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Spannungen zwischen Kroatien und Ungarn: "Wenn man zweimal reingelegt wird, ist man dumm"

Spannungen zwischen Kroatien und Ungarn: "Wenn man zweimal reingelegt wird, ist man dumm"
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán im Gespräch mit seinem kroatischen Amtskollegen Andrej Plenković in Brüssel (Bild vom 28.05.2019)
Was sich seit Monaten angekündigt hat und von vielen in Kroatien bemängelt wurde, führt nun zu einem diplomatischen Disput zwischen Ungarn und Kroatien. Nach Viktor Orbáns Trianon-Rede will Zagreb wissen, ob Ungarn eine territoriale Ausdehnung beabsichtigt.

Zum einhundertjährigen Gedenken an den Vertrag von Trianon hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán nahe der Kleinstadt Sátoraljaújhely (deutsch: Neustadt am Zeltberg) ein Denkmal eingeweiht. In jenem französischen Lustschloss im Park von Versailles bei Paris wurde am 4. Juni 1920 der Vertrag unterzeichnet, der das Königreich Ungarn zerschlug und auf die heutige Größe reduzierte. Von ungarischen Historikern wird dieser Prozess als "Schande von Trianon" bezeichnet und auch von der Bevölkerung entsprechend wahrgenommen. 

Proteste gegen die

Die Einweihung der Turul-Statue auf dem Denkmal der "Ungarischen Kavallerie" unmittelbar an der slowakischen Grenze umfasst insgesamt 14 Stationen, von denen jede eine wichtige Stadt oder Region des ehemaligen Großreichs symbolisiert, die verloren gegangen ist. Das Denkmal wird in den Nachbarländern kritisch betrachtet. Der Turul ist ein Fabelwesen der ungarischen (und türkischen) Mythologie, der bei der Legendenbildung um die Ursprünge und Landnahme der Ungarn eine wichtige Rolle spielte. Und die Rede Orbáns trug nicht dazu bei, dass die Bedenken geringer wurden. 

Schon vorher wurde in Serbien, der Slowakei und Slowenien heftig kritisiert, dass sich der ungarische Ministerpräsident vor Karten abbilden lässt, die das ehemalige Großungarn abbilden und Teile der heutigen Nachbarstaaten umfassen. Nur in Kroatien hielt sich die offizielle Empörung bisher in Grenzen. Aber seit bei der Einweihung des Denkmals auch eine Gedenktafel mit den Worten "Fiume – Tengerre magyar" zu sehen war, verschärft die kroatische Regierung den Ton. Man will darin einen territorialen Anspruch im Sinne der Magyarisierungspolitik ("Ungarn von den Karpaten bis zur Adria") erkannt haben, weil die heutige kroatische Hafenstadt Rijeka, das historische Fiume, auf der Gedenktafel als "Ungarisches Meer" bezeichnet wurde.

Nachdem das Außenministerium in Zagreb der ungarischen Botschaft am Montag eine Protestnote übergeben hatte, stellte diese klar, dass es sich um eine fehlerhafte Übersetzung handele. Demnach laute die korrekte Übersetzung "Rijeka – Ans Meer, (ihr) Ungarn" und stamme aus einem Zeitungsartikel des ungarischen Journalisten Lajos Kossuth aus dem Jahr 1846, mit dem er den Bau einer in die damalige Stadt Fiume führenden Eisenbahnstrecke und die Schönheit des Meeres beworben haben soll.

Die Wogen waren damit allerdings noch lange nicht geglättet. Der kroatische Premierminister Andrej Plenković telefonierte am Dienstag mit seinem ungarischen Amtskollegen und wollte von ihm wissen, ob Ungarn irgendwelche territorialen Absichten gegenüber seinem Land verfolge. Orbán habe ihm versichert, dass das nicht der Fall sei, sagte Plenković dem Fernsehsender NOVA TV. Daraufhin habe er aber deutlich gemacht, dass selbst solche Interpretationen "Schwierigkeiten in Kroatien und in den bilateralen Beziehungen (zu Ungarn) schaffen".

Viktor Orbán bei seiner jährlichen Rede zur Nation (Budapest. 16. Februar 2020)

Kroatiens Präsident Zoran Milanović zeigte sich am Mittwoch von der Zusicherung des ungarischen Regierungschefs nicht besänftigt. Man könne Orbán nicht trauen, sagte er bei einer Pressekonferenz zu Journalisten.

Wie zuvor schon Plenković versicherte er auch mir, dass alles in Ordnung ist. Aber wenn man einmal reingelegt wird, ist der andere schuld, und wenn man ein zweites Mal reingelegt wird, ist man dumm. Wir wissen, wer Orbán ist und wofür er einsteht, das ist nichts Gutes. Glücklicherweise ist das kein großes und mächtiges Land, das einst auf unserer Seite war, aber das war vor sehr langer Zeit, und das zählt nicht mehr.

Milanović meinte zudem, dass aus Budapest ständig "Gejammer" wegen des Territorialverlusts infolge des Trianon-Vertrags komme und dass es eine nationale Tragödie sei. Es gebe seiner Meinung nach auch andere Länder, die aus ähnlichen Gründen "jammern" könnten, es aber nicht tun:

Wenn jemand jammern sollte, weil er nach dem verloren gegangenen Krieg auf kleinem Gebiet eingeengt wurde, dann sind das die Deutschen. Es gibt wirklich sehr viele von ihnen auf engem Raum. Aber so etwas hört man nicht aus Deutschland. Das hört man (nur) von diesem Bediensteten, der von einem ungarischen Rijeka (und) Transsilvanien träumt. Es gibt auch in Kroatien Leute, die meinen, dass Kroatien bis zur Drina gehen sollte. Sollen sie das nur denken. Es gibt in Kroatien auch Leute, die meinen, dass Budapest eine kroatische Stadt sein sollte, weil der häufigste Nachnahme in Ungarn Horvat ist. Aber das ist Blödsinn.

Das war ein gezielter Schlag unter die Gürtellinie des ungarischen Ministerpräsidenten, der auf diplomatischer Ebene noch für Querelen sorgen könnte. Bereits am Montag beschwerte sich Außenminister Péter Szijjártó darüber, dass kroatische Medien tendenziös über die Einweihung des Denkmals und Orbáns Rede berichtet hätten, was einen Tag später auch Tamás Menczer, Staatssekretär für internationale Angelegenheiten, wiederholte. Seine Regierung erwarte "mehr Respekt von kroatischen Politikern, die grundlos kritisieren und falsche Nachrichten über Ungarn verbreiten".  

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