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Der ganz normale Faschismus in der Ukraine: Mörder und Nazihelfer werden geehrt

Der ganz normale Faschismus in der Ukraine: Mörder und Nazihelfer werden geehrt
Ein greiser Kriegsteilnehmer nimmt bei den Feierlichkeiten der rechtsradikalen Gruppierung "Karpatska Sich" zu Ehren der SS-Division "Galizien" im westukrainischen Iwano-Frankowsk teil, Juli 2019.
Der Chef des Jüdischen Komitees ist besorgt um die Wiedergeburt des Neonazismus in der Ukraine. Auf seinem Facebook-Account dokumentiert er minutiös die Fälle einer staatlichen Verherrlichung der ehemaligen Nazi-Kollaborateure in seiner Heimat.

von Wladislaw Sankin

Im westukrainischen Kalusch im Gebiet Iwano-Frankowsk wurde ein Veteran der SS-Division "Galizien" ausgezeichnet. Während der Zeremonie wurde er sentimental und erhob seine Hand zum Hitlergruß. Eine kleine Geste, die in nationalistischen Kreisen offenbar selbstverständlich ist und dennoch nicht unbemerkt blieb. Eduard Dolinsky, Generaldirektor des Ukrainischen Jüdischen Komitees, postete vor einigen Tagen ein Video der Zeremonie auf Facebook.

Beachten Sie, wie der Veteran zum Zeitpunkt der Verleihung reflexartig den Hitlergruß machte", schrieb Dolinsky.

Wassili Nakonetschny diente in der 14. Grenadierdivision der Waffen-SS "Galizien" und wurde dafür von einem Vertreter der Nachfolgeorganisation – der Bruderschaft "Galizien" – mit einem Ritterkreuz der Division ausgezeichnet. Die feierliche Zeremonie in der Stadt Kalusch fand im Juni 2018 statt. Die Redner der Zeremonie – Bürgermeister, Historiker und Aktivisten – bezeichnen den Einsatz der Freiwilligen in der Division im Dienste des Dritten Reiches als Heldentat im Kampf für die Unabhängigkeit und den Grundstein für die Bildung der modernen ukrainischen Armee.

Anlass war die Eröffnung der Gedenktafel zu Ehren des Offiziers der Grenadierdivision der Waffen-SS "Galizien" Juri Gerasimow.

In Kalusch töteten die Nazis und ihre ukrainische Hilfspolizei mehr als 7.000 Juden. Heutzutage ist Kalusch zu einem Reservat für Nazis geworden", schrieb Dolinsky anlässlich der Ehrung des Obersturmbahnführers der Division der Waffen-SS 'Galizien'.

Seitdem die ultranationalistische Begrüßung "Slawa Ukraine" vor wenigen Jahren zur offiziellen Grußformel der ukrainischen Armee gemacht wurde, bekam auch die Ehrung von direkten Helfern der Nazis in der Ukraine einen staatlichen Rang.

Die Feierlichkeiten in der ukrainischen Hauptstadt zu Ehren des OUN-Gründers Stepan Bandera vor der Kiewer Stadtverwaltung am 1. Januar 2020.

Denn wenn die Nazi-Kollaborateure von den Milizen der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) und vom militanten Flügel der Organisation der ukrainischen Nationalisten (OUN) in der offiziellen Propaganda als "Kämpfer für die ukrainische Unabhängigkeit" gepriesen werden, fällt diese Begründung für die Einheiten unter unmittelbarem deutschen Kommando wie "Galizien" eigentlich weg.

Dennoch wird "Galizien" in der neuen ukrainischen Bezeichnung einfach losgelöst von der SS-Zugehörigkeit und in das "patriotische" Helden-Pantheon de facto aufgenommen, zumindest auf lokaler Ebene in den Gebieten der Westukraine, die zum historischen Galizien zählen – Lwow, Iwano-Frankowsk und Ternopol. Welches Geschichtsbild in den Schulen dort gepflegt wird, sagt z. B. die offizielle Unterstützung eines Schulmalwettbewerbs durch das Bildungsdezernat der Gebietsverwaltung von Lwow im Jahr 2018 zum Thema "Ukrainische Freiwillige in den Reihen der Division 'Galizien' von 1943 bis 1945". Schülermärsche, Ausstellungen und sonstige Events werden zu Ehren der SS-Division durchgeführt. Wie das Nachrichtenportal strana.ua berichtete, wurde die Leiterin des Bildungsdezernats und damit einer der Unterstützerin dieser Events, Ljubomira Mandsij, im März zur amtierenden Bildungsministerin der Ukraine.

