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Erdoğan eskaliert Rhetorik gegen Griechenland: "Schrecken nicht davor zurück, Märtyrer zu opfern"

Erdoğan eskaliert Rhetorik gegen Griechenland: "Schrecken nicht davor zurück, Märtyrer zu opfern"
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nimmt an einer Pressekonferenz mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban (nicht im Bild) in Budapest, Ungarn, teil. 7. November 2019. (Archivbild)
Das Verhältnis zwischen der Türkei und Griechenland ist ohnehin historisch belastet. Die Entdeckung größerer Erdgasvorkommen in der Ägäis feuert nun den bisher rein rhetorischen Streit um die Kontrolle der strategischen Gewässer weiter an.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Sonntag in einer Rede erneut zu scharfen Worten im Streit mit dem Nachbarland Griechenland gegriffen. Erdoğan, der während der Abschlussveranstaltung einer militärischen Schule sprach, bemühte sagenhafte historische Vorbilder, um die Entschlossenheit der türkischen Regierung im Streit mit den Nachbarländern auszudrücken:

Die türkischen Kriegsschiffe TCG Barbaros und TCG Marti. (Symbolbild)

Die türkischen Streitkräfte, mit ihrer Organisationsgeschichte von über 2.200 Jahren, ihrer Organisationskultur und ihren zahllosen Siegen, sind die Quelle des Stolzes unserer Nation.

Erdoğan bezog sich darauf, dass die türkische Armee ihren Ursprung im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung verortet, in der Zeit des Nomadenherrschers Mete Han (in chinesischen Quellen "Mao-tun").

Der türkische Präsident erklärte, dass die Türkei keine Gesellschaft sei, die über eine Armee verfüge, sondern eine Nation, die selbst eine Armee sei. Die türkische Gesellschaft werde sich allen Versuchen widersetzen, einen Keil zwischen Armee und Gesellschaft zu treiben:

Genauso, wie nur eine Leiche bleibt, wenn der Geist den Körper verlässt, sind die Armee und die Nation auf dieselbe Art eine untrennbare Einheit", so Erdoğan.

Die türkische Armee schütze nicht nur ihren Staat und ihr Volk, sondern sei zur Hoffnung aller Unterdrückten sowie aller Turkstämmigen und Muslime der Welt geworden.

Der Hintergrund der Erfolge unserer Armee ist ihre qualifizierte Ausbildung, ihre vorbildliche Disziplin und ihre hervorragende Ausstattung sowie die Gebete, die sie von Millionen von Menschen empfängt. Wenn wir unsere technologische Überlegenheit, unser entwickeltes Humankapital und unsere spirituelle Kraft verbinden, dann kann uns, mit Gottes Segen, keine Kraft aufhalten", mahnte der türkische Staatschef.

Mikis Theodorakis bei einem Konzert in Athen am 19. Juni 2017

Erdoğan verkündete, dass die türkische Nation bereit sei, ihre völkerrechtlich zustehenden Rechte einzufordern und durchzusetzen:

Wir schrecken nicht vor einem Kampf zurück. Wir schrecken nicht davor zurück, bei diesem Kampf Märtyrer zu opfern. Wir schrecken nicht davor zurück, für unsere Unabhängigkeit und unsere Zukunft wie eine Flut aus 83 Millionen die Dämme vor uns zu niederzutreten und zu überwinden.

Danach warf Erdoğan folgende rhetorische Frage auf:

Sind diejenigen, die sich derzeit im Mittelmeer und in dessen Umgebung gegen uns auflehnen, bereit, dieselben Opfer zu bringen? Ist das griechische Volk bereit, das zu akzeptieren, was ihm aufgrund seiner ehrgeizigen und unfähigen Regierenden droht? Kennt das französische Volk den Preis, den es aufgrund seiner ehrgeizigen und unfähigen Regierenden zahlen muss? (...) Als eine Nation, die während ihrer jahrtausendealten Staatsgeschichte und einer tausendjährigen Existenz in Anatolien jeden Tag mit Kampf verbracht hat, sind wir uns all dessen bewusst.

Die Türkei sei bereit, jeden Preis auf ihrem Weg zu zahlen. Erdoğan erklärte während seiner Rede zudem, dass die Türkei nie Kolonien gehabt und keine Angriffskriege geführt habe. 

Hintergrund der rhetorischen Ausfälle des türkischen Präsidenten ist die Absicht Griechenlands, seine Hoheitsgewässer im Ionischen Meer – Richtung Italien – auszuweiten. Schon seit einiger Zeit tobt zwischen beiden Staaten sowie zwischen der Türkei und Zypern ein Streit um die territorialen Ansprüche, der durch die Entdeckung größerer Erdgasvorkommen angeheizt wird. Inzwischen mischen sich auch Staaten außerhalb der Region – wie Frankreich – in den Streit ein.

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