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Sibiriens Chef-Toxikologe: Keine Vergiftung Nawalnys mit organischen Phosphorverbindungen

Sibiriens Chef-Toxikologe: Keine Vergiftung Nawalnys mit organischen Phosphorverbindungen
Dr. Alexander Sabajew
Während die Ärzte der Charité sich seit fast zwei Wochen in Schweigen hüllen, erklären russische Top-Ärzte ausführlich, wie sie Alexei Nawalny in Omsk behandelten. Eine Vergiftung mit organischen Phosphorverbindungen konnte nach ersten Tests sofort ausgeschlossen werden.

"Nowitschok" gehört zu einer Gruppe von Nervengiften mit organischen Phosphorverbindungen. Laut Bundesregierung sei der russische Oppositionelle Alexei Nawalny mit einem  "chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe" in Russland vergiftet worden. Bevor er mit einem Privatjet am 22. August in das Berliner Universitätsklinikum Charité gebracht wurde, verbrachte Nawalny 40 Stunden in der toxikologischen Abteilung des Städtischen Klinischen Notfallkrankenhauses Nr. 1 in Omsk. 

Russischer Oppositionsführer Navalny. (Archivbild)

Wie Alexei Nawalny in dieser Klinik behandelt wurde und vor allem, auf welche Substanzen er getestet wurde, berichtete Dr. Alexander Sabajew, Leiter der toxikologischen Abteilung der Klinik und Chef-Toxikologe im Gebiet Omsk und im Föderationskreis Sibirien in einer Sendung des russischen Fernsehkanals Rossija 1. In die Omsker Notfallklinik gelangte Nawalny etwa zwei Stunden nach den ersten Symptomen von Unwohlsein, die er kurz nach seinem Abflug aus Tomsk erlitt. Laut Sabajew gibt es folgende Gründe, die eine Vergiftung des Patienten ausschließen:

Erstens: So wie die Menschen, die Alexei Nawalny begleiteten, seinen Zustand beschreiben, gab es bei ihm weder im Flughafen noch vor seinem Eintreffen dort Hinweise auf toxikologische Komponenten.  

Zweitens: Abwesenheit von Giften im Blut und Urin. Während der ersten acht Stunden seines stationären Aufenthalts wurden bei ihm chemisch-toxikologische Untersuchungen durch drei unabhängige Labore durchgeführt. Es wurden bei ihm keine Toxine festgestellt, darunter auch keine solch starke Gifte wie organische Phosphorverbindungen, weder im Urin noch im Blut.

Drittens: Stoffwechselstörung bei dem Patienten. In den ersten vier Stunden seines stationären Aufenthalts stellten wir einen hohen Zuckerspiegel im Blut, hohe Urindiastase, hohe Amylase-Werte im Blutserum und das Vorhandensein von Milchsäure im Blut fest, was für deren Bildung infolge einer schweren Stoffwechselstörung spricht.

Und zuletzt: Das klinische Bild entsprach nicht dem einer Vergiftung mit Organophosphor-Verbindungen, sondern einem schweren Stoffwechselsyndrom, bei dem sich Symptome der Hyperglykämie manifestierten, also eines erhöhten Zuckerspiegels im Blut.

Die Frage eines Journalisten, ob diese Analyse also im Gegensatz zu der Meinung der deutschen Ärzte stünde, die von einer Vergiftung mit Nervengift aus der Gruppe der Organophosphor-Verbindungen ausgehen, bejahte der russische Arzt ausdrücklich:

Ja, genau. In dieser Frage gehen unsere Meinungen auseinander.

Kein typisches Krankheitsbild

Seine Behauptung begründete er mit dem  Krankheitsbild eines Stoffwechselsyndroms beim Patienten, was auch für eine Vergiftung mit Organophosphor-Verbindungen nicht typisch sei. Für Vergiftungen mit Organophosphor-Verbindungen seien Mediatorverbindungen kennzeichnend und die hätten ein "etwas anderes Krankheitsbild".

Russische Ärzte in einem Offenen Brief zum Fall Nawalny: Es geht um

Sabajew gab an, dass es einzelne "Mosaikerscheinungen des cholinergischen Syndroms" gab, aber "sehr vereinzelt und kurzzeitig". Dies sei der Grund gewesen, warum Nawalny Atropin verabreicht wurde. Für eine Vergiftung mit Organophosphor-Verbindungen habe es kein klassisches Bild gegeben.

Ich möchte hier noch einmal betonen, dass Organophosphor-Verbindungen sehr toxische Substanzen sind, und sie zum Zweck der Vergiftung einer einzelnen Person anzuwenden, ist unmöglich. Davon müssten andere oder Begleitpersonen mitbetroffen sein. Daraus kann man schließen, dass – wenn die Einwirkung unmittelbar vor oder während des Fluges erfolgte – dann auch diese Vergiftungssymptome aufweisen würden. So etwas ist nicht geschehen", sagte der russische Arzt.

