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Starker Anstieg an Corona-Infektionen im Westbalkan: Grenzen wieder dicht und eskalierende Proteste

Starker Anstieg an Corona-Infektionen im Westbalkan: Grenzen wieder dicht und eskalierende Proteste
Schwere Ausschreitungen bei Protesten gegen die neuen Lockdown-Maßnahmen in Belgrad, 8. Juli 2020
Serbien, Nordmazedonien und Bosnien-Herzegowina verzeichnen einen signifikanten Anstieg an Coronavirus-Infektionen. Auch in Kroatien und Montenegro gehen die Zahlen nach oben. In Belgrad wurde nun die größte Sporthalle Serbiens zu einer COVID-19-Klinik umfunktioniert. Proteste eskalieren.

Die Corona-Pandemie schien in Südosteuropa mit schnellen restriktiven Maßnahmen erfolgreich gemeistert worden zu sein: Die Zahl der positiv getesteten Personen sowie der Toten im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion war in den Ländern Ex-Jugoslawiens bis etwa Juni verhältnismäßig niedrig. Montenegro hatte sogar jüngst verkündet, "coronafrei" zu sein. Doch nun ist erneut die Rede von bestätigten Infektionen – allein von Montag auf Dienstag wurden 60 Neuansteckungen registriert. Und Serbien, Bosnien-Herzegowina oder Nordmazedonien könnten gar zu Corona-Hotspots werden.

Etwa 16.000 Fans sollen offiziell am 10. Juni in Belgrad das Pokal-Halbfinale zwischen den Stadtrivalen Roter Stern und Partizan im Stadion verfolgt haben. Laut Medienberichten sollen es mehr als 20.000 gewesen sein – ohne den verpflichtenden Sicherheitsabstand von einem Meter einzuhalten.

Die Beschränkungen des öffentlichen Lebens wurden in mehreren Ländern seit Anfang Mai im Eiltempo gelockert. So wurden etwa zuvor verpflichtende Maßnahmen wie das Tragen von Masken zur Empfehlung, Kneipen und Nachtclubs hatten wieder geöffnet, private Feiern wurden erlaubt, Sportveranstaltungen mit mehr als 15.000 Fans im Stadion fanden statt. Belgrad war eines der ersten Städte in Europa, das wieder Fußballspiele vor Publikum zuließ.

Vor allem Serbien ist in den vergangenen Tagen mit einem rasanten Anstieg an bestätigten Coronavirus-Infektionen konfrontiert. Seit dem 30. Juni liegt die Zahl der täglich bestätigten testpositiven Personen stets über 270. Am 2. Juli waren in dem Land mit rund sieben Millionen Einwohnern sogar offiziell 359 Neuinfizierte verzeichnet worden. Zum Vergleich: Genau einen Monat zuvor, am 2. Juni, gab es offiziellen Angaben zufolge insgesamt 24 Neuinfektionen in ganz Serbien. Bisher sind in dem Land offiziell 330 Menschen an den Folgen der Coronavirus-Infektion verstorben. 110 Patienten werden derzeit beatmet. Seit dem Ausbruch der Pandemie bis zum 7. Juli gab es im Land 16.719 bestätigte Infektionen mit SARS-CoV-2.

In Belgrad wurde die größte Sporthalle Serbiens, die "Štark-Arena", in eine COVID-19-Klinik umgewandelt. Sie nahm am Montag ihren Betrieb auf. Dort sollen diejenigen Patienten behandelt werden, deren Zustand sich verbessert hatte und denen eine noch etwa dreitägige Behandlung bis zum Abschluss der Therapie bevorsteht. Dadurch sollen die Kliniken der Stadt entlastet werden.

Starker Anstieg an Corona-Infektionen im Westbalkan: Grenzen wieder dicht und eskalierende Proteste
Die Sporthalle Štark-Arena befindet sich im Belgrader Stadtbezirk Novi Beograd. Sie hat eine Spielfläche von 48.000 Quadratmetern. Nun wurde die Halle in eine COVID-19-Klinik umgewandelt.