Ein anderer Fall sorgte im gleichen Jahr für Aufsehen, als eine Geschichtslehrerin aus Lwow in den sozialen Medien Beiträge mit Lobhuldigungen an Adolf Hitler postete. Sie animierte sogar ihre Schüler zum Hitlergruß, wie dieses Bild belegt. Die Lehrerin wurde von ihrem Dienst suspendiert.

Der ganz normale Faschismus in der Ukraine: Mörder und Nazihelfer werden geehrt

Für Dolinsky macht es keinen Unterschied, ob die Ukrainer bei den Nazis in den Reihen der Hilfspolizei dienten, bei der SS-Division kämpften oder sich als UPA-Mitglieder in den Wäldern verschanzten und von dort aus Terror gegen Zivilisten verübten: Sie alle sind Nazi-Kollaborateure, sie alle beteiligten sich am Mord – vor allem in den Territorien Weißrusslands, Polens und der Ukraine. Er bedauert, dass die Ukraine sie heute aus fernen Gedächtniswinkeln hervorklaubt und nun gar als Helden verehrt.   

Für das Jahr 2020 zählte er die Namen von acht hochrangigen ukrainischen Nazi-Kollaborateuren auf, deren Geburtstage der Kiewer Rat in das Dekret über die Feier denkwürdiger Daten und Jahrestage in Kiew aufgenommen hat. Sie alle waren laut Dolinsky am Mord Tausender Juden beteiligt oder haben diesen verherrlicht.

Sein letzter Facebook-Eintrag dokumentiert den Obelisken zum Gedenken an die "Kämpfer der UPA-OUN, die von NKWD im Ort Nemirow am 22. Juni 1944 hingerichtet wurden". Vier Personen hätten im Laufe des Krieges bei der Hilfspolizei, UPA, und zwei von ihnen bei der SS-Division gedient. Sie nahmen an der Vernichtung von 2.000 Juden in Nemirow teil.

Jetzt gibt es in Nemirow keine Juden oder Polen mehr, sondern ein Denkmal für ihre Mörder auf dem Hauptplatz mit den Namen der Mörder", so Dolinsky.

In dieser Hinsicht unterscheidet sich die heutige Ukraine von den meisten anderen Staaten der Weltgemeinschaft grundsätzlich. Als ein Land, das als Teilrepublik der Sowjetunion noch den deutschen Nazismus besiegte, stimmt es nun bereits seit Jahren als einziges Land zusammen mit den USA gegen eine UN-Resolution, die die nazistische Ideologie verurteilen soll. Und das selbst dann, wenn offiziell Propaganda für den Nazismus in der Ukraine eine Straftat ist.

Collage: Die sowjetischen Kommunistenführer Wladimir Lenin und Josef Stalin im Jahre 1919. Im Vordergrund: Triumph der Nationalisten – noch ein Lenin-Denkmal ist gestürzt.

Aber selbst die Insignien jener ruhmreichen Armee, die den Nazismus besiegt hatte, sind heute dort verboten – als angeblich totalitäres Erbe. Bis zu sieben Millionen Bürger der Sowjetukraine dienten in den Reihen der Roten Armee. Der "Tag des Sieges" über den Nazismus ist in der Ukraine seit diesem Jahr als Feier- und Gedenktag abgeschafft. Da ist das Gedeihen nationalistischer Mythen über die Geschichte in solch einer Atmosphäre nur logisch.

Mit dem in der Geschichte fast beispiellosen Sturz der einstigen Helden und der Verkehrung eines schlüssigen russisch-ukrainischen Geschichtsbildes in sein vollständiges Gegenteil war die Verklärung von Nazi-Kollaborateuren zu patriotischen "Helden" vorprogrammiert. "Die Ukraine hat bei der Gestaltung ihres eigenen Nationalmythos leider keine anderen Vorbilder außer Faschisten", diese bittere Erkenntnis teilen mit mir in privaten Gesprächen sogar heutige "Ukraine-Versteher" unter deutschen Experten. Viele glauben, dies sei lediglich eine unvermeidbare Krankheit einer solch jungen Nation. 

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