Er wies auf sehr hohe Giftigkeit der organischen Phosphorverbindungen hin, die zu fatalen Änderungen in Organismus führen würden und auch andere Personen in Mitleidenschaft ziehen könnten.

Inzwischen ist bekannt, wie Alexei Nawalny im Flugzeug vor der notfallbedingten Zwischenlandung in Omsk behandelt wurde. Zunächst verbrachte Nawalny 20 Minuten auf der Toilette. Danach hatten ihm eine Krankenschwester unter den Passagieren und Stewardessen Erste Hilfe geleistet. Die Zeugen berichteten, dass man Nawalny immer wieder zu Trinken gegeben habe: "Hier, trink", war immer wieder zu hören.

Analyse von Nawalny-Proben mit US-Massenspektrometer ergibt keinerlei Hinweise auf Giftstoffe (Symbolbild)

Der israelische Intensivmediziner Michail Fremderman vermutet bei BBC Russisch, dass man im Flugzeug möglicherweise von einer Lebensmittelvergiftung ausging und versuchte, Nawalnys Magen auszuspülen, aber "es hat nichts mit der Behandlung der Vergiftung mit phosphororganischen Verbindungen zu tun, von denen jetzt die Deutschen sprechen". Wenn sich phosphororganisches Gift im Magen befunden hätte, so auch dieser Arzt, dann wäre dies wegen der Magenspülung später "eine Gefahr für die Gesundheit derer, die ihm geholfen und dann die Reinigung im Flugzeug gemacht haben", gewesen.

"Das war der erste Test"

Es wird in Russland derzeit der Frage nachgegangen, ob es möglich gewesen sei, dass bestimmte giftige Substanzen aufgrund eines Fehlers oder wegen unzureichender Medizintechnik nicht erfasst werden konnten. Diese Möglichkeit schloss der Mediziner in Omsk aus. Er sagte, dass das Rettungsteam nach dem Ausschlussprinzip handelte, giftige Substanzen, die in Frage kommen könnten, nach Gruppen unterteilte und für die jede Gruppe spezielle Tests durchführte. 

Organophosphor-Verbindungen waren die ersten Gifte, nach denen wir gesucht haben. Die erste Aufgabe, die alle drei Labore vom chemisch-biologischen Dienst bekamen, war die eventuelle Feststellung von Organophosphor-Verbindungen. Wir erhielten die Antwort nur wenige Minuten nach Beginn der Untersuchung hinsichtlich der chemischen Toxikologie. Dies war der erste Test, dieDiagnose, und die Möglichkeit von phosphororganischen Verbindungen hat sich nicht bestätigt", sagte er.

Der Arzt sagte, dass die Spezialisten dann die Materialien des Patienten auf verschiedene Alkohole untersuchten, die nächste Untersuchung befasste sich mit Drogen. Diese sollte das Vorhandensein von Medikamenten verschiedener Gruppen aufspüren, darunter Schlaftabletten, Sedativa, Neuroleptika, Psychopharmaka. Die Bandbreite der Untersuchungen zur chemischen Toxikologie sei sehr groß gewesen.

Polizeifahrzeuge vor dem Berliner Universitätsklinikum Charité.

Aber unsere Hauptaufgabe bestand nach wie vor darin, schwere Gifte auszuschließen. Das sind phosphororganische Verbindungen und so genannte tödliche Alkoholgifte", sagte Sabajew.

Turnhalle für Journalisten

Am ersten Tag der Behandlung richtete die Omsker Notfallklinik die Turnhalle als Pressezentrum für Journalisten ein. Die Begleitpersonen Nawalnys durften sich in allen Gängen der Klinik aufhalten. Der stellvertretende Chefarzt der Krankenhauses Anatolij Kalintschenko sprach allein am ersten Tag insgesamt drei Mal vor Journalisten und informierte sie laufend über die Behandlung und vermutete Diagnosen. Auch später gaben er und der Chefarzt Alexander Murachowski mehrere Pressekonferenzen. Auch andere Ärzte aus Moskau, die an der Behandlung teilnahmen, meldeten sich zu Wort. Sie betonen stets, alle Laborergebnisse und biologischen Proben von Alexei Nawalny deutschen Ärzten zur Verfügung stellen zu wollen. Sie wandten sich auch mehrmals schriftlich an die Charité.  

Diese Offenheit auf russischer Seite steht im krassen Widerspruch zu der Informationspolitik in Deutschland, auch der deutschen Ärzte. Es ist bis heute nicht bekannt, wer Alexei Nawalny in Deutschland eigentlich behandelt, und die Abteilung der Charité, in der sich Nawalny befinden soll, ist nicht bekannt und bleibt strengstens abgeschirmt. Seit den zwei Wochen, die der russische Patient in Berlin verbringt, gab es von der behandelnden Klinik nur vier spärliche, sehr allgemein gehaltene Pressemitteilungen. Und seit Mittwoch scheint diese Medienarbeit endgültig zur Chefsache der deutschen Politik gemacht worden zu sein.

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