosten orientiert. Er stellt sicher, dass Arbeitnehmer und ihre Familien die alltäglichen Bedürfnisse erfüllen können.

Carole Thompson (52 Jahre), eine Pflegekraft in Lancashire, die trotz eines Diploms nur das gesetzliche Minimum von 8,72 Pfund pro Stunde (rund 9,72 Euro) verdient, sagte, sie fühle sich "verärgert" über die Lohnsätze. Bei der Arbeit trage sie die alleinige Verantwortung für drei Risikopatienten und deren Medikamente. Im April, auf dem Höhepunkt der Pandemie, wurde ihre Vergütung für Nachtdienste von 73 auf 43 Pfund gesenkt, "eine Beleidigung für Mitarbeiter, die mit COVID zu tun hatten", sagte sie dem Guardian.

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