icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

Aufruf ohne Resonanz: Serbien will Ärzte und Pfleger aus dem Ausland zurückholen

Aufruf ohne Resonanz: Serbien will Ärzte und Pfleger aus dem Ausland zurückholen
Foto zeigt eine Gesundheitseinrichtung in Banja Luka, in der COVID-19-Patienten behandelt werden.
Serbien zählt zu den Ländern, aus denen Ärzte und Pflegekräfte massenhaft ins Ausland abwandern. Der dadurch entstandene Pflegenotstand verschärft sich durch die Corona-Epidemie. Belgrad ruft das abgewanderte Personal nun zur Rückkehr auf – mit mäßigem Erfolg.

von Marinko Učur, Belgrad/Banja Luka

"Kommt zurück und helft eurem Land, das Coronavirus zu bekämpfen!"Dieser an Ärzte und Krankenschwestern aus der Diaspora gerichtete Appell der serbischen Regierung aus Belgrad scheint zu spät angekommen zu sein und ist bisher ohne Resonanz geblieben.

(Archivbild). Der serbische Präsident Aleksandar Vučić trifft sich am 10. Dezember 2019 mit dem griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos im Präsidentenpalast in Athen, Griechenland.

Beim heutigen Zustand, in dem der Kampf gegen COVID-19 zu einem globalen Problem geworden ist, scheinen Serbien und andere Balkanländer erkannt zu haben, dass sie zu schnell auf jenes medizinische Fachpersonal verzichtet haben, das in den letzten Jahren auf der Suche nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen massenhaft in Richtung Westen ausgewandert ist. Und nun stellen sie fest, dass jene Menschen, die sie für ihre eigenen Bedürfnisse ausgebildet haben, jetzt auf viele Kliniken Westeuropas verstreut sind.

Die serbische Regierung rief in einer Kampagne namens "Punkt der Rückkehr" die im Ausland tätigen freiberuflichen Mediziner dazu auf, bei den diplomatischen Vertretungen ihre mögliche Verfügbarkeit anzumelden, falls sie bereit seien, vorübergehend mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihren Fertigkeiten zur Bekämpfung der Coronavirus–Epidemie nach Serbien zurückzukehren.

Es ist jedoch unklar, wie diejenigen, die auf den Appell aus Belgrad positiv reagieren und vorübergehend zurückzukehren bereit sind, um dem heruntergekommenen öffentlichen Gesundheitswesen ihres Heimatlandes zu helfen, nach Serbien gelangen könnten, da die Grenzen im Schengen-Raum weitestgehend geschlossen sind.

Die Regierung in Belgrad genehmigte inzwischen allen Beschäftigten im Gesundheitswesen eine Lohnerhöhung von zehn Prozent und erkannte damit praktisch an, dass die meisten im medizinischen Bereich tätigen Personen das Land wegen zu niedriger Einkommen verlassen haben.

In der Zwischenzeit erhielten in Serbien 568 junge Ärzte und 734 Krankenschwestern (Stand: 25. März), die derzeit ihr praktisches Jahr bei Gesundheitseinrichtungen landesweit machen und kurz vor der Fachprüfung stehen, in einem Schnellverfahren eine Festanstellung und wurden dadurch sofort ins serbische Gesundheitssystem integriert.

Auf diese Weise zeigt der Staat zumindest symbolisch die Bereitschaft, jenes medizinische Personal im Land zu halten, das sich sonst einen Platz in deutschen Gesundheitseinrichtungen und Pflegeheimen oder anderswo suchen würde. Bereits mehrmals in der Vergangenheit schlugen Gewerkschaften Alarm, dass junges, ausgebildetes Krankenhauspersonal gleich nach Ausbildungsende und abgelegter Fachprüfung ins Ausland abwanderte.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit überstieg die Zahl der Beschäftigten aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Montenegro, die in Deutschland eine Arbeit im Gesundheitswesen gefunden haben, bis Ende 2019 die Marke von 60.000.

Diese Zahl könnte in diesem Jahr noch drastisch anwachsen, insbesondere nach dem 1. März und dem Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes. 

Dennoch wird der Umgang mit dem Coronavirus die persönlichen Pläne Einzelner durchkreuzen. Dazu gehört Ljiljana Talić, eine Krankenschwester aus Banja Luka in Bosnien-Herzegowina, die in den letzten Jahren intensiv Deutsch gelernt hatte, um bald ein neues Leben in Deutschland zu beginnen:

Die Einladung des Arbeitgebers ist vorerst noch gültig. Ich hatte vor, am 30. März nach Deutschland zu reisen, aber dann ist plötzlich die COVID-19-Pandemie ausgebrochen. Jetzt weiß ich nicht, wie lange ich warten muss und wann die Bedingungen für meine Reise geschaffen werden. Ich habe dort einen sicheren Arbeitsplatz und ein Visum, das bis zum 16. September gültig ist. Als Angehörige eines Gesundheitsberufs weiß ich, dass die Behandlungsbedingungen in Deutschland besser sind als in unserem Land, und ich hoffe, dass wir hier trotz der Probleme im Gesundheitssektor und des Personalmangels mit der Infektion fertig werden können", beschreibt Ljiljana ihre Lage.