Einige unabhängige Medien sowie oppositionelle Politiker warfen der Regierung und dem Präsidenten Aleksandar Vučić vor, die Corona-Zahlen im Mai und Anfang Juni geschönt zu haben – wegen der Wahlen am 21. Juni. In einem offenen Brief bezichtigte Dragan Đilas, der Gründer der oppositionellen Allianz für Serbien, gar den serbischen Staatschef, "absichtlich eine Stimmung geschaffen zu haben", wonach die Corona-Gefahr vorbei sei, um "unrechtmäßige" und "sinnlose" Wahlen stattfinden zu lassen. Noch Anfang Mai habe Vučić behauptet, dass Serbien das Coronavirus "besiegt hat", und am vergangenen Freitag seien elf Menschen im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung gestorben, ergänzte der oppositionelle Politiker.

Serbien: Erneut Maskenpflicht in geschlossenen Räumen und im öffentlichen Nahverkehr

Weil die Zahlen täglich nach oben schnellten, griff Belgrad erneut zu Maßnahmen. Am 2. Juli wurde in Serbien erneut eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen und im öffentlichen Nahverkehr verhängt. Doch Nachtclubs wurden nicht geschlossen, ihre Öffnungszeit wurde lediglich bis 23 Uhr begrenzt. Neue Lockdowns mit Ausgangssperren wurden bisher nicht verhängt. In einigen Orten wie Novi Pazar, Sjenica, Tutin und Užice wird die Lage als schwer beschrieben: viele bestätigte Infektionen, wenige Krankenhausbetten, wenig Pflegepersonal. Allein in Novi Pazar, einer Gemeinde im Südwesten Serbiens mit rund 100.000 Einwohnern, werden derzeit 363 Menschen, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet wurden, im Krankenhaus behandelt. Acht Patienten werden beatmet.

Rund  40.000 Bauarbeiter aus Serbien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien, Montenegro oder dem Kosovo sollen seit 2016 in Deutschland arbeiten.

Auch im Nachbarland Nordmazedonien hat sich die Situation im Vergleich zu März oder April um einiges verschlechtert. Zu dieser Zeit gab es noch wenige Ansteckungen, doch seit Anfang Juni steigt die Anzahl der positiv Getesteten auch dort. Mitte Juni wurden an einigen Tagen rund 180 Neuansteckungen gemeldet. Am 2. Juli wurden 171 Neuinfektionen und gar 15 Tote verzeichnet. Bisher sind in dem südosteuropäischen Staat mit rund zwei Millionen Einwohnern 346 Menschen im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben. Bis zum 7. Juli waren 7.244 Menschen in Nordmazedonien nachweislich mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert. Noch Ende Mai hatte die Regierung behauptet, sie habe die Situation unter Kontrolle, und lockerte die Maßnahmen. Für den 15. Juli sind hier Wahlen für ein neues Parlament angesetzt worden. Sie hätten eigentlich wie in Serbien bereits Mitte April stattfinden sollen.

Österreich und Slowenien verschärfen Einreisebestimmungen

Auch in Bosnien-Herzegowina breitet sich das Virus seit Juni wieder aus. Allein von Montag auf Dienstag wurden 160 neue Infektionen verzeichnet. Auch Kroatien ist nach einer zunächst erfolgreichen Eindämmung der Ausbreitung nun erneut mit steigenden Infektionszahlen konfrontiert. Vom 29. Juni bis zum 4. Juli gab es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 469 Neuinfektionen und fünf COVID-19-Tote. Vor allem die kroatische Hauptstadt Zagreb und die Region Slawonien gelten als derzeitige Hotspots im Land. 

Angesichts steigender Corona-Zahlen in den Ländern des Westbalkans sprach Österreich am 1. Juli für alle sechs Staaten eine Reisewarnung aus. Urlaubsreisen nach Serbien, ins Kosovo, nach Albanien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Montenegro seien unbedingt zu unterlassen, sagte Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) mit Blick auf die 530.000 Menschen in Österreich, die familiäre Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien haben. Auch Athen reagierte und verhängte eine Einreisesperre für serbische Staatsbürger, bei denen Griechenland ein beliebtes Urlaubsziel ist. Slowenien verschärfte ebenfalls seine Grenzkontrollen. Alle Einreisenden, die sich in den genannten Westbalkanstaaten aufhielten, müssen sich für 14 Tage in Quarantäne begeben. Ausgenommen davon ist immer noch Kroatien.

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