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WHO rudert zurück: Schweden doch kein Corona-Risikoland

WHO rudert zurück: Schweden doch kein Corona-Risikoland
Symbolbild: Ein Schild am Stand von Malmö fordert zur Einhaltung des Distanzgebotes auf. (25. Juni 2020)
Die Arbeitsweise der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wirft einige Fragen auf. Zuerst stufte man das skandinavische Land als ein Corona-Risikogebiet ein, und bereits am nächsten Tag verschickte man E-Mails an schwedische Medien, in denen das Gegenteil behauptet wurde.

Es waren nur wenige Worte des WHO-Regionaldirektors für Europa, Dr. Hans Kluge, die am Donnerstag in Schweden für Empörung sorgten. Nebst zehn weiteren Ländern in Osteuropa und dem Kaukasus sei auch in dem Königreich ein "sehr signifikantes Aufleben" des Coronavirus in den vergangenen zwei Wochen zu verzeichnen gewesen. Sollte man nicht schnell etwas dagegen unternehmen, drohe ein Kollaps der Gesundheitssysteme in diesen Staaten.

Menschen in Malmö genießen einen schönen Sonnentag und halten sich kaum an die von der Regierung empfohlenen Abstandsregeln (Bild vom 25. Juni).

Für Dr. Anders Tegnell, den staatlichen Epidemiologen in Stockholm, ging diese Einstufung seines Landes durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Corona-Risikogebiet zu weit, und er holte zu einem Gegenschlag aus. In einem Interview mit dem Fernsehsender SVT beschwerte er sich bitterlich über diese – seiner Meinung nach – Fehleinschätzung der WHO. Die steigenden Infektionszahlen werden damit begründet, dass man damit begonnen habe, Massentests durchzuführen, und deshalb Fälle nun statistisch erfasst würden, die vorher aufgrund beschwerdefreier Verläufe oder milder Symptome eben nicht in die Statistik aufgenommen wurden.

Hätte sich jemand von der WHO die Mühe gemacht und sich mit den schwedischen Behörden über die Zahlen ausgetauscht, wäre dieses Detail ans Licht gekommen, so Tegnell. Doch nun war der Schaden angerichtet.

Diese fehlende Information erreichte die Weltgesundheitsorganisation noch am selben Tag und veranlasste sie, sich mit einer E-Mail an schwedische Medien zu wenden, die auch der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegt. Statt von einem "sehr signifikanten Aufleben" des Coronavirus, wie es noch tags zuvor in der WHO-Erklärung hieß, bescheinigte die Organisation dem skandinavischen Land "einige sehr positive Trends". Vor allem aber erkannte die WHO an, dass eine Korrelation zu den vermeintlich gestiegenen Neuinfektionen mit der Ausweitung der Corona-Tests besteht. 

Zu den genannten positiven Trends gehöre laut der Organisation "vor allem eine anhaltende Abnahme neuer Fälle mit schwerer Erkrankung, eine allmähliche Abnahme von Patienten, die seit April auf Intensivstationen aufgenommen wurden, und eine weiterhin rückläufige Zahl neuer COVID-19-Todesfälle". Zu der tags zuvor geäußerten Warnung vor einem Kollaps des Gesundheitssystems aufgrund der angeblich gestiegenen Infektionszahlen schrieb die WHO weiter: 

Schweden hat die Gemeinschaft an der Reaktion (zum Ausbruch der Corona-Pandemie/Anm.) beteiligt und konnte die Übertragung auf einem Niveau halten, das vom schwedischen Gesundheitssystem verwaltet werden kann.

Damit vollzog die Organisation innerhalb von 24 Stunden eine 180-Grad-Wende: von einer Einstufung Schwedens zu einem Risikogebiet mit drohendem Kollaps des Gesundheitssystems zu einem Land, das die Situation im Griff und rückläufige Zahlen vorzuweisen hat. Doch von alledem erfährt man auf der WHO-Webseite nichts. Statt die Erklärung vom 25. Juni abzuändern, wurde am 27. Juni lediglich mit einer Fußnote ergänzt, dass in den "letzten zwei Tagen die Zahl der neu bestätigten Fälle in Schweden zurückgegangen" und die Zahl der Todesfälle "kontinuierlich" zurückgegangen sei. 

William Hanage, Epidemiologe an der Harvard School of Public Health in Boston/USA, ist sogar der Meinung, dass sich das schwedische Modell am Ende als richtig erweisen könnte. Gegenüber Bloomberg sagte er, dass es gegenüber den anderen Ländern "nachhaltig" sein könnte. Die verordneten Lockdowns hätten das Ziel, die "Übertragungsketten so schnell wie möglich zu stoppen", aber man werde erst nach der Pandemie sehen, ob es richtig war oder nicht.

Allerdings hatte der schwedische "Sonderweg", wie man ihn hierzulande eher kritisch nennt, durchaus seinen Preis. Mit einer Rate von 51,8 COVID-19-Todesopfern (Quelle: Johns Hopkins University, Stand 29. Juni) pro 100.000 Einwohnern steht Schweden weltweit an siebter Stelle. Insgesamt starben 5.280 Menschen, hauptsächlich in Alten- und Pflegeheimen, an den Folgen einer COVID-19 Erkrankung. Das ist auch der Punkt, den Hanage scharf kritisiert. Es sei keine Strategie erkennbar, wie die schwedische Regierung bei einem größeren Ausbruch die Risikogruppen schützen will. Doch er bleibt dabei, dass man erst am Schluss sehen werde, welches Modell sich für ein Land als das richtige erwiesen hat.      

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