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Corona war gestern! Serbien macht Party, Sport und Wahlkampf

Corona war gestern! Serbien macht Party, Sport und Wahlkampf
Etwa 16.000 Fans sollen offiziell am 10. Juni in Belgrad das Pokal-Halbfinale zwischen den Stadtrivalen Roter Stern und Partizan im Stadion verfolgt haben. Laut Medienberichten sollen es mehr als 20.000 gewesen sein – ohne den verpflichtenden Sicherheitsabstand von einem Meter einzuhalten.
Rigorose Ausgangssperren, Handschuh- und Maskenpflicht, kompletter Lockdown – Serbien verhängte während der Corona-Krise drakonische Maßnahmen. Doch nun – wie über Nacht – ist vom Virus fast keine Rede mehr. Es finden wieder Massenevents statt.

Die Friedhöfe in Belgrad würden nicht ausreichen, wenn sich nicht jeder an die verhängten Maßnahmen halte, mahnte der serbische Präsident Aleksandar Vučić noch vor mehreren Wochen seine Mitbürger in der Hauptstadt. Mehrmals wöchentlich in schwülstig-melodramatischen Ansprachen und eher drohend rief er die Bevölkerung dazu auf, die Corona-Regeln im Land zu befolgen.

In Serbien wurde Mitte März der Ausnahmezustand ausgerufen, es galten Masken- und Handschuhpflicht sowie rigorose Ausgangssperren. Während der sogenannten Polizeistunde von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens am darauffolgenden Tag durften die Menschen, mit wenigen berechtigten Ausnahmen, nicht auf die Straße gehen. Zu einem späteren Zeitpunkt sogar bereits ab 18 Uhr. Schulen, Kindergärten, Universitäten, Clubs und Cafés wurden geschlossen, alle Sportveranstaltungen abgesagt.

Mehrtägige Ausgangssperre zu Ostern und Ausgangsverbot für Ältere

Für ältere Bevölkerungsgruppen – ab 65 Jahren – galten in den Städten während des verhängten Lockdowns sogar noch drakonischere Maßnahmen: Diese durften lediglich einige Stunden am Morgen ihre Wohnungen verlassen. Ab 10 Uhr vormittags galt für sie Ausgangsverbot. In ländlichen Gebieten bezog sich die Maßnahme auf über 70-Jährige. Während des orthodoxen Osterfests wurde sogar eine mehrtägige Ausgangssperre für alle verhängt: Vom 17. April um 17 Uhr bis zum 21. April um 5 Uhr morgens musste man zu Hause bleiben. 

Serbien schaffte es tatsächlich, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Im Land mit rund sieben Millionen Einwohnern (ohne Kosovo) gibt es bisher rund 12.425 bestätigte Corona-Fälle, 256 Menschen starben bislang in Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung.

Massenevents sind im Land wieder erlaubt

Doch nun, obwohl die Pandemie noch nicht vorbei ist, scheint das Coronavirus aus dem Westbalkanland wie ausgebrannt zu sein – zumindest bis nach den Wahlen am Sonntag, wie Kritiker der Regierung und des Staatschefs spotten. Die drakonischen Maßnahmen sind aufgehoben, es finden keine wöchentlichen Corona-Pressekonferenzen mit dem Präsidenten mehr statt. Bereits Mitte Mai hob das Parlament den Ausnahmezustand auf, die Grenzen des Landes wurden geöffnet. Das Tragen von Masken in geschlossenen Räumen wird weiterhin empfohlen, zudem soll man stets einen Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter einhalten. Massenevents sind im Land wieder erlaubt, Clubs und Kneipen haben wieder geöffnet.

Archivbild. Die Mitglieder eines chinesischen Medizinerteams, das in Serbien stationiert war.

Bereits zwei Großveranstaltungen sorgten für Diskussionen. Am vergangenen Mittwoch fand in Belgrad das Pokal-Halbfinale zwischen den Stadtrivalen Roter Stern und Partizan statt. Das Fußballspiel, das Partizan für sich entschied, verfolgten offiziell rund 16.000 Fans im Stadion. Seit dem 1. Juni sind in Serbien wieder Fußballspiele mit Publikum erlaubt, wenn zwischen den Zuschauern ein Sicherheitsabstand von einem Meter eingehalten wird. Doch bei diesem Massenevent, bei dem laut verschiedenen Medienberichten sogar rund 20.000 Menschen anwesend waren, war vom Mindestabstand nichts zu sehen. Fotos und Videos zeigen stattdessen eng nebeneinander stehende Fans auf den Tribünen, die sich im Rausch über den Sieg ihres Teams gar umarmten.

Wenige Tage später fand in Belgrad ein Turnier mit Tennis-Star Novak Đoković statt. Er organisiert derzeit eine eigene Turnierserie in den Balkanländern Serbien, Kroatien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina. Die "Adria-Tour" startete am 13. Juni in Belgrad und soll am 5. Juli mit einem Match in Sarajevo enden. Obwohl die Einnahmen aus dem Ticketverkauf für wohltätige Zwecke gedacht sind, sorgten gerade die prall gefüllten Zuschauerränge für Stirnrunzeln. Denn: Es gab keine Mindestabstände. Auf den Tribünen sollen rund 4.000 Menschen gewesen sein. Die Spieler selbst umarmten sich innig, schüttelten Hände und machten sogar Selfies inmitten begeisterter Fans, die dicht an dicht gedrängt neben ihren Idolen standen. Kritik gab es auch wegen einer Feier der Tennisspieler in einem Club nach dem letzten Turniertag in der serbischen Hauptstadt.

Parlamentswahlen müssen stattfinden – noch vor den Folgen der Corona-Krise?

Doch warum sollte für "Normalbürger" etwas anderes gelten als für die Politik? Serbien befindet sich derzeit im Endspurt des Wahlkampfs. Politische Parteien, die die Parlamentswahlen nicht boykottieren, werben landesweit um Stimmen. Bei Veranstaltungen werden Hände geschüttelt, ohne Einhaltung des Mindestabstands spricht man mit potenziellen Wählern. Ein Politiker entschied sich während einer Wahlkampfveranstaltung sogar für ein "Stage diving". Im Stil eines Rockstars sprang er von der Bühne in die davor stehende Menschenmenge.

Der serbische Präsident, obwohl er gar nicht zur Wahl steht, wirbt in geballter Medienpräsenz für das Programm der Regierungspartei, seiner Serbischen Fortschrittspartei (SNS). Das Thema Kosovo meidet Vučić gekonnt, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes steht stattdessen im Fokus der Kampagne. Breite Teile der Opposition boykottieren die Wahlen.

Weil es keine Bedingungen für faire Wahlen gibt", sagt etwa Dragan Djilas, Gründer der Allianz für Serbien, eines Bündnisses, das Parteien von ganz links bis ganz rechts unterstützen.

Obwohl in den vergangenen Tagen die Zahl der täglich bestätigten Corona-Fälle spürbar anstieg, soll der Urnengang nicht verschoben werden. Vučić-Kritiker vermuten dagegen, die Regierungspartei will die Wahlen durchpeitschen, bevor in den nächsten Monaten die gesamten wirtschaftlichen Schäden der Corona-Krise im Land sichtbar werden.

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