Aus ihren Worten sind keinerlei Anzeichen herauszuhören, dass sie die bereits getroffene Entscheidung ändern und den Auslandsjob, auf den sie sich so lange vorbereitet hatte, aufgeben will. Deutschland ist ihre Wahl, weil sie in ihrem eigenen Land keine Chance bekommen hat.

Der in München ansässige Vlastimir Vidić, Inhaber der Arbeitsagentur VGA Employment Agency, ist überzeugt, dass es kaum Möglichkeiten gibt, die aktuellen Trends der Abwanderung von medizinischem Fachpersonal aufzuhalten:

Nach unseren Informationen wird die Bundesregierung das Visumverfahren für ausländisches medizinisches Fachpersonal sowohl für diejenigen, die sich bereits in Deutschland aufhalten und die das Problem des Arbeits- und Aufenthaltsvisums noch nicht gelöst haben, als auch für diejenigen, die nach Deutschland kommen möchten, erheblich erleichtern.

Unter diesen Umständen kann der Appell der Regierung der Republik Serbien an ihre im Ausland lebenden und arbeitenden Angehörigen im Gesundheitswesen, in ihr Land zurückzukehren und im Kampf gegen das Coronavirus zu helfen, kaum große Auswirkungen haben.

Im Gegensatz zu einem Notstand wie bei Erdbeben, Überschwemmungen oder den Kriegsereignissen der 1990er Jahre sowie im Bombenkrieg gegen Serbien im Jahr 1999, als der Schwerpunkt des Problems ausschließlich auf seinem Territorium lag und die Diaspora in jeder Hinsicht auf humanitäre Hilfe reagierte – materiell, monetär, menschlich, personell –, ist die Situation diesmal deutlich anders.

Ist es realistisch zu erwarten, dass in diesem Moment die serbischen Ärzte und Krankenschwestern, die in Italien, Spanien, Deutschland und Österreich leben und arbeiten, trotz der besten Absichten und des unbestreitbaren Patriotismus auf diesen Appell reagieren werden?

Auf der anderen Seite weist Vidić darauf hin, dass in fast allen Ländern Westeuropas der Ausnahmezustand ausgerufen wurde und jedes Verlassen des Arbeitsplatzes in Krankenhäusern mit Sicherheit den automatischen Verlust nicht nur ihres Arbeitsplatzes, sondern auch der Genehmigung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen bedeuten würde.

Er schließt jedoch nicht aus, dass einige Angestellte im Gesundheitsbereich auf den Appell der serbischen Regierung reagieren und in ihre Heimat zurückkehren werden, einige aufgrund der Unzufriedenheit mit dem Status in Deutschland und andere aufgrund der Tatsache, dass sie in ihren eigenen Unternehmen gut positioniert sind und sich die Möglichkeit leisten können, sich vorübergehend ihrem Heimatland zur Verfügung zu stellen.

In der Zwischenzeit versuchen einige Balkanstaaten wie Serbien und Bosnien-Herzegowina, die Ausbreitung von COVID-19 zu stoppen, indem sie einige unpopuläre Maßnahmen ergreifen, beispielsweise den Aufbau von Zelten an Grenzübergängen, um Menschen, die in das Land einreisen, unter Quarantäne zu stellen. Eine solche Quarantäne wäre möglicherweise auch für jene Angestellte im Gesundheitsbereich fällig, die zurückkehren würden, um dem Land zu helfen, was in gewisser Weise die guten Absichten durchkreuzt.

Vom Standpunkt der Regierung ist dies die einzige verbleibende Lösung, um die Pandemie aufzuhalten, doch aus Sicht vieler Reisender und Bürger sowie der Personen auf der Durchreise ist dies absolut inakzeptabel und kann als Angriff auf Menschenrechte und Grundfreiheiten verstanden werden.

Wir besuchten den sehr stark befahrenen Grenzübergang in Gradiška (zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina), um zu überprüfen, wie die Quarantäne durchgeführt wird und unter welchen Bedingungen die Bürger untergebracht werden. Die Situation dort ist alles andere als komfortabel, aber wenn es keine andere Lösung gibt, werden die Bürger dies wohl oder übel akzeptieren. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Textes hat das Quarantänelager bereits seine ersten Bewohner aufgenommen.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Mehr zum Thema"Nur China hilft uns": Serbiens Präsident beklagt ausbleibende EU-Hilfe in der Corona-Krise

Folge uns aufRT
RT
Trends: # Corona-Pandemie

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen